Heft 
(1.1.2019) 02
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CAMPUS

KAPUTTSPAREN EINES UNUMSTRITTENEN STANDORTVORTEILS?

Gemeinsamer Appell von Wirtschaft, Gewerkschaften und Hochschulen

In Anbetracht der Mittelfristigen Finanz­planung des Landes, die für den Bereich von Wissenschaft und Bildung überpro­portionale Kürzungen vorsieht, haben sich nun die Vereinigung der Untemeh- mensverbände in Berlin und Branden­burg e.V (UVB), die Landesarbeitsge­meinschaft der Industrie- und Handels­kammern des Landes Brandenburg (IHK), der Deutsche Gewerkschaftsbund Landesverband Berlin-Brandenburg (DGB) und die Brandenburgische LandesRektorenKonferenz (BLRK) an den brandenburgischen Ministerpräsi­denten Dr. Manfred Stolpe gewandt. Sie taten dies in Form eines offenen Briefes, der nachfolgend veröffentlicht werden soll:

Die Förderung der Wissenschaftsland­schaft ist eine Grundvoraussetzung für die Heranführung des Wirtschaftsstandortes Brandenburg an das internationale Wett­bewerbsniveau. Wirtschaftsförderung, Bil­dung und Wissenschaft müssen daher im Landeshaushalt höchste Priorität einge­räumt werden. Mit der Mittelfristigen Fi­

nanzplanung vom 10. September 1996 für die Haushaltsjahre 1996 bis 2000 hat die Landesregierung für die im Aufbau befind­lichen Hochschulen eine Minderung der Haushaltsmittel (ohne Bau- und Erstaus­stattung) um 38,9 Mio DM (11,5%) im Jahr 1998 und 49,6 Mio DM (14,6 %) im Jahr 2000 beschlossen. Die Mittel für Bau- und Erstausstattung sollen bis zum Jahr 2000 im Durchschnitt um 6 % gegenüber 1996 gesenkt werden.

Angesichts der erwarteten Verdoppelung der Studierwilligen im Land Brandenburg auf 40.000 im Jahr 2000 ist dies ein Signal in die falsche Richtung. Wenn es nicht gelingt, die notwendigen geplanten Studienplätze zu verwirklichen, werden die jungen Bürger unseres Landes gezwungen, ihre Ausbil­dung in anderen Bundesländern zu sichern. Nur die wenigsten werden zurückkommen. Diesen Verlust des innovativen Potentials unseres Landes werden wir nicht ohne Schaden überstehen. Zur Zeit bietet das Land Brandenburg nur 1,2 % aller Studen­ten der Republik einen Studienplatz, wäh­rend 3,2 % der Gesamtbevölkerung in un­serem Land leben.

Das Land Brandenburg fällt auf durch die niedrigsten Wissenschaftsausgaben der Republik pro Einwohner (265,- DM; Bun­desdurchschnitt alte Länder ohne Berlin 431,- DM, neue Länder 400,- DM), den bundesweit geringsten Anteil des Wissen­schaftshaushaltes am Landeshaushalt (4,6 %; Durchschnitt alte Bundesländer 6,8 %), den nicht ausfinanzierten Hoch­schulhaushalt 1997 (gravierende Unterdek- kung bei den Betriebsausgaben, die durch Personaleinsparungen aufgefangen wer­den müssen). Dies bedarf einer grundsätz­lichen Korrektur!

Die Wissenschaftslandschaft und insbe­sondere die Hochschulen gehören zu den wenigen unumstrittenen Standortvor­teilen des Landes Brandenburg. Wer hier Einschnitte vornimmt und diese Bereiche beschädigt, schadet dem Wirtschafts­standort und damit dem Land. Die wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit unserer Region hängt entscheidend davon ab, ob qualifizierte und innovative Mitarbeiter für Unternehmen und Verwaltungen zur Ver­fügung stehen. Investitionen im Wissen­schaftsbereich sind Investitionen in den Wirtschaftsbereich und damit die Voraus­setzung für die Schaffung neuer Arbeits­plätze. Hochschulen im Aufbau sind kein Sparpotential für die kurzfristige Haus­haltssicherung, sondern Investitionen in die Zukunft. Das Land Brandenburg steht in der Gefahr, hier den Anschluß zu ver­passen.

Die Unterzeichnenden - Dr. Hartmann Klei­ner für die UVB, Peter Egenfer für die IHK, Christiane Bretz für den DGB und Prof. Dr. Helmut Knüppel für die BLRK - baten den Ministerpräsidenten daher eindringlich: Die Haushaltsansätze der Mittelfristigen Fi­nanzplanung vom 10.09.1996 zugunsten des Wissenschaftshaushaltes zu korrigie­ren; dabei mitzuhelfen, daß der Anteil der Wissenschaftsausgaben am Landeshaus­halt dem Durchschnitt der übrigen Bundes­länder angepaßt wird; Verläßlichkeit und Planungssicherheit für die Hochschulen zu schaffen und die Bemühungen, Branden­burg attraktiv zu machen für einheimische und ausländische Unternehmen, damit die Arbeitsplätze geschaffen werden können, deren das Land so dringend bedarf, zu un­terstützen.

DIE PUTZ IM INTERNET

http://www.uni-potsdam.de/

u/putz/index.htm

UKRAINISCHER BOTSCHAFTER ZU GAST

HSäl

Kürzlich besuchte der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Jurij Kostenko (rechts), auf Einladung des Prodekans der Philosophischen Fakultät I, Prof. Dr. Walter Witt (Mitte), das Institut für Slavistik, Kostenko wurde vom Geschäftsführenden Direktor des Instituts, Prof. Dr. Peter Kosta (links), begrüßt. In seinen Eröffnungsworten zum Vortrag des Botschafters unterstrich der Rektor der Umversität, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, die Bedeutung des Ausbaus der Kontakte zu den osteuropäischen Staaten. ]unj Kostenko gab m seinen Ausführungen einen Einblick in die gegenwärtige Situation in seiner Heimat. Ausführlich sprach er zu außenpolitischen Aspekten und ging auf die Beziehungen seines Landes zu Deutschland ein. Die lebhafte Diskussion im Anschluß zeigte das Interesse des Audito­riums an der Entwicklung der Ukraine, ihrer Stellung in Europa und des Verhältnisses zu Rußland und der Republik Belarus'. Zum Abschluß dieser Veranstaltung konnte Walter Witt dem Gast eine Spende der Mitarbeiter des Instituts in Höhe von 703,00 DM für die Kinder von Tschernobyl über­reichen. N. B./Foto: Tribukeit

PUTZ 2/97

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