FORUM INFOTHEK
ausgestaltet ist; die Prüfungsanforderungen in Brandenburg sind auch nicht niedriger als anderswo, da die Prüfungsaufgaben zu einem erheblichen Teil aus dem Klausurentausch mit anderen Justizprüfungsämtern in der Bundesrepublik stammen. Die Qualität der Ausbildung an meiner Fakultät, die sich durch ein hohes Maß an individueller Betreuung auszeichnet, dürfte daher wohl kaum schlechter sein, als an denvergleichbaren ,guten Hochschulen 1 . Vor allem aber hat das Land Brandenburg noch keine Volljuristen ausgebildet, von denen sich die Befragten ein Bild über die Juristische Fakultät der Universität Potsdam hätten machen können. Die ersten Absolventen der zweiten juristischen Staatsprüfung von jungen Juristen, die an meiner Fakultät ausgebildet worden sind, werden erst für Mitte des Jahres 1997 erwartet. Sie werden daher erst in Zukunft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und können daher auch erst in Zukunft Basis einer fundierten Einschätzung ihrer guten oder schlechten universitären, praxisbezogenen oder praxisfernen Ausbildung sein.
Sorgfältigem, verantwortungsbewußtem Journalismus hätte es entsprochen, die nach ihren Absolventen noch nicht beurteilbaren, neu gegründeten juristischen Fakultäten in den neuen Bundesländern nicht in eine derartige Bewertung aufzunehmen. Stattdessen berichtet das ,manager magaziri nach dem Hörensagen, beschießt meine sich erst profilierende Fakultät im Steigflug und verletzt die Fässagiere." Prof. Dr. Werner Merle Dekan der Juristischen Fakultät
„Endlich ein längst fälliger Artikel, der die gesamte Misere des deutschen Jurastudiums und die Perspektivlosigkeit der kommenden Absolventenjahrgänge deutlich macht und hoffentlich an der bequemen Ignoranz von Studenten und Professoren gleichermaßen rüttelt. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob dies mit einer rufmordähnlichen Kampagne verbunden werden mußte, die überdies jungen, sich noch profilierenden Universitäten jegliche Chance nimmt, je der seit Jahren bestehenden, unangefochtenen und selbstgefälligen süddeutschen 'Elite' das Wasser reichen zu können.
Das Zustandekommen dieses tendenziösen Rankings erscheint völlig undurchsichtig. Dabei fehlt zunächst eine Erklärung dafür, wie die auch befragten Nichtjuristen die Kompetenz einer juristischen Fakultät bewerten können. Darüber hinaus fehlen insbesondere genaue Definitionen und Relevanz der herangezogenen Kriterien. Obwohl beispielsweise die Universität Potsdam mit einem Anteil ausländischer Studenten von 5,3 Prozent über dem Durchschnitt aller deutschen Universitäten von 4
Prozent liegt, beurteilen die Experten des manager magazins Potsdams Internationalität mit nur 30,7 Prozent. Weiter ist nicht verständlich, wie die Verwaltungsqualität sich auf die fachliche Qualifikation eines Absolventen auswirken soll.
Bundesweit schließen alle Juristen ihr Studium mit einem universitätsunabhängigen Staatsexamen ab, welches zunächst jedem eine gleiche (gute oder schlechte) wissenschaftliche Ausbildung bescheinigt. Es liegt in der Hand jedes einzelnen Studenten, sich mit zusätzlichen Qualifikationen gegen die Masse zu behaupten. Fatal ist, daß auch den engagierten und begabten Studenten „unterdurchschnittlicher“ Universitäten durch dieses Ranking Felsbrocken in den Weg gelegt werden. Bleibt nur zu hoffen, daß zukünftige und weitsichtigere Arbeitgeber die Schwächen dieses Rankings durchschauen.“
Alexandra Buch-Heine, Antje Schilling Studentinnen der Universität Potsdam
ENDE DES DEUTSCHEN FORSCHUNGSDIENSTES
Ist ein Neuanfang möglich?
Nach 42 Jahren im Dienst von Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur hat der Deutsche Forschungsdienst beim Amtsgericht Bonn Vergleich angemeldet, der mittlerweile „mangels Masse" abgewiesen wurde. Nun befindet er sich in der Liquidierung. Der Forschungsdienst hatte sich einem allgemeinverständlichen Wissenschaftsjournalismus verpflichtet und erschien in wöchentlichem Rhythmus. Er informierte fast aller Print- und Rinkmedien in Deutschland über Neuigkeiten aus den Bereichen Forschung und Bildung. Seine Redakteure „übersetzten" die mitunter hochkomplizierten Zusammenhänge so geschickt, daß sie jeder verstehen und den Nutzen von Wissenschaft und Forschung an konkreten Beispielen nachvollziehen konnte. Inter Nationes übersetzte jeweils 20 Ausgaben pro Monat in drei Sprachen und verbreitete sie in über 140 Ländern. Da die Medien auch weiterhin Bedarf an allgemeinverständlichen wissenschaftlichen Artikeln haben, bemühen sich zwei ehemalige Redakteurinnen des Deutschen Forschungsdienstes gemeinsam mit Verlagspartnern um ein Nachfolgeprojekt: Es heißt „dfn - der forschungsdienst“. Hierfür sind wieder Geldgeber gesucht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Inter Nationes haben bereits finanzielle Zusagen gemacht, auch Abonnenten konnten bereits gewonnen werden. Noch fehlen weitere Partner aus der Wissenschaft und Industrie. Die endgültige Entscheidung über die Existenz oder Nichtxistenz des „dfn" soll im März dieses Jahres fallen. Hg.
SELTENE ZEIT(UNGS)DOKUMENTE
Das Institut für Presse- und Zeitgeschichte
JWenn man eine 'Prawda' von 1956 möchte oder eine Zeitung aus Äthiopien, ein 'ND' von 1953 oder eine Frontzeitung von 1943, eine Modezeitung von 1920 oder das Potsdamer Wochenblatt von 1818, wir liefern es." Das jedenfalls versichert Klaus-Peter Zentgraf, Geschäftsführer des in der Potsdamer Hegelallee 53 befindlichen Instituts für Presse und Zeitgeschichte (IPZ),
Die Einrichtung wurde bereits im Oktober 1992 gegründet. Heute beherbergt sie die nach Angaben Zentgrafs wohl größte private Sammlung historischer Zeitungen und Zeitschriften in den Neuen Bundesländern. Das aber ist nur ein Tfeil des hier gelagerten Schatzes. Insgesamt 500.000 Dokumente haben die beiden Mitarbeiterinnen und deren ehrenamtliche Mitstreiter bereits zusammengetragen. Untergebracht sind sie provisorisch in etwa 2000 Kartons an fünf verschiedenen Stellen der Havelstadt. Monatlich kommen weitere 5000 Druckerzeugnisse hinzu. Darunter befinden sich Flugblätter, Plakate, Exemplare der alternativen Presse und andere Raritäten. Auch ein Archiv mit annähernd 20.000 Fotos gehört zum Bestand der privaten Institution, die mit Dienstleistungen unterschiedlicher Art aufwartet. Nur eine davon: die Präsentation von Ausstellungen. Allein in diesem Jahr stehen fast 120 mögliche Themen zur Auswahl. Presse-Antiquariat, Fotografie-Service, Vortragsvermittlungen, spezielle Analysen und Recherchen sorgen zudem für inhaltliches Profil.
Ganz besonders stolz ist man im IPZ auf das vollständige Arsenal aller Zeitungen der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland bis 1994. Sogar die letzte Druckplatte des „Erbe(n) des Sieges“, der in Potsdam erschienenen Thgeszeitung der Westgruppe der GUS-Armee, liegt zur Ansicht bereit. Öffentliche Sprechstunden jedoch gibt es nicht. Bei Bedarf erfolgt die Ausleihe gewünschten Materials deshalb nur nach telefonischer Voranmeldung 0331/291501. RG.
YOLUHURI «flE
Aus dem Archiv des IPZ: Die letzte, einzige erhaltene Ausgabe von 1938.
PUTZ 2/97
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