Heft 
(1.1.2019) 02
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FORUM INFOTHEK

ausgestaltet ist; die Prüfungsanforderungen in Brandenburg sind auch nicht niedriger als anderswo, da die Prüfungsaufgaben zu einem erheblichen Teil aus dem Klausuren­tausch mit anderen Justizprüfungsämtern in der Bundesrepublik stammen. Die Qualität der Ausbildung an meiner Fakultät, die sich durch ein hohes Maß an individueller Be­treuung auszeichnet, dürfte daher wohl kaum schlechter sein, als an denvergleich­baren ,guten Hochschulen 1 . Vor allem aber hat das Land Brandenburg noch keine Voll­juristen ausgebildet, von denen sich die Befragten ein Bild über die Juristische Fa­kultät der Universität Potsdam hätten ma­chen können. Die ersten Absolventen der zweiten juristischen Staatsprüfung von jun­gen Juristen, die an meiner Fakultät ausge­bildet worden sind, werden erst für Mitte des Jahres 1997 erwartet. Sie werden daher erst in Zukunft dem Arbeitsmarkt zur Verfü­gung stehen und können daher auch erst in Zukunft Basis einer fundierten Einschät­zung ihrer guten oder schlechten universi­tären, praxisbezogenen oder praxisfernen Ausbildung sein.

Sorgfältigem, verantwortungsbewußtem Journalismus hätte es entsprochen, die nach ihren Absolventen noch nicht beurteilbaren, neu gegründeten juristischen Fakultäten in den neuen Bundesländern nicht in eine der­artige Bewertung aufzunehmen. Stattdessen berichtet das ,manager magaziri nach dem Hörensagen, beschießt meine sich erst pro­filierende Fakultät im Steigflug und verletzt die Fässagiere." Prof. Dr. Werner Merle Dekan der Juristischen Fakultät

Endlich ein längst fälliger Artikel, der die gesamte Misere des deutschen Jurastudi­ums und die Perspektivlosigkeit der kom­menden Absolventenjahrgänge deutlich macht und hoffentlich an der bequemen Ignoranz von Studenten und Professoren gleichermaßen rüttelt. Dabei stellt sich je­doch die Frage, ob dies mit einer rufmord­ähnlichen Kampagne verbunden werden mußte, die überdies jungen, sich noch pro­filierenden Universitäten jegliche Chance nimmt, je der seit Jahren bestehenden, un­angefochtenen und selbstgefälligen süd­deutschen 'Elite' das Wasser reichen zu können.

Das Zustandekommen dieses tendenziösen Rankings erscheint völlig undurchsichtig. Dabei fehlt zunächst eine Erklärung dafür, wie die auch befragten Nichtjuristen die Kompetenz einer juristischen Fakultät be­werten können. Darüber hinaus fehlen ins­besondere genaue Definitionen und Rele­vanz der herangezogenen Kriterien. Ob­wohl beispielsweise die Universität Pots­dam mit einem Anteil ausländischer Stu­denten von 5,3 Prozent über dem Durch­schnitt aller deutschen Universitäten von 4

Prozent liegt, beurteilen die Experten des manager magazins Potsdams Internationa­lität mit nur 30,7 Prozent. Weiter ist nicht verständlich, wie die Verwaltungsqualität sich auf die fachliche Qualifikation eines Absolventen auswirken soll.

Bundesweit schließen alle Juristen ihr Stu­dium mit einem universitätsunabhängigen Staatsexamen ab, welches zunächst jedem eine gleiche (gute oder schlechte) wissen­schaftliche Ausbildung bescheinigt. Es liegt in der Hand jedes einzelnen Studen­ten, sich mit zusätzlichen Qualifikationen gegen die Masse zu behaupten. Fatal ist, daß auch den engagierten und begabten Studentenunterdurchschnittlicher Univer­sitäten durch dieses Ranking Felsbrocken in den Weg gelegt werden. Bleibt nur zu hoffen, daß zukünftige und weitsichtigere Arbeitgeber die Schwächen dieses Rank­ings durchschauen.

Alexandra Buch-Heine, Antje Schilling Studentinnen der Universität Potsdam

ENDE DES DEUTSCHEN FORSCHUNGSDIENSTES

Ist ein Neuanfang möglich?

Nach 42 Jahren im Dienst von Bildung, Wis­senschaft, Forschung und Kultur hat der Deutsche Forschungsdienst beim Amtsge­richt Bonn Vergleich angemeldet, der mittler­weilemangels Masse" abgewiesen wurde. Nun befindet er sich in der Liquidierung. Der Forschungsdienst hatte sich einem allge­meinverständlichen Wissenschaftsjournalis­mus verpflichtet und erschien in wöchentli­chem Rhythmus. Er informierte fast aller Print- und Rinkmedien in Deutschland über Neuigkeiten aus den Bereichen Forschung und Bildung. Seine Redakteureübersetzten" die mitunter hochkomplizierten Zusammen­hänge so geschickt, daß sie jeder verstehen und den Nutzen von Wissenschaft und For­schung an konkreten Beispielen nachvollzie­hen konnte. Inter Nationes übersetzte jeweils 20 Ausgaben pro Monat in drei Sprachen und verbreitete sie in über 140 Ländern. Da die Medien auch weiterhin Bedarf an all­gemeinverständlichen wissenschaftlichen Artikeln haben, bemühen sich zwei ehe­malige Redakteurinnen des Deutschen Forschungsdienstes gemeinsam mit Ver­lagspartnern um ein Nachfolgeprojekt: Es heißtdfn - der forschungsdienst. Hierfür sind wieder Geldgeber gesucht. Die Deut­sche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Inter Nationes haben bereits finanzielle Zu­sagen gemacht, auch Abonnenten konnten bereits gewonnen werden. Noch fehlen wei­tere Partner aus der Wissenschaft und Indu­strie. Die endgültige Entscheidung über die Existenz oder Nichtxistenz desdfn" soll im März dieses Jahres fallen. Hg.

SELTENE ZEIT(UNGS)DOKUMENTE

Das Institut für Presse- und Zeitgeschichte

JWenn man eine 'Prawda' von 1956 möchte oder eine Zeitung aus Äthiopien, ein 'ND' von 1953 oder eine Frontzeitung von 1943, eine Modezeitung von 1920 oder das Pots­damer Wochenblatt von 1818, wir liefern es." Das jedenfalls versichert Klaus-Peter Zentgraf, Geschäftsführer des in der Pots­damer Hegelallee 53 befindlichen Instituts für Presse und Zeitgeschichte (IPZ),

Die Einrichtung wurde bereits im Oktober 1992 gegründet. Heute beherbergt sie die nach Angaben Zentgrafs wohl größte priva­te Sammlung historischer Zeitungen und Zeitschriften in den Neuen Bundesländern. Das aber ist nur ein Tfeil des hier gelager­ten Schatzes. Insgesamt 500.000 Dokumen­te haben die beiden Mitarbeiterinnen und deren ehrenamtliche Mitstreiter bereits zu­sammengetragen. Untergebracht sind sie provisorisch in etwa 2000 Kartons an fünf verschiedenen Stellen der Havelstadt. Mo­natlich kommen weitere 5000 Druckerzeug­nisse hinzu. Darunter befinden sich Flug­blätter, Plakate, Exemplare der alternativen Presse und andere Raritäten. Auch ein Ar­chiv mit annähernd 20.000 Fotos gehört zum Bestand der privaten Institution, die mit Dienstleistungen unterschiedlicher Art auf­wartet. Nur eine davon: die Präsentation von Ausstellungen. Allein in diesem Jahr stehen fast 120 mögliche Themen zur Aus­wahl. Presse-Antiquariat, Fotografie-Ser­vice, Vortragsvermittlungen, spezielle Ana­lysen und Recherchen sorgen zudem für inhaltliches Profil.

Ganz besonders stolz ist man im IPZ auf das vollständige Arsenal aller Zeitungen der so­wjetischen Streitkräfte in Deutschland bis 1994. Sogar die letzte Druckplatte des Erbe(n) des Sieges, der in Potsdam er­schienenen Thgeszeitung der Westgruppe der GUS-Armee, liegt zur Ansicht bereit. Öffentliche Sprechstunden jedoch gibt es nicht. Bei Bedarf erfolgt die Ausleihe ge­wünschten Materials deshalb nur nach tele­fonischer Voranmeldung 0331/291501. RG.

YOLUHURI «flE

Aus dem Archiv des IPZ: Die letzte, einzige erhaltene Ausgabe von 1938.

PUTZ 2/97

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