Heft 
(1.1.2019) 03
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Campus

Üben hilft nicht

Beratungsstelle für Kinder mit Rechenschwäche

Mathematik ist nicht jeder-| falsch. Sie erduldete Demüti­manns Sache. Wenn aber bei gungen, sollte gar eine Sonder­Kindern mangelndes Raum- schule besuchen, verlor die Lust vorstellungsvermögen fest- an der Schule.Nur ein frühzei­zustellen ist, zählend gerech-| tiger Therapiebeginn hilft, Wis­net wird, Zahlendreher die sensrückstände, Kompensations­Regel sind, sich verstärktes| strategien und Mißerfolge sowie Rechentraining als uneffek- die aus ihnen resultierenden tiv erweist, dann liegt mit| Blockaden im Verhalten zu ver­großer Wahrscheinlichkeit meiden und fördern das seeli­eine Rechenschwäche vor. sche Wohlbefinden und die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes, erläutert Ga­briele Krüger von derIn­itiative zur Förderung re­chenschwacher Kinder in Berlin-Brandenburg (IFRK-BB). Diese

In Brandenburg haben 14000 Kinder Dyskalkulie, so der Fach­ausdruck. In ganz Deutschland sind sechs Prozent aller Schul­pflichtigen mit dieser Störung konfrontiert. Diese Kinder müs­sen eine gezielte Unterstützung| Elterninitiative und erfahren. das Institut für Rechenschwäche kann viele Ur-| Grundschulpäda­sachen haben. Es handelt sich gogik der Uni dabei um eine Teilleistungs-| Potsdam laden schwäche im mathematischen| von Zeit zu Zeit Bereich. In den anderen-| zu nun schon tra­chern erbringen die Schüler teil-| ditionellen weise sogar gute und sehr gute| Rundtischgesprä­Leistungen. Rechenschwäche ist| chen ein. Solche also nicht die Folge von fehlen- Initiativen sind dem Konzentrationsvermögen auch deshalb sehr oder ungenügender Rechen-| hilfreich, weil sich fertigkeit. Deshalb erweist sich die auch vermehrtes häusliches| mit ihren Problemen oft allein Üben als sinnlos und qualvoll. gelassen fühlen.

Die 18jährige Ulrike hat leidvoll In der 1997 in Kraft getretenen erfahren müssen, welche schlim-| Grundschulordnung des Landes men Auswirkungen Unkenntnis| Brandenburg ist der Förderbe­bei Lehrern und Erziehern im| darffür rechenschwache Kinder Umgang mit ihrer Rechen- dokumentiert. Der Kenntnis­schwäche hat.Ich fühlte mich| stand der darin enthaltenen Re­

Betroffenen

gularien ist allerdings sehr un­terschiedlich. Dr. Angelika Köhnke aus dem Institut für Grundschulpädagogik betrach­tet es jedoch schon alsRiesen­fortschritt, daß erstmalig in ei­nem gesetzlichen Rahmen über­haupt von Lernschwierigkeiten

FUNFÜNDZWANZIG!

Zählend zu rechnen, gehört zu den typischen Verhaltens­weisen von Kindern mit Rechenschwäche. Zeichnung: Holtfreter­

Glienke

im Rechnen gesprochen wird. Auch an der Universität Pots­dam bleibt diese Thematik in der Ausbildung nicht unbe­rücksichtigt. Das Institut für Grundschulpädagogik bietet den Studierenden der Primar­

Lehrer werden gebraucht!

Nach Auskunft und dem ge­genwärtigen Planungsstand des brandenburgischen Ministeri­ums für Bildung, Jugend und Sport(MBJS) können an den Schulen des Landes in den Jah­ren bis 2010 jährlich ewa 360 Lehrkräfte aller Schulstufen eingestellt werden. Gründe da­für sind geänderte Strukturen und die Einführung neuer Fä­cher. Die Einstellungschancen sowohl in den Vorbereitungs­dienst als auch danach in den Schuldienst sind gut. Denn für die Durchführung der zweiten Phase der Lehrerausbildung stehen jährlich 450 Ausbil­

dungsplätze an den Studien­seminaren des Landes Bran­denburg zur Verfügung. Be­reits in den letzten Jahren konnten bis zu 80 Prozent der bisherigen Absolventen mit der gesamten Fächerpalette einge­stellt werden. Insbesondere in einigen Fachrichtungen der beruflichen Bildung, Musik, Kunst, Englisch, Französisch und Lebensgestaltung-Ethik­Religionskunde besteht noch auf Jahre hin Bedarf.

Die Befürchtung, durch Wei­terbildungsmaßnahmen wür­den Neueinstellungen verhin­dert, entbehrt jeder Grundlage.

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Denn durch Neueinstellungen kann der Fachlehrerbedarf nicht ansatzweise gedeckt wer­den. Gegenwärtig befinden sich 386 Lehramtskandidaten, davon 243 aus Brandenburg, 40 aus Berlin und 103 aus den anderen Bundesländern, im Vorbereitungsdienst in Bran­denburg.

Trotzdem besteht unstrittig die Notwendigkeit, durch eine be­rufsbegleitende wissenschaftli­che Weiterbildung von Lehr­kräften in relativ kurzer Zeit bestehende Defizite in der Qualifikationsstruktur der Leh­rerschaft zu mildern oder abzu­

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stufe sowie der Sekundarstufen

I und IT einen Spezialkurs Dys­

kalkulie an. Auch im Rahmen

der obligatorischen Lehrveran­staltungen in Entwicklungs­und Förderdiagnostik beschäf­tigen sich die Studierenden mit

Dyskalkulie.

Seit 1993 gibt es in der Pots­da mer Grundschu­le 34 die mit

Unterstützung der Uni aufgebaute Beratungs­stelle zur Förderung rechen­

schwacher Kin­

A derAbaküs(s)­I chen(Abakus >> ist die Bezeich­

nung für ein antikes Re­chenbrett). Im Sommer wird. diese Einrichtung in das Pots­damer Schul­bera­HOGU tungs­zentrum integriert. Dort gibt es zusam­mengefaßte Angebote für Schü­ler mit erheblichen. Lern­schwierigkeiten beim Erlernen des. Lesens; Rechtschreibens und Rechnens, aber auch son­derpädagogische und schulpsy­chologische Beratung. B.E.

bauen. Deshalb werden berufs­begleitende Weiterbildungs­studiengänge, die zum Erwerb einer weiteren Lehrbefähigung führen, im Rahmen des Son­derprogramms Weiterqualifi­zierung brandenburgischer Lehrkräfte von der Universität Potsdam angeboten. Der wei­tere: Ausbau. des: Fremd­sprachenunterrichts und des Faches Lebensgestaltung­Ethik-Religionskunde sowie die Qualifizierung in berufli­chen Fachrichtungen erfordern noch über Jahre die Durchfüh­rung von OQualifizierungs­programmen. B.E.