Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/99

Wissenschaft aktuell

Ein Signal für Leben und Tod

Sir Michael J. Berridge Gast im Leibniz-Kolleg

Das Element Kalzium benötigt der Körper vor allem für den Knochenaufbau, meinen Laien. Mindestens genauso unver­zichtbar ist Kalzium jedoch als Botenstoff bei der Zellkommu­nikation. Zellphysiologen be­zeichnen die zweifach positiv

geladenen Kalzium-lonen heu-|

te als wichtigeWörter in der Sprache der Zellen. Dies ist vor allem auch den Arbeiten von Prof. Sir Michael J. Berridge zu verdanken, der zur zweiten Veranstaltung des Leibniz-Kol­legs Potsdam am 11. Februar 1999 kam.

Berridge wurde 1938 in Rhode­sien geboren und begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit der Untersuchung der Spei­chelsekretion von Schmeißflie­gen. Der Zellphysiologe er­forscht seit gut dreißig Jahren, wie chemische Botenstoffe ver­schiedene Zellvorgänge regulie­ren, und er hat wichtige Mecha­nismen entschlüsselt. Heute lei­tet Berridge das Labor für Mo­lekulare Signale des Babraham Instituts im britischen Cam­bridge.

Jedes Leben beginnt mit Kalzi­um-Oszillationen.Es ist, als ob diese Oszillationen die Eizelle daran erinnern müßten, daß sie

Die Rolle von Kalzium in der Zellkommunikation un­tersucht eine Gruppe um Prof. Dr. Bernd Walz. Fotos: Fritze

| anregen,

| gerade befruchtet wurde und

es dauert ein paar Stunden, be­vor es die Eizelle versteht und beginnt, sich zu teilen, erklär­te Berridge vor dem bunt ge­mischten Publikum im Audi­max. Auch im Immunsystem sind es Kalzium-Ionen, welche die Abwehrzellen zur Teilung wenn Alarmbereit­schaft herrscht. Selbst geistige Vorgänge, wie Lernen und Ver­gessen, werden durch Kalzium­Ionen beeinflußt. Kalzium-Io­nen gehören zu den sogenann­ten sekundären Botenstoffen. Sie brauchen als Auslöser Signa­le von primären Botenstoffen, zumeist Hormonen. Die Spra­che der Kalzium-Ionen setzt sich aus einer räumlichen und einer zeitlichen Komponente zusammen: Die Konzentration der Kalzium-Ionen innerhalb der Zelle ändert sich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. Und auf den Rhythmus kommt es an. So zeigen die Herzmuskelzellen bei vom Herzinfarkt bedrohten Patien­ten Kalzium-Oszillationen, die sich aufschaukeln und zur völli­gen Kontraktion der Herzmus­keln führen können. Und wenn sich die Zelle schließlich nicht mehr gegen die Erhöhung der Kalzium-Ionen-Konzentration

Prof. Sir Michael J. Berridge, The Ba­braham Institute, Cambridge, UK.

wehrt, weil bestimmte Organ­zellen den Dienst versagen, dann löst das einfache Element Kalzium den programmierten Zelltod aus.

An der Universität Potsdam ar­beitet eine Gruppe um Prof. Bernd Walz über die Rolle von Kalzium in der Zellkommuni­

| kation. Gemeinsam mit Wis­

senschaftlern des Deutschen Instituts für Ernährungsfor­schung, des Max-Planck-Insti­tuts für Zellphysiologie und Prof. Sir Michael J. Berridge fand am 12. Februar ein For­schungsseminar statt. ar

Preise für den Nachwuchs

Auf der öffentlichen Hauptver­anstaltung des Leibniz-Kollegs Potsdam konnte Prof. Jürgen Kurths eine gute Nachricht ver­künden: Den Initiatoren des Leibniz-Kollegs ist es gelungen, Sponsoren für neue Preise für junge Naturwissenschaftler zu gewinnen.

Preis für bestes Schulprojekt Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe aus Brandenburger Schulen kön­nen sich mit einer aussagekräf­

| tigen Skizze zu einem natur;

wissenschaftlichen oder ma­thematischen Projekt bewer­ben. Ihr Vorhaben sollte etwa ein Jahr dauern.

Die Bewerbung muß der Jury bis zum 31. Mai 1999 vorlie­gen. Das Preisgeld von 2.000 DM ist zweckgebunden und soll für die Anschaffung der erforderlichen Ausrüstung, für Reisekosten oder für Fach­literatur genutzt werden. Mit dem Preis ist die Möglichkeit

| verbunden, zu Fachwissen­

schaftlern in Kontakt zu tre­ten und die Arbeit nach Pro­jektabschluß im Leibniz-Kol­leg Potsdam öffentlich vorzu­stellen.

Promotionspreis für Schnelle Der weltbekannte Gravitations­experte Prof. Kip Thorne vom California Institute of Techno­logy, Hauptredner der ersten Veranstaltung des Leibniz-Kol­legs Potsdam im April 1998, hat einen Preis für Doktorandinnen und Doktoranden der Mathema­tisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät gestiftet. Die Nach­wuchswissenschaftler sollen zum Zeitpunkt der Promotion das dreißigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Das Preis­geld von 5.000 DM ist zur Fi­nanzierung eines Forschungsauf­enthalts im Ausland gedacht.

Bewerbungen sind bis zum 14. Mai 1999 einzureichen. Zu rich­ten sind die Unterlagen für bei­de. Preise. an: Prof. Dr. Jürgen Kurths, Leibniz-Kolleg Potsdam, c/o Universität Potsdam, Am Neuen Palais 10, 14469 Pots­dam. ar

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