PUTZ 3/99
Wissenschaft aktuell
Ein Signal für Leben und Tod
Sir Michael J. Berridge Gast im Leibniz-Kolleg
Das Element Kalzium benötigt der Körper vor allem für den Knochenaufbau, meinen Laien. Mindestens genauso unverzichtbar ist Kalzium jedoch als Botenstoff bei der Zellkommunikation. Zellphysiologen bezeichnen die zweifach positiv
geladenen Kalzium-lonen heu-|
te als wichtige„Wörter“ in der Sprache der Zellen. Dies ist vor allem auch den Arbeiten von Prof. Sir Michael J. Berridge zu verdanken, der zur zweiten Veranstaltung des Leibniz-Kollegs Potsdam am 11. Februar 1999 kam.
Berridge wurde 1938 in Rhodesien geboren und begann seine wissenschaftliche Laufbahn mit der Untersuchung der Speichelsekretion von Schmeißfliegen. Der Zellphysiologe erforscht seit gut dreißig Jahren, wie chemische Botenstoffe verschiedene Zellvorgänge regulieren, und er hat wichtige Mechanismen entschlüsselt. Heute leitet Berridge das Labor für Molekulare Signale des Babraham Instituts im britischen Cambridge.
Jedes Leben beginnt mit Kalzium-Oszillationen.„Es ist, als ob diese Oszillationen die Eizelle daran erinnern müßten, daß sie
Die Rolle von Kalzium in der Zellkommunikation untersucht eine Gruppe um Prof. Dr. Bernd Walz. Fotos: Fritze
| anregen,
| gerade befruchtet wurde— und
es dauert ein paar Stunden, bevor es die Eizelle versteht und beginnt, sich zu teilen“, erklärte Berridge vor dem bunt gemischten Publikum im Audimax. Auch im Immunsystem sind es Kalzium-Ionen, welche die Abwehrzellen zur Teilung wenn Alarmbereitschaft herrscht. Selbst geistige Vorgänge, wie Lernen und Vergessen, werden durch KalziumIonen beeinflußt. Kalzium-Ionen gehören zu den sogenannten sekundären Botenstoffen. Sie brauchen als Auslöser Signale von primären Botenstoffen, zumeist Hormonen. Die Sprache der Kalzium-Ionen setzt sich aus einer räumlichen und einer zeitlichen Komponente zusammen: Die Konzentration der Kalzium-Ionen innerhalb der Zelle ändert sich nicht nur räumlich, sondern auch zeitlich. — Und auf den Rhythmus kommt es an. So zeigen die Herzmuskelzellen bei vom Herzinfarkt bedrohten Patienten Kalzium-Oszillationen, die sich aufschaukeln und zur völligen Kontraktion der Herzmuskeln führen können. Und wenn sich die Zelle schließlich nicht mehr gegen die Erhöhung der Kalzium-Ionen-Konzentration
Prof. Sir Michael J. Berridge, The Babraham Institute, Cambridge, UK.
wehrt, weil bestimmte Organzellen den Dienst versagen, dann löst das einfache Element Kalzium den programmierten Zelltod aus.
An der Universität Potsdam arbeitet eine Gruppe um Prof. Bernd Walz über die Rolle von Kalzium in der Zellkommuni
| kation. Gemeinsam mit Wis
senschaftlern des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung, des Max-Planck-Instituts für Zellphysiologie und Prof. Sir Michael J. Berridge fand am 12. Februar ein Forschungsseminar statt. ar
Preise für den Nachwuchs
Auf der öffentlichen Hauptveranstaltung des Leibniz-Kollegs Potsdam konnte Prof. Jürgen Kurths eine gute Nachricht verkünden: Den Initiatoren des Leibniz-Kollegs ist es gelungen, Sponsoren für neue Preise für junge Naturwissenschaftler zu gewinnen.
Preis für bestes Schulprojekt Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe aus Brandenburger Schulen können sich mit einer aussagekräf
| tigen Skizze zu einem natur;
wissenschaftlichen oder mathematischen Projekt bewerben. Ihr Vorhaben sollte etwa ein Jahr dauern.
Die Bewerbung muß der Jury bis zum 31. Mai 1999 vorliegen. Das Preisgeld von 2.000 DM ist zweckgebunden und soll für die Anschaffung der erforderlichen Ausrüstung, für Reisekosten oder für Fachliteratur genutzt werden. Mit dem Preis ist die Möglichkeit
| verbunden, zu Fachwissen
schaftlern in Kontakt zu treten und die Arbeit nach Projektabschluß im Leibniz-Kolleg Potsdam öffentlich vorzustellen.
Promotionspreis für Schnelle Der weltbekannte Gravitationsexperte Prof. Kip Thorne vom California Institute of Technology, Hauptredner der ersten Veranstaltung des Leibniz-Kollegs Potsdam im April 1998, hat einen Preis für Doktorandinnen und Doktoranden der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät gestiftet. Die Nachwuchswissenschaftler sollen zum Zeitpunkt der Promotion das dreißigste Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Das Preisgeld von 5.000 DM ist zur Finanzierung eines Forschungsaufenthalts im Ausland gedacht.
Bewerbungen sind bis zum 14. Mai 1999 einzureichen. Zu richten sind die Unterlagen für beide. Preise. an: Prof. Dr. Jürgen Kurths, Leibniz-Kolleg Potsdam, c/o Universität Potsdam, Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam. ar
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