Heft 
(1.1.2019) 04
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PUTZ 4/99

Hochschulen als Stätten der Kultur 50 Jahre Hochschulrektorenkonferenz

Mit einer Reiseschreibma­schine fing alles an, resü­miert Dr. Werner Becker vom Büro der Hochschul­rektorenkonferenz(HRK) jene Zeit im April 1949, als in München die Rektoren von 16 Universitäten zu ei­ner Besprechung zusammen­kamen. Außer den damals üblichen Themen- Grund­sätzliches zu Prüfungs- und Habilitationsordnungen, zum Numerus clausus, einer Disziplinarordnung für Stu­dierende, zur Entziehung von Doktorgraden wurde die Gründung einer West­deutschen Rektorenkonfe­renz vorgeschlagen.

Die drängenden Fragen in der Debatte waren damals: Was ist mit den ostdeutschen Hoch­schulen? Wie soll eine Zusam­menarbeit mit der staatlichen Hochschulverwaltung ausse­hen? Schließlich wurde eine Mitteldeutsche Kommission als Teil der Westdeutschen Rektorenkonferenz(WRK)­so hieß das Gremium bis zur Vereinigung der Hochschulen 1990 eingerichtet, Materia­lien und Dokumente zum DDR-Hochschulwesen ge­sammelt. Zwar gab es von Ost und West aus gegenseitiges Bemühen um Kontakte; aber mit ostdeutschen Hochschu­len, die den Status der staatli­chen Autonomie verloren hat­ten, war von Seiten der WRK nur schwer umzugehen.

Mit der bildlichen Assoziation einer alten Dame, die mit dem Krückstock drohend hinter ei­nem bereits abgefahrenen Zug herschimpft, verglich der von 1990 bis 1997 wirkende Präsi­dent, Prof. Dr. Hans-Uwe Erichsen, die Politik der Kon­ferenz noch bis in die 80er Jahre hinein. Diekonstituti­ve Schwäche hat das Bild der WRK in der Öffentlichkeit über viele Jahre geprägt. Ur­teile dieser Art rührten daher, daß mit den in den 70er und 80er Jahren ständig steigenden Studierendenzahlen und sich verknappenden Haushaltsmit­teln die jeweiligen Präsidenten

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der Konferenz permanent die Vorstellung vom Untergang der deutschen Universitäten

wachhielten. Einen Durch­bruch hin zu progressiver Hochschul- und Wissen­

schaftspolitik hatte es bereits mit derGodesberger Erklä­rung von 1968 gegeben. Dort ist die bis heute aktuell gebliebene Forderung einge­schrieben:Die Zukunft der (west)deutschen Universitäten hängt ab von den Entschei­dungen, die sie jetzt selber treffen. Erfolgreich ist die HRK, weil sie nicht Interessen der Hochschule als jeweiliger Einrichtung und Organisation vertritt, sondern vielmehr auf den gesellschaftlichen Aufrag der Hochschulen insgesamt orientiert.

Die HRK ist so zu einem Bin­deglied zwischen Kultusmini­sterkonferenz und Wissen­schaftsrat geworden, ihr gehö­ren derzeit 258 Mitglieds­hochschulen an. Die HRK hat in zahlreichen wissenschaftli­chen, politischen und gesell­schaftlichen Institutionen Stimm- und Gastrecht.. Die HRK wirkte mit an der Novel­lierung des Hochschulrahmen­gesetzes, was die Durchschau­barkeit gesetzlicher Regelun­gen zur: Folge hatte und Bachelor- und Master-Ab­schlüsse an deutschen Hoch­schulen in Aussicht stellt. In anderen brisanten und weitrei­chenden Themenstellungen geht es z.B. um die Hoch­schulfinanzierung, das Promo­tionsstudium, das Patentwesen und die Image-Steigerung des deutschen Hochschulsystems. Mit dem Thema der 1999er Jahrestagung der Konferenz im April in WeimarHoch­schulen als Stätten der Kultur versuchte die HRK wiederum Impulse zur Hochschulent­wicklung zu geben. Prof. Dr: Hans-Joachim Meyer, Präsi­dent der Kultusministerkonfe­renz, referierte über Chancen und Hoffnungen, aber auch über Gefährdungen, die sich mit Hochschulen als Stätten der Kultur verbinden. Meyer

sprach vonMitverantwor­

tung(der Hochschulen) für Inhalt und Niveau der politi­schen Kultur in Deutschland und insbesondere für die kul­turelle Qualität der politischen Debatte. Weiter ging er da­von aus, daßdie deutschen Universitäten und Hochschu­len in ihrem Mangel an wir­kungsvoll demonstrierter Selbstachtung und mit ihrem fehlenden Willen zur öffentli­chen Darstellung eine Sonder­rolle gegenüber anderen In­stitutionen innehätten. Nach 50 Jahren HRK mahnte er an, daß Universitäten und Hoch­schulen nicht nur Orte von Kultur in dem Sinne sind, in dem heutzutage ja so gut wie alles Kultur ist, sondern auch kulturell geprägte Einrichtun­

gen sein müssen. Dr. Thomas Freitag, PÖK, B.E.

Herzog für Bildungsreform

Bundespräsident Roman Her­zog hat jüngst eine tiefgreifen­de Bildungsreform in Deutsch­land verlangt. So geschehen auf dem Kürzlich abgehaltenen Deutschen Bildungskongreß in Bonn. Kernpunkt seiner For­derung: Finanzierung nach Lei­stung. Demnach müßteneini­ge heilige Kühe geschlachtet werden. Es sollten sinnvolle Sy­steme zum Tragen kommen, nach denen diejenigen Bil­dungseinrichtungen mehr Geld erhielten, die mehr leisteten. Auch Änderungen bezüglich des Dienst- und Tarifrechts für Lehrer und Professoren seien durchaus notwendig. PUTZ

Ausstellung

Forschen für eine lebenswerte Zukunft heißt eine jüngst er­öffnete Ausstellung des Pots­dam-Instituts für Klimafolgen­forschung. Zu sehen ist sie vom 18. Mai bis 24. Juni 1999 im Landtag Brandenburg. Einblick können Besucher montags bis freitags zwischen 7.30 und 16.00 Uhr nehmen.. PUTZ

Mehr Geld

Ab 1. Juli 1999 bekommen Doktoranden der Graduierten­kollegs mehr Geld: Ihre Stipen­dien steigen in den neuen Bun­desländern von 1300 auf 1550 DM, in den alten Bundeslän­dern von 1400 auf 1600 DM. Die Deutsche Forschungsge­meinschaft(DFG) will gleich­zeitig die Zahl der Stipendien pro Graduiertenkolleg senken, so daß die Erhöhung dadurch finanziert werden kann. ar

Sachmittel für Zoologie

Die Deutsche Forschungsge­meinschaft(DEG)- hat: Dr. Bernhard Zimmermann vom Institut für Zoophysiologie und Zellbiologie an der Uni­veristät Potsdam Sach- und Personalmittel in Höhe von 126000 DM bewilligt. Damit fördert die DFG ein auf drei Jahre angesetztes Forschungs­projekt, bei dem die Regulati­on der Speichelsekretion durch Änderungen der Calciumkon­zentrationen in den Speichel­drüsen von Schmeißfliegen un­

tersucht wird. PUTZ IMPRESSUM 8SN 0947-1650 PUTZ

Die Potsdamer Universitätszeitung

Herausgeber: Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit(PÖK) im Auftrag des Rektors der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder Redaktion: Dr. Barbara Eckardt(B.E.), Janny Glaesmer(gl)(verantwortl.), Petra Görlich(P.G.), Dr. Antonia Rötger(ar)

Texterfassung, Vertrieb:

Andrea Benthien

Titelfoto: Archiv

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Am Neuen Palais 10, D-14469 Potsdam, Telefon(03 31) 9 77-1474 oder-1496, -1665,-1675

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Redaktionsschluß der Juni-Ausgabe: Montag, 31. Mai 1999

Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.

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Es gilt Anzeigen-Preisliste Nr. 2 (vom 1.7.1997)

Anzeigenschluß der Juni-Ausgabe: Freitag, 11. Juni 1999