Das Letzte
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Lieber Steffen Reiche,
Brandenburger Hochschulen belegen auf den Ranglisten regelmäßig vordere Plätze, Studierende strömen in Massen zu uns, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen Preise, haben ein erstklassiges internationales Renommee und werden sogar zuweilen wegberufen. An diesen Erfolgen ist das Wissenschaftsministerium nicht unbeteiligt. Es hat in der Vergangenheit sichergestellt, daß die nicht ausfinanzierten Personalhaushalte und die konkursträchtigen Sachzuweisun‚gen verstetigt werden und den jeweils nächsten Haushalt auszeichnen, daß die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses nahe Null und der Hochschulbau zerstreckt bleibt. Wie weiland beim Weinwunder zu Kana* ist es Dir immer gelungen, diese vielleicht dann doch etwas wässrige Bilanz in der Öffentlichkeit zu veredeln und jeden Zweifler verstummen zu lassen. Es ist deshalb nachgerade unverständlich, daß innerhalb des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur sich Kleinmut ausbreitet und dieser, in Worte und Zahlen gegossen, völlig unverständlicherweise auch noch als Ressortbericht des Ministeriums zur gefälligen Beachtung ins Kabinett getragen wird. Wie kann darin jemand klaren Sinnes behaupten, daß„die Zahlungsunfähigkeit... bisher nur durch die im Rahmen der Haushaltsflexibilisierung mögliche Mittelschöpfung aus dem Stellenbereich vermieden werden“ konnte. Oder: Es sei„vor allem im Hochschulbereich eine strukturelle Unterfinanzierung festzustellen“. Schlimmer noch, es werden Untergangsszenarien gezimmert, die in ihrer ehernen Unausweichlichkeit vergebens auf ein nädiges Schicksal hoffen lassen. Die vorhandenen Personalmittel' beim prognostizierten Anwachsen der Studierendenzahlen führten dazu, daß „in absehbarer Zeit die Hochschulen ihren Auftrag nicht mehr erfüllen können“.
Nicht einmal zu einem trotzigen„apres nous le deluge“ scheinen sich die Autoren des Pamphlets aufraffen zu können.
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Als wäre dies noch nicht genug, fallen sie Dir mit raffiniert aufbereiteten Statistiken in den Rücken, Du, der sich, wie letztens auf einer Diskussionsveranstaltung zur Zukunft von Wissenschaft in diesem Land, die Magie der Zahlen wieder einmal brillant nutzte, um jedem, der es kaum glauben wollte, nachzuweisen, daß die Hochschulen immer mehr bekommen hätten, als sie eigentlich bekommen haben(sollten). Diese Abakus-Artisten stellen beispielsweise absurde Relationen zwischen Einwohnerköpfen und Hochschulgeld auf. Nur 148 DM Kopfgeld soll hierzulande für die Hochschulen erhoben worden sein? Nicht nachvollziehbar. Oder sie vergleichen in dem Ressortbericht die blühende Hochschul- und Kulturlandschaft Brandenburg mit dem durch üppige Musikfestivals und freizügige Förderung der dänischen Minderheit ruinierten Schleswig-Holstein oder dem durch maßlosen Goetheund Bauhaus-Kult sowie teure Kunstskandale gebeutelten Thüringen infamerweise So, daß Brandenburg als wissenschaftliches und kulturelles Entwicklungsland dasteht— wo es sich doch bloß durch zurückhaltende Ausgabenpolitik wohltuend von den Verschwendern im Norden und Süden abheben will. Lieber Steffen Reiche, laß die Dunkelmänner, Zahlendreher und kleinkarierten Schlechtredner in der Hölle ihrer selbsterfüllten Prophezeiung dahinsiechen, laß Schule und Parteivorsitz anderen, die es nicht besser könnten. Komm in die lichten Höhen der Wissenschaft und schreite mit uns voran auf dem Brandenburger Weg des Minimalismus in ein glänzendes, ein neues Jahrtausend, in dem unser Brandenburg mit dem großmütigsten Hochschulgesetz, der heftigsten Toleranz, den vielköpfigsten Stuben-Orchestern und den raumfüllendsten Kleinkunstbühnen sich anschickt, den deutschen Ländern endlich„den Primat der Kleinigkeit zu entreißen“(Lichtenberg).
Dein Joachim Gessinger
*Joh. 2, 1-13
Theater im Park
Bis Anfang September wird im Säulenhof der Orangerie im Park von Sanssouci an den Wochenenden jeweils um 17.30 Uhr Theater gespielt. Auf dem Programm steht eine der bekanntesten Liebesgeschichten der Weltliteratur„Aci, Galatea
€ Polifemo“ von Georg Fried
rich Händel. Vorstellungen am 17., 18:, 24. und 25. Juli. Auch Goethes„Die Mitschuldigen“ kommt zur Aufführung. Das Stück verbindet Elemente der italienischen Typenkomödie mit denen des bürgerlichen Lustspiels. Aufführungen am 1., 6. bis8., 13. bis 15.20. bis 22., 27. und 28. August. Karten(25 DM, ermäßigt 15 DM) sind beim Besucherservice des Hans Otto Theaters, Tel. 0331/27571-0, oder beim Kartenservice der Potsdam-Information, Tel. 0331/2755888, erhältlich. PUTZ
Kulturhinweise online
Einen Überblick über Veranstaltungen des KulturLandes Brandenburg 1999 bietet eine Terminvorschau im Internet unter http: //www.brandenburg.de/ kulturland/99 /inhalt.htm.
| Aufgelistet sind Termine von
Konzerten, Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Millenniumsfeierlichkeiten in Brandenburg. Das Internetangebot erläutert auch die thematischen Schwerpunkte für das KulturLand Brandenburg 1999, 2000 und 2001. PUTZ
Ausstellung im Landtag
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„Ernst ist die Arbeit— doch heiter kann der Blick darauf sein!“ heißt eine Ausstellung im Landtag Brandenburg, Am Havelblick 08. Gezeigt werden Fotoimpressionen von Simone Thomas, die lustige Augenblicke aus dem Landtags-Alltag festhalten. Die Schau ist noch bis zum 20. August dieses Jahres geöffnet. Montags bis freitags besteht von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr die Möglichkeit, die gezeigten Fotografien zu betrach
ten. PUTZ IMPRESSUM ISSN 0947-1650 PUTZ
Die Potsdamer Universitätszeitung
Herausgeber: Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit(PÖK) im Auftrag des Rektors der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder
Redaktion: Dr. Barbara Eckardt(B.E.), Janny Glaesmer(gl)(verantwortl.), Petra Görlich(P.G.), Dr. Antonia Rötger(ar)
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Redaktionsschluß der Oktober-Ausgabe: Freitag, 17. September 1999 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.
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