Heft 
(1.1.2019) 06
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Das Letzte

PUTZ 6/99

Lieber Steffen Reiche,

Brandenburger Hochschulen belegen auf den Ranglisten re­gelmäßig vordere Plätze, Stu­dierende strömen in Massen zu uns, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewinnen Prei­se, haben ein erstklassiges inter­nationales Renommee und werden sogar zuweilen weg­berufen. An diesen Erfolgen ist das Wissenschaftsministerium nicht unbeteiligt. Es hat in der Vergangenheit sichergestellt, daß die nicht ausfinanzierten Personalhaushalte und die kon­kursträchtigen Sachzuweisun­‚gen verstetigt werden und den jeweils nächsten Haushalt aus­zeichnen, daß die Förderung des wissenschaftlichen Nach­wuchses nahe Null und der Hochschulbau zerstreckt bleibt. Wie weiland beim Wein­wunder zu Kana* ist es Dir immer gelungen, diese viel­leicht dann doch etwas wäss­rige Bilanz in der Öffentlich­keit zu veredeln und jeden Zweifler verstummen zu las­sen. Es ist deshalb nachgerade unverständlich, daß innerhalb des Ministeriums für Wissen­schaft, Forschung und Kultur sich Kleinmut ausbreitet und dieser, in Worte und Zahlen gegossen, völlig unverständ­licherweise auch noch als Res­sortbericht des Ministeriums zur gefälligen Beachtung ins Kabinett getragen wird. Wie kann darin jemand klaren Sinnes behaupten, daßdie Zahlungsunfähigkeit... bisher nur durch die im Rahmen der Haushaltsflexibilisierung mög­liche Mittelschöpfung aus dem Stellenbereich vermieden wer­den konnte. Oder: Es seivor allem im Hochschulbereich eine strukturelle Unterfinan­zierung festzustellen. Schlim­mer noch, es werden Unter­gangsszenarien gezimmert, die in ihrer ehernen Unaus­weichlichkeit vergebens auf ein nädiges Schicksal hoffen las­sen. Die vorhandenen Perso­nalmittel' beim prognostizier­ten Anwachsen der Studieren­denzahlen führten dazu, daß in absehbarer Zeit die Hoch­schulen ihren Auftrag nicht mehr erfüllen können.

Nicht einmal zu einem trotzi­genapres nous le deluge schei­nen sich die Autoren des Pam­phlets aufraffen zu können.

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Als wäre dies noch nicht genug, fallen sie Dir mit raffiniert aufbereiteten Statistiken in den Rücken, Du, der sich, wie letz­tens auf einer Diskussionsver­anstaltung zur Zukunft von Wissenschaft in diesem Land, die Magie der Zahlen wieder einmal brillant nutzte, um je­dem, der es kaum glauben woll­te, nachzuweisen, daß die Hoch­schulen immer mehr bekommen hätten, als sie eigentlich bekom­men haben(sollten). Diese Abakus-Artisten stellen bei­spielsweise absurde Relationen zwischen Einwohnerköpfen und Hochschulgeld auf. Nur 148 DM Kopfgeld soll hierzulande für die Hochschulen erhoben worden sein? Nicht nachvoll­ziehbar. Oder sie vergleichen in dem Ressortbericht die blühende Hochschul- und Kulturland­schaft Brandenburg mit dem durch üppige Musikfestivals und freizügige Förderung der dänischen Minderheit ruinier­ten Schleswig-Holstein oder dem durch maßlosen Goethe­und Bauhaus-Kult sowie teure Kunstskandale gebeutelten Thüringen infamerweise So, daß Brandenburg als wissen­schaftliches und kulturelles Entwicklungsland dasteht wo es sich doch bloß durch zurück­haltende Ausgabenpolitik wohltuend von den Verschwen­dern im Norden und Süden abheben will. Lieber Steffen Reiche, laß die Dunkelmänner, Zahlendreher und kleinkarierten Schlecht­redner in der Hölle ihrer selbst­erfüllten Prophezeiung dahin­siechen, laß Schule und Partei­vorsitz anderen, die es nicht besser könnten. Komm in die lichten Höhen der Wissenschaft und schreite mit uns voran auf dem Brandenburger Weg des Minimalismus in ein glänzen­des, ein neues Jahrtausend, in dem unser Brandenburg mit dem großmütigsten Hochschul­gesetz, der heftigsten Toleranz, den vielköpfigsten Stuben-Or­chestern und den raumfüllend­sten Kleinkunstbühnen sich an­schickt, den deutschen Ländern endlichden Primat der Klei­nigkeit zu entreißen(Lichten­berg).

Dein Joachim Gessinger

*Joh. 2, 1-13

Theater im Park

Bis Anfang September wird im Säulenhof der Orangerie im Park von Sanssouci an den Wo­chenenden jeweils um 17.30 Uhr Theater gespielt. Auf dem Programm steht eine der be­kanntesten Liebesgeschichten der WeltliteraturAci, Galatea

Polifemo von Georg Fried­

rich Händel. Vorstellungen am 17., 18:, 24. und 25. Juli. Auch GoethesDie Mitschul­digen kommt zur Auffüh­rung. Das Stück verbindet Ele­mente der italienischen Typen­komödie mit denen des bürger­lichen Lustspiels. Aufführungen am 1., 6. bis8., 13. bis 15.20. bis 22., 27. und 28. August. Karten(25 DM, ermäßigt 15 DM) sind beim Besucherservice des Hans Otto Theaters, Tel. 0331/27571-0, oder beim Kar­tenservice der Potsdam-Infor­mation, Tel. 0331/2755888, erhältlich. PUTZ

Kulturhinweise online

Einen Überblick über Veranstal­tungen des KulturLandes Bran­denburg 1999 bietet eine Ter­minvorschau im Internet unter http: //www.brandenburg.de/ kulturland/99 /inhalt.htm.

| Aufgelistet sind Termine von

Konzerten, Lesungen, Ausstel­lungen, Theateraufführungen und Millenniumsfeierlichkeiten in Brandenburg. Das Internet­angebot erläutert auch die the­matischen Schwerpunkte für das KulturLand Brandenburg 1999, 2000 und 2001. PUTZ

Ausstellung im Landtag

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Ernst ist die Arbeit doch hei­ter kann der Blick darauf sein! heißt eine Ausstellung im Land­tag Brandenburg, Am Havel­blick 08. Gezeigt werden Foto­impressionen von Simone Tho­mas, die lustige Augenblicke aus dem Landtags-Alltag fest­halten. Die Schau ist noch bis zum 20. August dieses Jahres geöffnet. Montags bis freitags besteht von 7.30 Uhr bis 16.00 Uhr die Möglichkeit, die ge­zeigten Fotografien zu betrach­

ten. PUTZ IMPRESSUM ISSN 0947-1650 PUTZ

Die Potsdamer Universitätszeitung

Herausgeber: Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit(PÖK) im Auftrag des Rektors der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder

Redaktion: Dr. Barbara Eckardt(B.E.), Janny Glaesmer(gl)(verantwortl.), Petra Görlich(P.G.), Dr. Antonia Rötger(ar)

Texterfassung, Vertrieb:

Andrea Benthien

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Redaktionsschluß der Oktober-Ausgabe: Freitag, 17. September 1999 Nachdruck gegen Belegexemplar bei Quellen- und Autorenangabe frei.

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Anzeigenschluß der Oktober-Ausgabe: Montag, 20. September 1999