PUTZ 9/99
Campus
Rückblick und Ausblick
Die Juristische Fakultät diskutiert über ihre Geschichte
Am 10. November 1999, fast genau auf den 10. Jahrestag des Mauerfalls, wurde
der diesjährige Tag der Juri
stischen Fakultät an der Universität Potsdam begangen. Sehr passend dazu war Prof. Dr. Jörn Eckerts Thematik „Von der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft der DDR zur Juristischen Fakultät der Universität Potsdam— Rückblick und Ausblick“. Eckert, der derzeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel lehrt, war einst Gründungsprofessor an der Juristischen Fakultät der Uni Potsdam und hier bis zum Wintersemester 1997 tätig.
Eckert legte dar, dass Rechtshistoriker berufen sind, Brücken zu bauen zwischen der Vergangenheit und Gegenwart. Rechtsgeschichte als Rechtsvergleichung durch die Zeit, so beschreibt Eckert seine Arbeitsweise. Es gäbe mindestens drei Gründe, nach den Traditionen der Juristischen Fakultät der Uni zu fragen. Zuerst sei Unwissenheit über die Geschichte der Fakultät, wie auch über die gesamte Gründung der Uni verbreitet.
Den Eröffnungsvortrag zum Tag der Juristischen Fakultät hielt der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Joachim Gauck. Er sprach über„Diktatur“,„Diktatur folgen“ und den„Mentalitätswandel in posttotalitären Gesellschaften“. Bei der Sicht auf das Herrschaftssystem der DDR käme es weder darauf an, Unrecht mental zu verklären, noch die Aufarbeitung von Rechtsbrüchen als beendet anzusehen. In dem Sinne betonte der Dekan der Juristischen Fakultät, Prof. Dr. Detlev W. Belling, dass der im ganzen Land nötige Prozess der Katharsis das Erkennen, Bekennen, Benennen, Bereuen und die Hoffnung auf Vergebung erfordert.
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Mit„Hochschulen im wiedervereinten Deutschland“ befaßte sich der diesjährige Tag der Juristischen Fakultät. Als Gäste sprachen der Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit der DDR, Joachim Gauck(3.v.r.) und Prof. Jörn Eckert, Gründungsprofessor der Uni Potsdam(r.).
So werde, nicht zuletzt auch durch Dietrich Schwanitz‘ Roman„Der Zirkel“, landläufig die als„Stasi-Hochschule“ bezeichnete„Juristische Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit“ in Golm mit der Juristischen Fakultät assoziert.
Ein zweiter Grund dringlicher Geschichtsbeschäftigung läge darin, dass die zeitgeschichtliche und juristische Auseinandersetzung mit der DDR und ihrem Staats- und Rechtssystem durch eine Reihe von Tabuthemen behindert würde.
Zehn Jahre nach der Wende existiere in den neuen Bundesländern eine diffuse Gefühlslage der Erinnerung und Rückblende. blassten, ein einstiges Staatsund Rechtssystem der ehemaligen DDR würde im Nachhinein verharmlosend dargestellt und so jenen Kräften zugearbeitet, denen die Bevölkerung 1989/90 die Macht jein für alle Mal entzogen hatte. Wichtig sei dagegen, herauszuarbeiten,„warum es ein ungeheuer historischer, politischer und rechtlicher Fortschritt ist, dass
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Tatsachen ver-|
Foto: Tribukeit
es das Staats- und Rechtssystemder DDR nicht mehr gibt“. Aus ganz aktueller und wissenschaftspolitischer Sicht wäre es geboten, über den Weg von der Auflösung der alten‘„Akademie“. zur Gründung der Juristischen Fakultät der Uni Potsdam zu sprechen: Heute sind gut 2000 Studierende an der Fakultät eingeschrieben, um das Wissen um eine rechtsstaatliche und demokratische Rechtsordnung zu erwerben.
Dr. Thomas Freitag/PÖK
Preisverleihungen
Wolf-Rüdiger-Bub-Preisträger 1999
Beste Studentin: Ruth Görner. Sie schloß die erste juristische Staatsprüfung bereits nach acht Semestern mit„gut“ ab. Bester Student: Falk Bernau. Ebenfalls mit„gut“ beendete er nach acht Semestern die erste Staatsprüfung.
Beste französische Studentin der Universität Paris X-Nanterre im Magisterstudium an der UP ım Rahmen. des deutsch-französischen Studienganges: Perrine de Coetlogon. Sie schloß das Magisterstudium mit„summa cum laude“ ab.
Beste Promovenden:
Dr. Alexander Joachim Hoff Dr. Gerd Markus Lange
Dr. Dietrich Plückhahn