Heft 
(1.1.2019) 09
Einzelbild herunterladen

PUTZ 9/99

Campus

Bücher an drei Standorten

Im Gespräch mit der Bibliotheksleitung

Die Bibliotheken machen von sich reden: Ausbauten, Neubauten und mögliche Großbauten im Herzen Potsdams sind im Gespräch. Oder sollte man die Bücher­hallen schließen und statt dessen auf Internet-Arbeits­plätze setzen? Die PUTZ fragte nach bei Barbara Schneider-Eßlinger, Direk­torin der Potsdamer Unibi­bliothek und ihrem Stellver­treter Andreas Degkwitz. Das Gespräch führte Marcus Franken.

PUTZ: Das Themaneue Großbibliothek geistert schon seit Jahren über den Campus. Wie fühlen Sie sich als Chefin einer virtuellen Bi­bliothek, die zwar hier und da in Diskussionen mal auftaucht, sich aber nie manifestiert? Schneider-Eßlinger: Also nur virtuell ist unsere Bibliothek ja nicht. Wir haben inzwischen einen ganz beachtlichen Be­stand von rund einer Million Bände- allerdings verteilt auf viele Standorte.

PUTZ: Wo stehen die Bücher? Schneider-Eßlinger: Wir ha­ben drei große Bereichsbiblio­theken: Am Neuen. Palais, in Babelsberg und Golm. Darü­ber hinaus gibt es die Fachbi­bliotheken mit naturwissen­schaftlichen Beständen und die Verwaltung der Bibliotheken im Park Babelsberg. Grundsätzlich sind die Biblio­theken da, wo die Dozenten sind. In Babelsberg das ist der einzige Standort, der bald auch angemessene Räumlich­keiten hat- sind die Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissen­schaften. In Golm und Am Neuen Palais ist es schon kom­plizierter. Dort sind Natur­und Geisteswissenschaften, die zum Teil im Jahr 2000 umzie­hen. Die Fächer, die an das Neue Palais ziehen, werden dann dort auch ihre Bücher finden. Allerdings lassen sich die Bestände nicht einfach aus­tauschen, weil wir in Golm 100.000 Bücher mehr haben als Am Neuen Palais.

PUTZ: Wie wollen Sie das

8

ausgleichen?

Schneider-Eßlinger: Im In­nenhof des atriumfömigen An­baus an das Süd-Communs, wo heute Teile der Chemie sind, entsteht eine Bibliothek. Die nennen wir etwas salopp »Glaskasten: ‚Die Gelder

dafür sind bewilligt, die Pläne werden gerade ausgearbeitet.

PUTZ: Hoffentlich bleibt das Bibliotheksphantom.

kein

PUTZ: Wie weit sind die Pla­nungen für die Innenstadt jetzt?

Schneider-Eßlinger: Kon­krete Planungen fehlen bei der Innenstadtvariante bisher völ­lig. Da ist noch nie über ein greifbares Konzept gesprochen worden.

PUTZ: Wer bremst? Schneider-Eßlinger: Die Vari­ante Wohnheimgebäude TI,

Leiten die Uni-Bibliothek: Barbara Schneider-Eßlinger und Andreas Degk­

Witz.

1991 sollte eine große ncuc Bibliothek im Kaiserbahnhof entstehen, 1996 gab cs dann einen Wettbewerb für einen Neubau an dem Wohnheim T1. Diese Bibliothek ist. seit 1997 endgültig verworfen worden zu Gunsten einer Bi­bliothek in der Potsdamer In­nenstadt. Wofür braucht man eigentlich eine Zentralbiblio­thek?

Schneider-Eßlinger: Der Be­griff Zentralbibliothek ist schlicht und ergreifend falsch. Es müsste heißen:Biblio­thekszentrale, also die Ver­waltungmit Bereichsbiblio­thek für die CGeisteswissen­schaften. Für eine zentrale Bi­bliothek müsste man die Bi­bliotheken in Golm oder Ba­belsberg auflösen. Das will nie­mand.

Foto: Fritze

die Sie erwähnt haben, hat der chemalige Wissenschaftsmini­ster Steffen Reiche nicht ge­wollt. Er bevorzugte die In­nenstadtlösung, für die sich auch Potsdams Oberbürger­meister Matthias Platzeck aus­spricht.

PUTZ: Liegt es am Geld? Die TU-Berlin hat sich eine Biblio­thek von der Volkswagen AG sponsern lassen... Schneider-Eßlinger:...nicht komplett, die TU wurde mit zehn Millionen Mark unter­stützt. Das ist sehr faszinie­rend. VW deckt eine Finanzie­rungslücke, weil das Werk in Wolfsburg sehr viele Absolven­ten von der TU hat. Aber in Potsdam haben wir zu wenige technische Fächer, um nun an die Türen der Industrie klop­fen zu können. Die Finanzen

waren aber auch in Potsdam bisher nicht das Problem- das Geld für die Gebäude auf dem Unigelände war da. Es ist eher eine politische Frage.

PUTZ: Es gibt ja noch einen ganz neuen Standort. Wie heißt der eigentlich? Grieb­nitzsee oder Babelsberg? Schneider-Eßlinger: Ja, dass ist schrecklich verwirrend. Es gibt zwei Standorte. Der eine heißt Babelsberg in Griebnitz­see, der andere Park Babels­berg beim Schloss Babelsberg. Der neue Bau ist die Bereichs­bibliothek Babelsberg in Griebnitzsee für die Wirt­schafts- und Politikwissen­schaften.

Es ist ein riesiger Fortschritt, dass in dem Gebäude erstmals ausreichend Platz ist. Die jet­zige Bereichsbibliothek war nur eine Aneinanderreihung von Büroräumen. Das ist nie als Bibliothek konzipiert gewe­sen. In den neuen Räumlich­keiten haben wir mindestens die fünffache Stellfläche und können den Studenten da­durch ein größeres Angebot bieten. Wenn heute 30.000 Bücher im_Freihandbestand sind, dann werden cs ab 2000/2001 etwa 250.000 Ex­emplare sein.

PUTZ: Weitere Neuheiten? Schneider-Eßlinger: Wir wer­den mehr Leseplätze mit Netz­anschlüssen haben, die PC­Plätze werden sich mehr als verdoppeln. Das war vorher katastrophal eng.

PUTZ: Am neuen Standort können die Studenten dann auch auf denKooperativen

Bibliotheksverbund Berlin­Brandenburg, kurz KOBV, zugreifen?

Schneider-Eßlinger: Ja, das können sie auch jetzt schon über das Internet. Über den KOBV kann der gesamte Be­stand in Brandenburg und der neuere Bestand der Hum­boldt-, Technischen und Freien Universität in Berlin eingesehen werden. Da kön­nen sich Studenten und Wis­senschaftler informieren, wel­che Bücher es gibt und welche vorrätig sind.

Brandenburg hat mit etwa 2,5 Millionen Titeln schon heute über 90 Prozent seiner Bücher

Fortsetzung folgt auf Seite 9