Heft 
(1.1.2019) 09
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 9/99

Keine Chance

für krumme Rücken

Vermessung der Wirbelsäule vermeidet Haltungsschäden

Die Schüler haben das natür­lich immer schon gewusst: Schule macht krank. Zumin­dest für den Rücken ist das stundenlange Sitzen im Klas­senraum genauso schlecht wie Stunden im Fernsehses­sel oder vor dem Computer. Gerade bei Kindern führt zu wenig Bewegung zu Rücken­erkrankungen, sagt Dr. Marco Schmidt, Wissenschaft­ler am Institut für Sportmedi­zin der Uni Potsdam und einer der beiden diesjährigen Träger des mit 10000 DM dotierten

Marco Schmidt: Rücken an Rücken mit vorbildlichem Rücken Foto: Fritze

Professor Hannes Schobert Preises. Schmidt erhielt die Auszeichnung für eine objekti­vierte Methode zur Vermes­sung der Wirbelsäulenform, die helfen soll, Abweichungen von der gesunden Rückenform früher zu erkennen und recht­zeitig zu behandeln. Der Scho­bert-Preis wird einmal im Jahr von der Damp Holding AG für herausragende Arbeiten junger Sportmediziner vergeben.

Früherkennung Um die Haltungsabweichun­gen zu begutachten, verfügten

die Mediziner bisher nur über ein sehr grobes Instrumenta­rium: Auch die Schüler wur­den bisher mit dem 1889 ent­wickelten Haltungsmodell von Franz Staffel eingestuft. Staffel kannte lediglich den hohlen, flachen und runden Rücken. Das Idealmaß bildet bei ihm der harmonische Rücken: Die Wirbelsäule ist in Höhe der Brust nur leicht gerundet, und durch die leichte Beckenkip­pung ensteht eine mäßige Krümmung der Lendenwirbel­säule nach vorn, sojdassädie Wirbelsäule insgesamt die Form eines schmalen 5S hat. Doch für die Früherkennung von Form- und Haltungs­schwächen sind solche groben Merkmale nicht ausreichend. Die Ärzte können Fehler oft erst erkennen, wenn der Pati­ent schon Schmerzen hat. Das ist allerdings oft zu spät, der Schaden schon irreparabel.

Konturmessverfahren Marco Schmidt hat daher mit einem Konturmessverfahren zunächst die Wirbelsäulen von 85 brandenburgischen Schüle­rinnen und 87 Schülern im Al­ter von 15 Jahren vermessen. Dabei wurde die äußere Wir­belsäulenkontur mit einer mo­bilen Sensorik abgefahren, wo­bei aus den gemessenen Wege­und Winkeldaten im Compu­ter eine entsprechende Kurva­tur erzeugt wurde.

Das Bild der so entstandenen Kontur des Rückens ist zwar anschaulich, doch die Daten müssen für die wissenschaftli­che Auswertung weiter aufbe­reitet werden. Charakteristisch sind etwa die Länge der Wir­belsäule, die Tiefe der Krüm­mungen und die Lage des Umkehrpunktes zwischen dem unterschiedlichen Krüm­mungsrichtungen der Wirbel­säule.

Schmidt fasst daher den ge­samten Datensatz zu wenigen Punkten zusammen und ver­einheitlicht diese abgeleiteten Messwerte noch einmal. Dar­

aus ergeben sich zunächst elf Merkmale, mit denen sich Form und Statik der Wirbel­säule beschreiben lassen. Die während seiner Untersuchung entstandene SoftwareUp­Spine 1.0 führt die standardi­sierte geometrische Auswer­tung automatisch aus.

Motivation

für Patienten

Mit der Software und dem KonturmessgerätTriflexome­ter lassen sich beginnende Haltungsabweichungen schon früher erkennen.Die Störung kann Pbereitstida sein wenn noch gar nichts weh tut, sagt Schmidt. Doch die neue Dia­gnostik dient nicht nur der Prävention. Objektive Messun­gen bieten anders als die gro­ben Abschätzungen nach Franz Staffels Methode von 1889 eine Grundlage für wei­tere wissenschaftliche Arbei­ten. Auch lassen sich die Aus­wirkungen von Fehlhaltung ­etwa wie langes Sitzen- besser beschreiben und der Erfolg verschiedener Therapien und Haltungsschulungen genauer dokumentieren. So kann nicht nur der Arzt den Erfolg seiner Behandlung kontrollieren. Es fällt ihm auch leichter seine Patienten zu motivieren, wenn er ihnen Sühre Keinen aber wichtigen Fortschritte in der langwierigen Therapie aufzei­gen kann. mf

Korrektur

In den BeitragElektroso­unds vom Telegrafenberg der Ausgabe PUTZ 8/99 hat sich bedauerlicherweise der Fehlerteufel eingeschli­chen. Prof. Dr. Frank Scher­baum arbeitet im Institut für Geowissenschaften der Uni­versität Potsdam, das seinen Sitz nicht wie gemeldet auf dem Telegrafenberg, son­dern in Golm ‚hat. PUTZ

Wissenschaftspreis an Schüttemeyer

Am 1. Dezember 1999 wurde der Wissenschaftspreis des Deutschen Bundestages zwei Bewerbern je zur Hälfte zuer­kannt: Privatdozentin Dr. Su­zanne S. Schüttemeyer aus der Wirtschafts- und Sozialwissen­

Foto: privat

schaftlichen Fakultät der Uni­versität Potsdam und Dr. Arnd Uhle, Bonn. Der Preis wird für hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der politik-, rechts- und geschichtswissen­schaftlichen Parlamentarismus­forschung verliehen. Wissen­schaftler sollen damit zu inten­siverer Beschäftigung mit Fra­gestellungen aus dem Bereich des Parlaments angeregt wer­den.

Dr. Schüttemeyer erhielt die Auszeichnung für ihre 1998 veröffentlichte ArbeitFrak­tionen im Deutschen Bundes­tag. Empirische Befunde und theoretische Folgerungen. Darin analysiert die Politikwis­senschaftlerin die Binnenstruk­tur und die Funktionen der Bundestagsfraktionen und ordnet dies in theoretische Fragestellungen der Repräsen­tation ein.

Seit Oktober 1997 vertritt die 45-jährige Suzanne Schütte­meyer die Professur für das Re­gierungssystem der Bundesre­publik Deutschland an der Universität Potsdam. Sie stu­dierte Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft an der Uni­versität Hamburg. Die Wissen­schaftlerin promovierte und habilitierte sich an der Univer­sität Lüneburg. B.E.

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