Wissenschaft aktuell
Tönendes Plastik
Materialuntersuchungen zur Verbesserung von Ultraschalltechik
Für den Laien sind sie geheimnisvoll, für den Fachmann Routine: Ultraschalluntersuchungen. Auf jeden Fall geben sie Ärzten und Patienten wichtige Aufschlüsse über Krankheitsbilder. Um Krankheiten wirkungsvoll bekämpfen zu können, reicht die Kunst der Ärzte allein nicht aus. Auch die technischen Voraussetzungen müssen gegeben sein. Deshalb arbeiten Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete daran, Medizintechnik, wie beispielsweise die Ultraschalltechnik, zu vervollkommnen. Physiker der Universität Potsdam um Prof. Dr. Reimund GerhardMulthaupt beteiligen sich mit Material- untersuchungen.
Ein entscheidendes Element ist der Sensor, eine Art Mikrophon, das die UltraschallwelJen, die am Körper zurückkommen, in elektrische Signale umsetzt. Dort wird vielfach Polymermaterial verwandt. Polymere sind Stoffe, die aus sehr großen, sogenannten Makromolekülen bestehen. Sie werden meist als Kunststoffe oder Plastik /Plaste bezeichnet. Dieses Polymermaterial hat ähnliche akustische HEigenschaften wie der menschliche
Körper. Es ist relativ„weich“. Man benötigt ein spezielles Polymermaterial, in!(dem kleine, elektrische Dipole enthalten sind. Ein Dipol ist eine Anordnung zweier gleich großer elektrischer Ladungen entgegengesetzter Polarität. „Wir befassen uns mit der Physik der Polymerfolien und wie man darin die Dipole ausrichten kann“ beschreibt Ger: hard-Multhaupt das Forschungsvorhaben. Anwendung findet dies auch bei biologischen Forschungen. Wenn man beispielsweise untersuchen will, wie sich Wale im Meer bewegen, wird ihnen ein Unterwasserultraschallsender auf dem Rücken befestigt. Mit dessen Hilfe ist es möglich, die Bewegungen der Tiere über mehrere hundert Kilometer zu verfolgen.
Dass man solches Polymermaterialinutzen kann, Mist Sseit 1969 1 bekannt. Die& Frage stellte sich aber, was macht das Material so stabil? Im Laufe der letzten 20 Jahre hat man nun festgestellt, dass die durch geschicktes Präparieren des Materials hervorgerufene Ausrichtung der Dipole und die anschließende Stabilisierung dazu führen, dass solche Materialien mindestens zehn bis 15 Jahre verwendbar sind.
PUTZ 9/99
Dr. Denis Rollik aus dem Potsdamer Institut für Physik fand im Rahmen seiner Dissertation heraus, dass zusätzliche Ladungen, die durch Anlegen eines elektrischen Feldes von außen in das Material „tießhen“ Meinen zusätzlichen Beitrag zum Signal geben. Gerhard-Multhaupt hofft, dass „wir in den nächsten Monaten eine ganze Reihe von wider
sprüchlichen Veröffentlichungen aus den letzten 30 Jahren aufgrund der unterschiedlichen Präparationsbedingungen neu interpretieren können“. Bei ihren Forschungen arbeiten die Potsdamer mit Wissenschaftlern in aller Welt, so aus
China, Australien, England Italien, Schweden Kanada, Brasilien, zusammen.
B.E:
Bei diesem Versuch zeigt Prof. Dr. Reimund Gerhard-Multhaupt, wie die als Lautsprecher wirkende Polymerfolie durch den Luftballon gewölbt wird und Schallwellen in den Raum abstrahlt. Wäre sie nicht gewölbt, wäre nur ein Foto: Fritze
schwacher Ton zu hören.
Physik macht süchtig
Muss Physik langweilig sein? Machen alle Computerspiele dumm? Mit”Physikus, das Abenteuer aus der Welt der Naturwissenschaften” versucht der Klett-Verlag das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. Auf einem kleinen Planeten ist ein Meteorit genau so eingeschlagen, dass er die Drehungen des erdähnlichen Himmelskörpers gestoppt hat. Ziel des”Physikus” ist cs nun, eine Reihe von Generatoren wieder in Betrieb zu setzen.
Mit deren Strom soll dann eine einfache Schleuder gestartet und ein großer Felsbrocken in den Weltraum geschossen werden, um die kleine Erde mit diesem Impuls wieder in Drehung zu versetzen.
Um die Generatoren zu aktivieren, müssen die Spieler sich durch eine Reihe von Mittelstufenlektionen in Optik, Wärmelehre, Mechanik und Elektronik klicken und etliche Schlüssel, Werkzeuge und Pläne in der mittelalterlichen
a
HEUREKA"
Kulisse finden. Besonders schön sind vor allem die comicähnlichen Landschaften, in der alle knarrenden Windmühlen und rostigen Aufzüge detailliert und liebevoll gestal
tet sind. Damit man die etwa acht Stunden Spielzeit nicht in einem durchmachen muss, lassen sich die Zwischenstände speichern. Aber Vorsicht: Auch das Physik-Abenteuer macht— wie alle besseren Computerspiele— schnell süchtig.
mf
”Physikus, das Abenteuer aus der Welt der Naturwissenschaften”, 2 CD Rom für PowerPC oder Mac 68 k und Windows 95/98, Soundkarte. 99,- DM. ISBN 3-12125051-X. Klett-Verlag 1999.
23