PUTZ 9/99
Positives Urteil
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung(PIK) hat kurzlich vom Wissenschaftsrat eine äußerst positive Einschätzung der in der Einrichtung hervorgebrachten wissenschaftlichen Leistungen erhalten. In einem entsprechenden Gutachten wird die Weiterförderung des Instituts durch Bund und Länder empfohlen. Die Mitarbeiter der Potsdamer Forschungsinstitution befassen sich in ihrer Arbeit insbesondere
mit den globalen Umweltproblemen und den Risiken des anthropogenen Treibhauseffektes. Das PIK ist Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft„Gottfried Wilhelm Leibniz“ und gehört seit seiner Gründung 1992 zu den von Bund und Ländern finanziell geförderten Instituten der„Blauen Liste“.
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MathematikDidaktiker tagen
Die 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik(GDM) findet vom 28. Februar bis zum 3. März 2000 an der Universität Potsdam statt. Rund 500 Mathematik-Didaktiker und Lehrer werden. erwartet. Ziel der Konferenz ist es, in Vorträgen, Workshops und Arbeitskreisen über Ergebnisse neuer Forschung und Entwicklung aus allen Bereichen der MathematikDidaktik zu berichten und zu diskutieren. Anmeldungen sind noch bis zum 15. Dezember 1999 möglich: online unter http: // www.math.uni-potsdam. de /didaktik/gdm2000.htm postalisch über:
Universität Potsdam, Institut für Mathematik, Bereich Didaktik der Mathematik, Postfach 60 15 53, 14415 Potsdam.
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Das Geheimnis alter Orgeln
Wissenschaft aktuell
Wissenschaftler rekonstruieren Klang und Bauweise
Nicht viele Renaissance- und Barock-Orgeln sind heute noch originalgetreu erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Orgelpfeifen meist entsprechend den Hörgewohnheiten und dem musikalischen Geschmack der jeweiligen Zeit immer wieder verändert. Nur wenige im Urzustand erhaltene Pfeifen geben heute noch Hinweise auf den Klang und die Bauweise der alten Instrumente.
Im Mittelpunkt eines kürzlich begonnenen Forschungsprojektes am Institut für Physik im Bereich Akustik unter der Leitung von Prof. Dr. Reimund Gerhard-Multhaupt und Thomas Görner steht die Entwicklung eines objektiven und reproduzierbaren elektroakustischen Meßverfahrens zur Analyse historischer und moderner Instrumente. Bei der Potsdamer Traditionsfirma Schuke, die die Forschungen unterstützt, können die so gewonnenen Erkenntnisse bei der Restaurierung alter Instrumente umgesetzt werden.
Im Laufe von über einem Jahrhundert der Forschung- schon 1877 veröffentlichte der aus Potsdam stammende Physiker und Physiologe Hermann von Helmholtz in seiner;„Echre von den Tonempfindungen“ die erste wegweisende Arbeit über Orgelpfeifen- ist es bisher nicht gelungen, die äußerst komplexen Vorgänge in diesem so einfach anmutenden Instrument vollständig zu verstehen. Manche empirischen Erkenntnisse über die Klangerzeugung bei der Orgel, über Generationen von Orgelbauern weitergegeben, können bis heute nicht physikalisch erklärt werden. Dazu zählt insbesondere die Auswirkung von Material und Querschnittsverlauf der Pfeifenwandung. Hätten die Physiker Recht, dann würden heute Orgelpfeifen statt aus Zinn-Blei-Legierungen aus PVC-Rohren gefertigt werden. Doch gerade hier offenbaren sich die feinen Unterschiede
Wissenschaftler der Universität Potsdam und Mitarbeiter der Firma Alexander Schuke Orgelbau arbeiten bei der Rekonstruktion historischer Orgeln Foto: Klaus-Michael Schreiber
ZUSAMMEN.
zwischen historischen und mo-. dernen Instrumenten. Die historischen Pfeifen entstanden vollständig in Handarbeit und erhielten so eine individuelle Prägung, die bei der modernen Fertigung mit maschineller Unterstützung nur schwer nachvollziehbar ist.
Die Forscher der Universität Potsdam werden sich daher darauf konzentrieren,- das Schwingungsverhalten und die Schallabstrahlung alter Orgelpfeifen zu untersuchen und nach Möglichkeit auch vorherzusagen. Das entscheidende Problem bei der meßtechnischen Untersuchung liegt dabei in der Diskrepanz zwischen Meßtechnik und menschlicher Wahrnehmung: Klangliche Feinheiten, die im Ohr des Musikers Welten ausmachen, lassen sich mit den klassischen elektroakustischen Meßverfahren kaum aufspüren.
Ein neu zu entwickelndes Meßverfahren muß auf der Basis von Schalldruckpegelmessungen im diffusen Schallfeld eine-‚zeitabhängige Spektralanalyse zur Erfassung der charakteristischen.„Klangfarbe“ und der Ein- und Ausschwingvorgänge ermöglichen, kombiniert mit‘ mechanischen Schwingungsmessungen. Von
besonderem Interesse ist dabei die zeitliche Entwicklung der einzelnen musikalischen Teiltöne der Orgelpfeife in Betrag, Frequenz und Phase. Erste Untersuchungen haben gezeigt, daß Einflüsse von Material und Querschnittsverlauf der Pfeifenwandung, die bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten, hier gut abzulesen sind. Gelingt es, auf diese Weise klangentscheidende Konstruktionsmerkmale historischer Instrumente zu bestimmen, so kann schließlich auch aus wenigen erhaltenen Orgelpfeifen das ganze Register vollständig rekonstruiert werden. Bei der UP Transfer Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer mbH an der Universität Potsdam ist nun in Zusammenarbeit mit der Potsdamer Traditionsfirma Alexander Schuke Orgelbau GmbH ein Forschungsprojekt begonnen worden, um bei der Rekonstruktion historischer Orgeln neue Wege zu finden. Das Projekt wird mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg gefördert.
Thomas Görner/
Institut für Physik