Heft 
(1.1.2019) 09
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Positives Urteil

Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung(PIK) hat kurzlich vom Wissen­schaftsrat eine äußerst posi­tive Einschätzung der in der Einrichtung hervorgebrach­ten wissenschaftlichen Lei­stungen erhalten. In einem entsprechenden Gutachten wird die Weiterförderung des Instituts durch Bund und Länder empfohlen. Die Mitarbeiter der Potsdamer Forschungsinstitution befas­sen sich in ihrer Arbeit ins­besondere

mit den globalen Umwelt­problemen und den Risiken des anthropogenen Treib­hauseffektes. Das PIK ist Mitglied der Wissenschafts­gemeinschaftGottfried Wilhelm Leibniz und gehört seit seiner Gründung 1992 zu den von Bund und Ländern finanziell geförder­ten Instituten derBlauen Liste.

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Mathematik­Didaktiker tagen

Die 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik(GDM) findet vom 28. Februar bis zum 3. März 2000 an der Univer­sität Potsdam statt. Rund 500 Mathematik-Didaktiker und Lehrer werden. erwar­tet. Ziel der Konferenz ist es, in Vorträgen, Workshops und Arbeitskreisen über Er­gebnisse neuer Forschung und Entwicklung aus allen Bereichen der Mathematik­Didaktik zu berichten und zu diskutieren. Anmeldungen sind noch bis zum 15. Dezember 1999 möglich: online unter http: // www.math.uni-potsdam. de /didaktik/gdm2000.htm postalisch über:

Universität Potsdam, Insti­tut für Mathematik, Bereich Didaktik der Mathematik, Postfach 60 15 53, 14415 Potsdam.

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Das Geheimnis alter Orgeln

Wissenschaft aktuell

Wissenschaftler rekonstruieren Klang und Bauweise

Nicht viele Renaissance- und Barock-Orgeln sind heute noch originalgetreu erhalten. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Orgelpfeifen meist entsprechend den Hörgewohnheiten und dem musikalischen Geschmack der jeweiligen Zeit immer wieder verändert. Nur we­nige im Urzustand erhaltene Pfeifen geben heute noch Hinweise auf den Klang und die Bauweise der alten In­strumente.

Im Mittelpunkt eines kürzlich begonnenen Forschungspro­jektes am Institut für Physik im Bereich Akustik unter der Lei­tung von Prof. Dr. Reimund Gerhard-Multhaupt und Tho­mas Görner steht die Entwick­lung eines objektiven und re­produzierbaren elektroakusti­schen Meßverfahrens zur Ana­lyse historischer und moderner Instrumente. Bei der Potsda­mer Traditionsfirma Schuke, die die Forschungen unter­stützt, können die so gewon­nenen Erkenntnisse bei der Restaurierung alter Instru­mente umgesetzt werden.

Im Laufe von über einem Jahr­hundert der Forschung- schon 1877 veröffentlichte der aus Potsdam stammende Physiker und Physiologe Hermann von Helmholtz in seiner;Echre von den Tonempfindungen die erste wegweisende Arbeit über Orgelpfeifen- ist es bis­her nicht gelungen, die äußerst komplexen Vorgänge in die­sem so einfach anmutenden Instrument vollständig zu ver­stehen. Manche empirischen Erkenntnisse über die Klanger­zeugung bei der Orgel, über Generationen von Orgelbau­ern weitergegeben, können bis heute nicht physikalisch erklärt werden. Dazu zählt insbeson­dere die Auswirkung von Ma­terial und Querschnittsverlauf der Pfeifenwandung. Hätten die Physiker Recht, dann wür­den heute Orgelpfeifen statt aus Zinn-Blei-Legierungen aus PVC-Rohren gefertigt werden. Doch gerade hier offenbaren sich die feinen Unterschiede

Wissenschaftler der Universität Potsdam und Mitarbeiter der Firma Alex­ander Schuke Orgelbau arbeiten bei der Rekonstruktion historischer Orgeln Foto: Klaus-Michael Schreiber

ZUSAMMEN.

zwischen historischen und mo-. dernen Instrumenten. Die hi­storischen Pfeifen entstanden vollständig in Handarbeit und erhielten so eine individuelle Prägung, die bei der modernen Fertigung mit maschineller Unterstützung nur schwer nachvollziehbar ist.

Die Forscher der Universität Potsdam werden sich daher darauf konzentrieren,- das Schwingungsverhalten und die Schallabstrahlung alter Orgel­pfeifen zu untersuchen und nach Möglichkeit auch vorher­zusagen. Das entscheidende Problem bei der meßtechni­schen Untersuchung liegt da­bei in der Diskrepanz zwischen Meßtechnik und menschlicher Wahrnehmung: Klangliche Feinheiten, die im Ohr des Musikers Welten ausmachen, lassen sich mit den klassischen elektroakustischen Meßverfah­ren kaum aufspüren.

Ein neu zu entwickelndes Meßverfahren muß auf der Ba­sis von Schalldruckpegelmes­sungen im diffusen Schallfeld eine-‚zeitabhängige Spektral­analyse zur Erfassung der cha­rakteristischen.Klangfarbe und der Ein- und Ausschwing­vorgänge ermöglichen, kombi­niert mit mechanischen Schwingungsmessungen. Von

besonderem Interesse ist dabei die zeitliche Entwicklung der einzelnen musikalischen Teil­töne der Orgelpfeife in Betrag, Frequenz und Phase. Erste Untersuchungen haben ge­zeigt, daß Einflüsse von Mate­rial und Querschnittsverlauf der Pfeifenwandung, die bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnten, hier gut ab­zulesen sind. Gelingt es, auf diese Weise klangentschei­dende Konstruktionsmerkmale historischer Instrumente zu bestimmen, so kann schließlich auch aus wenigen erhaltenen Orgelpfeifen das ganze Regi­ster vollständig rekonstruiert werden. Bei der UP Transfer Gesell­schaft für Wissens- und Tech­nologietransfer mbH an der Universität Potsdam ist nun in Zusammenarbeit mit der Pots­damer Traditionsfirma Alexan­der Schuke Orgelbau GmbH ein Forschungsprojekt begon­nen worden, um bei der Re­konstruktion historischer Or­geln neue Wege zu finden. Das Projekt wird mit Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Technologie des Landes Brandenburg ge­fördert.

Thomas Görner/

Institut für Physik