Titel
PUTZ 1-2/00
Wozu braucht die Uni ein Leitbild?
Der Beginn des Jahres 2000 wurde von der Universität Potsdam nicht nur mit einem neuen äußeren Zeichen, dem veränderten Corporate Design begangen. Das neue Gesicht nahm Rektor Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder zum Anlass, auf dem Neujahrsempfang eine öffentliche Leitbilddiskussion anzukündigen (siehe auch den nebenstehenden Beitrag). Diese soll das Profil der Universität klarer her- ausstellen: „Wir brauchen einen Maßstab, um die Bereiche festzulegen, die wir als Exzellenzbereiche fordern wollen - und andererseits jene, die nicht mehr im bisherigen Umfang alimentiert werden können.“ PUTZ- Redakteurin Janny Glaesmer hörte sich auf dem Campus um und fragte eine Reihe von Uni-Angehörigen nach der Notwendigkeit einer solchen Debatte.
Michael Kellner,
Student Politikwissenschaften Die Uni
Potsdam hat drei Jahre
gebraucht,
sich ein neues Logo zu geben; wahrscheinlich dauert die Suche nach dem Leitbild nun mindestens ein Jahrzehnt! Trotzdem mag die Leitbilddiskussion nicht umsonst sein, denn die Universität benötigt ein solches, damit die Entwicklung der Hochschule nicht länger alleine bestimmt wird durch den Rotstift der Landesregierung. Statt, wie bisher nur passiv zu reagieren, soll die Universität nun in die Offensive gehen und definieren, was sie sein möchte und sein kann. Erfolg kann die Diskussion aber nur haben, wenn die Partizipation aller Mitgliedergruppen der Universität gegeben ist, insbesondere natürlich die der größten Statusgruppe, die der Studierenden.
Rektor Loschelder regt eine Leitbilddiskussion an
Den Neujahrsempfang am 12. Januar 2000 anläßlich der Einführung des neuen Corporate Designs hat der Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, dazu genutzt, ein Startsignal für eine Leitbilddebatte an der Universität Potsdam zu geben.
Rückblickend auf die neunjährige Entwicklung der Universität wertete Rektor Loschelder in seiner Neujahrsrede die geleistete Arbeit als eine Erfolgsgeschichte. Die Nachfrage nach Studienplätzen sei ungebrochen. Auch die zahlreichen Ehrungen für die erbrachten Forschungsleistungen und nicht zuletzt die Mitgliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft sprächen ebenso dafür wie die vielfältigen Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtungen.
Übergang zum Umbau
Doch, so führte der Rektor weiter aus, bestehe angesichts der gegenwärtigen Lage kein Anlass, sich auf den Erfolgen auszuruhen: Die finanzielle Situation für die Hochschule aufgrund der abnehmenden Landesfinanzen bedinge einen „Übergang vom Aufbau in einen Umbau“. Der damit verbundene Stellenabbau habe nicht nur strukturelle Folgen, sondern wirke sich letzdich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Universität überhaupt aus. Mit Blick auf die im Saal anwesenden Politiker forderte Loschelder klare Prioritäten in puncto Hochschulen und damit Planungssicherheit. Diese sei dringend notwendig, um die Universität gestalten und fortentwickeln zu können.
Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen habe sich in der Universität Potsdam zusehends Verunsicherung, Kündigungsangst, Resignation und sogar Gestaltungsstarre ausgebreitet. Der Verlust der Identifikation mit der eigenen
Einrichtung erfülle ihn daher mit größter Sorge.
Vor diesem Hintergrund rief der Rektor dazu auf, „den Weg des bloßen Reagierens zu verlassen und Initiativen zu ergreifen, die eine Weiterentwicklung der Universität aus eigener Kraft und nach eigenen Maßstäben ermögliche“.
Schwerpunkte der Diskussion
Beispielhaft sprach der Rektor erste Themenkomplexe an, die
in einer Leitbilddiskussion eine Rolle spielen könnten: So
fragte er, ob sich die Profilbereiche der Uni bewährt hätten, oder ob das ausbalancierte Verhältnis zwischen den Schwerpunkten in den Geistes-, Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaffen sowie in der Mathematik und den Naturwissenschaften weiterhin so Relevanz haben könnte. Auch zum Thema „Studium“ nannte Loschelder eine erste Frage, wie etwa sich das Verhältnis international anschlussfähiger Studienabschlüsse zu den an der Uni bewährten Studienabschlüssen gestalten solle.
Aber auch zu Fragen aus den Themenkomplexen Nachwuchsförderung, Frauenförderung, Wissenschafts- und
Technologietransfer, zu Fragen der Profilbildung sowie zu der Rolle in der Region Berlin- Brandenburg könne die Universität mit Hilfe eines Leitbildes Antworten geben.
Bitte um Beteiligung
Appellierend wandte sich der Rektor schließlich an alle Uni- Angehörigen, sich an der nun beginnenden Leitbilddiskussion zu beteiligen. Die Universität brauche ein Leitbild, führte er aus, weil ein solches
ein Maßstab für die anstehende Strukturentscheidungen sein könne. Es gelänge dadurch besser, die Bereiche festzulegen, die als Exzellenzbereiche gefördert werden sollten. Ein Leitbild brauche man darüber hinaus, um an ihm die Leistungen in Forschung und Lehre, in der Ausbildung der Studierenden, im Service und Technologietransfer zu messen und damit auch, um einen transparenten Wettbewerb zwischen den Bereichen unserer Universität und eine entsprechende, nachvollziehbare Verteilung der Mittel zu ermöglichen. Letztlich mache ein Leitbild eine Vorstellung von dem möglich, was die Universität sein kann, was sie werden kann und werden soll.
PUTZ
Blumen gab es für Maja Schudi von Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder. Die Studentin der Fachhochschule Potsdam entwarf das neue Logo für die Uni. Foto: Tribukeit
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