Heft 
(1.1.2019) 01
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Titel

PUTZ 1-2/00

Wozu braucht die Uni ein Leitbild?

Der Beginn des Jahres 2000 wurde von der Universität Potsdam nicht nur mit ei­nem neuen äußeren Zei­chen, dem veränderten Cor­porate Design begangen. Das neue Gesicht nahm Rek­tor Prof. Dr. Wolfgang Lo- schelder zum Anlass, auf dem Neujahrsempfang eine öffentliche Leitbilddiskus­sion anzukündigen (siehe auch den nebenstehenden Beitrag). Diese soll das Pro­fil der Universität klarer her- ausstellen:Wir brauchen ei­nen Maßstab, um die Berei­che festzulegen, die wir als Exzellenzbereiche fordern wollen - und andererseits jene, die nicht mehr im bis­herigen Umfang alimentiert werden können. PUTZ- Redakteurin Janny Glaesmer hörte sich auf dem Campus um und fragte eine Reihe von Uni-Angehörigen nach der Notwendigkeit einer sol­chen Debatte.

Michael Kellner,

Student Po­litikwissen­schaften Die Uni

Potsdam hat drei Jahre

gebraucht,

sich ein neues Logo zu geben; wahrscheinlich dauert die Su­che nach dem Leitbild nun mindestens ein Jahrzehnt! Trotzdem mag die Leitbilddis­kussion nicht umsonst sein, denn die Universität benötigt ein solches, damit die Entwick­lung der Hochschule nicht län­ger alleine bestimmt wird durch den Rotstift der Landes­regierung. Statt, wie bisher nur passiv zu reagieren, soll die Universität nun in die Offen­sive gehen und definieren, was sie sein möchte und sein kann. Erfolg kann die Diskussion aber nur haben, wenn die Par­tizipation aller Mitgliedergrup­pen der Universität gegeben ist, insbesondere natürlich die der größten Statusgruppe, die der Studierenden.

Rektor Loschelder regt eine Leitbilddiskussion an

Den Neujahrsempfang am 12. Januar 2000 anläßlich der Einführung des neuen Corporate Designs hat der Rektor der Universität Pots­dam, Prof. Dr. Wolfgang Lo­schelder, dazu genutzt, ein Startsignal für eine Leitbild­debatte an der Universität Potsdam zu geben.

Rückblickend auf die neun­jährige Entwicklung der Uni­versität wertete Rektor Lo­schelder in seiner Neujahrsrede die geleistete Arbeit als eine Erfolgsgeschichte. Die Nach­frage nach Studienplätzen sei ungebrochen. Auch die zahl­reichen Ehrungen für die er­brachten Forschungsleistun­gen und nicht zuletzt die Mit­gliedschaft in der Deutschen Forschungsgemeinschaft sprächen ebenso dafür wie die vielfältigen Kooperationen mit außeruniversitären Einrichtun­gen.

Übergang zum Umbau

Doch, so führte der Rektor weiter aus, bestehe angesichts der gegenwärtigen Lage kein Anlass, sich auf den Erfolgen auszuruhen: Die finanzielle Si­tuation für die Hochschule aufgrund der abnehmenden Landesfinanzen bedinge einen Übergang vom Aufbau in ei­nen Umbau. Der damit ver­bundene Stellenabbau habe nicht nur strukturelle Folgen, sondern wirke sich letzdich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Universität überhaupt aus. Mit Blick auf die im Saal anwesen­den Politiker forderte Loschel­der klare Prioritäten in puncto Hochschulen und damit Pla­nungssicherheit. Diese sei dringend notwendig, um die Universität gestalten und fort­entwickeln zu können.

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen habe sich in der Universität Potsdam zusehends Verunsicherung, Kündigungsangst, Resignation und sogar Gestaltungsstarre ausgebreitet. Der Verlust der Identifikation mit der eigenen

Einrichtung erfülle ihn daher mit größter Sorge.

Vor diesem Hintergrund rief der Rektor dazu auf,den Weg des bloßen Reagierens zu ver­lassen und Initiativen zu er­greifen, die eine Weiterent­wicklung der Universität aus eigener Kraft und nach eige­nen Maßstäben ermögliche.

Schwerpunkte der Diskussion

Beispielhaft sprach der Rektor erste Themenkomplexe an, die

in einer Leitbilddiskussion eine Rolle spielen könnten: So

fragte er, ob sich die Profilbe­reiche der Uni bewährt hätten, oder ob das ausbalancierte Ver­hältnis zwischen den Schwer­punkten in den Geistes-, Rechts-, Wirtschafts- und So­zialwissenschaffen sowie in der Mathematik und den Natur­wissenschaften weiterhin so Relevanz haben könnte. Auch zum ThemaStudium nannte Loschelder eine erste Frage, wie etwa sich das Ver­hältnis international anschlus­sfähiger Studienabschlüsse zu den an der Uni bewährten Studienabschlüssen gestalten solle.

Aber auch zu Fragen aus den Themenkomplexen Nach­wuchsförderung, Frauenförde­rung, Wissenschafts- und

Technologietransfer, zu Fra­gen der Profilbildung sowie zu der Rolle in der Region Berlin- Brandenburg könne die Uni­versität mit Hilfe eines Leitbil­des Antworten geben.

Bitte um Beteiligung

Appellierend wandte sich der Rektor schließlich an alle Uni- Angehörigen, sich an der nun beginnenden Leitbilddiskus­sion zu beteiligen. Die Univer­sität brauche ein Leitbild, führte er aus, weil ein solches

ein Maßstab für die anstehende Strukturentscheidungen sein könne. Es gelänge dadurch besser, die Bereiche festzule­gen, die als Exzellenzbereiche gefördert werden sollten. Ein Leitbild brauche man darüber hinaus, um an ihm die Lei­stungen in Forschung und Lehre, in der Ausbildung der Studierenden, im Service und Technologietransfer zu messen und damit auch, um einen transparenten Wettbewerb zwischen den Bereichen unse­rer Universität und eine ent­sprechende, nachvollziehbare Verteilung der Mittel zu er­möglichen. Letztlich mache ein Leitbild eine Vorstellung von dem möglich, was die Universität sein kann, was sie werden kann und werden soll.

PUTZ

Blumen gab es für Maja Schudi von Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Lo­schelder. Die Studentin der Fachhochschule Potsdam entwarf das neue Logo für die Uni. Foto: Tribukeit

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