Heft 
(1.1.2019) 01
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Wissenschaft aktuell

PUTZ 1-2/00

Land der Extreme

Potsdamer und indische Wissenschaftler auf Kooperationskurs

Indien ist den meisten von uns als Land alter Kulturen und Religionen einerseits, aber auch als Land mit ex­tremen sozialen Gegensätzen und ungebremstem Bevölke­rungswachstum andererseits bekannt. Vielleicht hat der Subkontinent gerade wegen seiner riesigen ökonomi­schen und sozialen Probleme hervorragende Wissenschaft­ler hervorgebracht.

Für die Physik stehen solche Namen wie Netaji S. Bose, ei­nem Begründer der modernen Quantentheorie, und Meg- hnad N. Saha, der die Astro­nomie bereichert hat. Nach beiden Wissenschaftlern sind in Calcutta, der Hauptstadt Westbengalens, Institute be­nannt, die durch ihre Arbeiten internationale Beachtung ge­wonnen haben. Diese Institute richteten kürzlich ein Diskussi- (Jnsmeeting zum ThemaMa­terial Research Using Accelera­tor Facilities aus. Gegenstand war die Nutzung von Be­schleunigern für die physikali­sche Forschung. Dazu waren rieben zahlreichen indischen

Teilnehmern Gäste aus Eu­ropa, Kanada und Japan gela­den.

Prof. Dr. Ullrich Pietsch, Pro­fessor für Strukturanalyse an der Universität Potsdam, führte dabei in die Methode der Röntgenbeugung mittels Synchrotronstrahlung ein.

Bei diesem Treffen kam es auch zu ersten indisch-deut­schen Kooperationen. So bahnt sich eine Zusammenar­beit zwischen Prof. Pietsch und seinen Mitarbeitern mit Prof. Dr. Milan Sanyal vom Saha Institut of Nuclear Phy- sics an. Der indi- sehe Wissen­schaftler ist ein international anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Röntgenstreu­ung dünner Schichten. Die in­dischen und deutschen Physi­ker führten bereits gemein­same Messungen zum Ver­ständnis der lateralen Korrela­tionseigenschaffen an Grenz­flächen dünner organi- scher Schichten aus und stellten Be­rechnungen dazu an.

Im März wird ein Mitarbeiter der Potsdamer Gruppe Struk­turanalyse Calcutta besuchen,

um dort bei der Präparation von dünnen Schichten mittels der Langmuir-Blodgett Me­thode zu unterstützen. Erste gemeinsame Publikationen sind konzipiert.

Dass Indien tatsächlich das Land der Gegensätze ist, erlebt man direkt vor der Haustür des CalcuttaerHigh-Tech Instituts. Nur wenige Schritte hat der Besucher zu überwin­den, bis er einen Bambussteg

überquerend eines der ärmsten Viertel der Millionenstadt er­reicht. Bedrückende Armut und extreme Luftverschmut­zung auf der einen Seite des Kanals und Millionen Rupien teure Investitionen für Kristall­zuchtapparaturen und einen neuen Ionenbeschleuniger auf der anderen Seite sind an­schauliche Charakteristika des indischen Weges.

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Armenviertel wie hier gehören genauso zum heutigen Indien wie hochmo­derne Industrie- und Forschungsanlagen. Foto: privat

Biotechnologie im Speckgürtel

Virtuelles Unternehmen geplant

Der südliche Berliner Speck­gürtel soll zu einem Zentrum der Biotechnologie werden. In den Räumen des Fraunhofer- Instituts für Biomedizinische Technik in Potsdam-Reh­brücke wird im Sommer ein in­terdisziplinäres Zentrum für die Entwicklung vonBio- Chips aufgebaut. Angestoßen wurde dies vom Institut für Biochemie der Universität Potsdam im Rahmen desIn- noRegio - Wettbewerbs.

Das Zentrum sollen Firmen, Forschungs- und Ausbildungs­einrichtungen aus Branden­burg und Berlin gemeinsam nutzen. Aktuelle Studien ge­hen von einem künftigen welt­weiten Markt für BioChips von mehr als 10 Mrd. US $ aus.

Ziel ist es, mit Produkten aus der Region mindestens ein Prozent des Weltmarktes zu erobern.

Das BioChip-Center soll der erste Schritt zu einemvirtuel­len Unternehmen sein. Die mehr als 30 Industrie-, For­schungs-, Ausbildungs- und Finanzinstitute werden je nach Auffragslage und Entwick­lungsbedarf zusammen arbei­ten. Vorläufiger Arbeitstitel des Netzwerkes istInnoregio-In- itiative Biohybrid-Technolo- gien.

Bedeutsam sind BioChips vor allem für die Biotechnologie und Medizin. Nach Angaben des Vereins für Bioanalytische Forschung e.V. in Lucken­walde werden sie für schnelle genetische Tests bei Men­

schen, Tieren und Nutzpflan­zen wie Erbkrankheiten, Krebs und genetisch veränderten Le­bensmittel eingesetzt. Außer­dem sollen sie die Entwicklung neuer Medikamenterevolu­tionieren. Weitere wichtige Einsatzgebiete sind analytische Anwendungen in der klini­schen Chemie (Blutzucker­messung, Krebsdiagnose) und die Lebensmittelanalytik.

Die Biotechnologie braucht teure Forschungs- und Pro­duktionsanlagen.In einer Ga­ragenfirma sind diese High- Tech-Produkte nicht herstell­bar, sagt Frank Bier vom Fraunhofer-Institut. Ein ein­zelnes Unternehmen, so Bier, könne sie kaum her Vorbrin­gen. PUTZ

Neu bewilligt

Die Deutsche Forschungsge­meinschaft (DFG) in Bonn fördert die Herausgabe des WerkesKalkül und Pre­stige von Jürgen Angelow, Privatdozent am Histori­schen Institut der Univer­sität Potsdam. Das Buch mit dem UntertitelDer Zwei­bund am Vorabend des Er­sten Weltkrieges untersucht die Entwicklung der deutsch-österreichisch/un­garischen Allianz im Hin­blick auf den späteren ge­meinsamen Eintritt in den Krieg.

Umfang: 18.200 DM Institut: Historisches Insti­tut

Von: DFG

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