Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/00

Campus

Von Anfang an Praxisbezug

Seit 1993 Integriertes Eingangssemester Primarstufe

Lehramtsstudierende an der Universität Potsdam können vom ersten Semester an ihr zukünftiges Berufsfeld er­kunden, in dem sie am Inte­grierten Eingangssemester Primarstufe(IEP) teilneh­men. Dieses versetzt die Stu­dierenden in die Lage, wöchentliche Schulbesuche und ein begleitendes theore­tisches Seminar mit anderen universitären Studien zu ver­binden. Mit dem Winterse­mester 1999/2000 wurde nun zum zehnten Mal neu immatrikulierten Lehramts­studierenden für die Primar­stufe die Möglichkeit gege­ben, ihr Studium mit dem IEP zu beginnen. Aus die­sem Anlass sprach PUTZ­Redakteurin Dr. Barbara Eckardt mit Ursula Drews, Professorin für Schul­pädagogik mit dem Schwer­punkt Grundschulpädagogik und verantwortlich für das IE?

Das Studium von Anfang an mit der Schulpraxis zu ver­binden, ist das Anliegen des Integrierten Eingangsseme­sters. Warum legen Sie dar­auf so großen Wert?

Drews: Die Verbindung der Theorie mit der Praxis zählt zu den ältesten Problemen einer wissenschaftlichen Lehrerbil­dung. Das belegt zum Beispiel die Installierung von Übungs­schulen, wie sie von Herbart­Schülern bereits zum Ende des vergangenen Jahrhunderts an den Universitäten in Jena und Leipzig erfolgte. Seither gab und gibt es viele Versuche, die Ausbildung von Studenten eng mit der Praxis beziehungsweise direkten Unterrichtspraktika und ähnlichem zu verbinden. All. diese. Versuche sind- so muss man wohl sagen in un­terschiedlichem Maße gelun­gen. Und ebenso lässt sich fest­stellen, dass sich gerade auf diesem Gebiet wohl nach wie vor, die. Geister scheiden. Be­fürwortern einer wohldurch­dachten Theorie-Praxis-Bezie­hung stehen nicht wenige ge­genüber, die den Praxisbezug

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mehr oder weniger als einen

Makelrichtiger_wissen­schaftlicher Ausbildung be­trachten.

Das Potsdamer Modell der Lehrerbildung stellt hier die Weichen innerhalb des Ge­samtcurriculums anders, und hierbei spielt auch die Studi­eneingangsphase eine beson­

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Engagiert sich für das Integrierte Eingangssemester Primarstufe: Prof. Dr. Ursula Drews.

Foto: Tribukeit

dere Rolle, die für die Studen­ten mit dem Schwerpunkt Pri­marstufe als IEP absolviert

werden kann.

Nach nunmehr zehnmaligem Durchlauf sind wir fast er­schrocken über den Erfolg des IEP, das heißt darüber, wie es von Studenten angenommen wird. In unseren regelmäßigen Befragungen, Schulbesuche und das theore­tische Begleitseminar bezie­hen, bestätigen die Studenten, dass viele der mit dem IEP von Anfang an verbundenen Inten­tionen offenbar weitgehend realisiert werden konnten.

Der Seitenwechselvon der Schüler- zur Lehrerperspek­tive wird befördert. Die Stu­denten beginnen, ihre eigenen biografischen Erfahrungen mit Schule, Lehrern: und Unter­richt kritisch zu reflektieren. Ebenso beginnen sie, sich mit der Praxis, die sie bei Schul­und Unterrichtsbesuchen vor­finden, auseinander zu setzen.

die. sich. auf

Dabei haben wir festgestellt, dass ihre Sensibilität wächst, je tiefer sie auch im theoretischen Begleitseminar in Probleme des Unterrichtens heute ein­dringen und sich darüber im Seminar theoretisch geleitet austauschen können. Der von uns in etwas provokativer Ab­sicht einbezogene Blick auf Reform- und Alternativschulen hat sich dabei nicht als Meßlatte, sondern als ein ganz wesentliches Mittel von Horizonterweiterung bewährt. Wenn die Studenten sagen, dass sie das IEP nicht missen möchten, so können wir uns dem aus unserer Sicht nur anschließen: Wenige Begeg­nungen mit Studenten haben eine solche zum Nachdenken anregende Wirkung auch auf uns, wie all das, was mit dem IEP verbunden ist.

17 Schulen sind in das IEP einbezogen. Warum nehmen die Lehrer die mit ihrer Mentorentätigkeit unstrittig verbundenen zusätzlichen Belastungen auf sich? Drews: Ehrlicherweise muss man sagen, dass in den ersten Jahren der Realisierung des IEP sehr viel Engagement von unserer Seite, vor allem von der Seite meiner Mitarbeiterin­nen, erforderlich. war, um Schulen zu gewinnen. Aller­dings gab es auch hier von An­fang an starke Verbündete auf Seiten der damaligen Prorek­torin, der Philosophischen Fa­kultär Il, des Schulamtes in Potsdam, des brandenburgi­schen Bildungs- und des Wis­senschaftsministeriums. Ohne diese Verbündeten wäre gar nichts möglich gewesen. Alle gemeinsam waren wir daran in­teressiert, die Gestaltung der Studieneingangsphase auf ein tragfähiges Fundament zu stel­Jen.

Für die Lehrerinnen und Leh­rer war und ist das IEP sicher­lich alles andere als ein Spa­ziergang. Wir sind immer wie­der froh gewesen, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen aus den Schulen dieser zusätz­lichen Mühe unterzogen. Die

Skepsis von einzelnen haben wir verstanden und auch die eine oder andere Abwehrreak­tion. Die wird es sicher auch weiterhin geben. Das ist bei der Belastung von Lehrerinnen und Lehrern wohl normal. Aber wir haben eine höchst in­teressante Beobachtung ge­macht: Von Jahr zu Jahr wuchs auch die Bereitschaft, am IEP mitzuwirken. Heute haben wir schon eigene Angebote von Lehrerinnen und Lehrern dazu. Nicht massenhaft, aber immerhin. Entscheidend ist dafür wohl die Erfahrung der Lehrkräfte, dass Studentinnen und Studenten mit ihren Fra­gen, mit ihrer etwas anderen Weltsicht, den eigenen Unter­richtsalltag sehr bereichern können. Bei einigen Beteilig­ten hat sich wohl sogar eine Dauerverbindung zurIEP­Schule entwickelt.

Liegt es nicht auf der Hand,

bei den vielen positiven Er­

fahrungen ein integriertes

Eingangssemester auch auf

die anderen Lehramtsstudi­

engänge auszuweiten?

Drews: Es wäre sicher wün­

schenswert, das zu tun. Aber

rein praktisch wird das nicht

möglich sein. Schon weil die

Anzahl der Studierenden an

der Universität und die Anzahl

der benötigten Schulen in

Potsdam und Umgebung

nicht unbedingt miteinander

korrelieren. Außerdem ist der

Personalaufwand, der von Sei­

ten der Universität eingesetzt

werden müsste, wahrscheinlich| zu'hoch. Um nochmals auf<das IEF| zurückzukommen: Schulen,

Anzahl der Studenten, Perso­

nal in meinem Arbeitsbereich| ermöglichen es derzeit nur,| etwa die Hälfte circa 75 Stu-| denten von 150 Neuimmatri-| kulierten am IEP teilnehmen| zu lassen. Die anderen stehen| jeweils auf einer Warteliste.| Derzeit ist eine Lösung des| Problems wohl noch nicht in

Sicht.

Vielen Dank für das Ge-|

spräch.| |