Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/00

Campus

Matheunterricht für neues Jahrtausend

Didaktiker suchen nach neuen Unterrichtsmethoden

Kann ich nicht. Ist mir zu schwer. Verstehe ich nicht. Brauche ich nie wieder. Macht mir keinen Spaß. So oder ähnlich äußern sich häufig Schüler über das Fach Mathematik. Nach Untersu­chungen von Wissenschaft­lern in der vor einigen Jah­ren durchgeführten TIMS (Third International Mathe­matics and Science)-Studie sind die Leistungen der deutschen Schüler im Fach Mathematik vergleichsweise mittelmäßig. Der dadurch ausgelöste Schock führte auch bei den knapp 800 Mit­gliedern der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM) dazu, über Ursachen und Schlussfolgerungen nachzudenken.

Mathematik zählt in allen Klas­senstufen zu den zentralen Unterrichtsfächern. Es trägt zum Umweltverstehen, zur Entwicklung des logischen Denkens bei, ist Kulturgut und Schlüsseltechnologie. Der Vor­sitzende der GDM, Prof. Dr. Werner Blum von der Univer­sität Kassel klagt darüber, dass diese Ziele im heutigen Ma­thematikunterricht eher selten erreicht werden.

Der Unterricht ist zu stark auf die oberflächliche Anwendung von Rechenschemata und zu wenig auf das Ausbilden von Mathematischem Verständnis ausgerichtet, so das Urteil von Fachleuten. Nach Auffassung von Prof. Dr. Lisa Hefendehl­Hebeker von der Universität Augsburg müssten viel stärker Impulse gesetzt und Bedin­gungen für konstruktive Ei­genleistungen der Lernenden geschaffen werden. Dazu seien Arbeitsformen zu entwickeln, die inhaltlich an zentralen Ideen des Faches orientiert sind und die methodisch eine fruchtbare Balance zwischen Anregung und Steuerung durch die Lehrkräfte und Freiräumen für eigenständiges Lernen herstellen und dabei auch neue Medien in geeigne­ter Weise einbeziehen.

ZurSteigerung der Effizienz des mathematisch-naturwis­

Endlosigkeit im Endlichen veranschaulicht diese Sandspirale des Künstlers Günther Uecker. Seine Installation war Teil der Ausstellungendlich un­endlich, die als begleitende Veranstaltung der 34. Jahrestagung der Gesell­

schaft für Didaktik der Mathematik zu sehen war.

senschaftlichen Unterrichts gibt es seit 1998 und noch bis zum Jahre 2003 ein Modell­versuchsprogramm der Bund­Länder-Kommission. Es geht um die Erprobung von Unter­

Foto: Fritze

richtsmodellen mit dem Schwerpunkt auf Grundausbil­dung, Vernetzung und Schüleraktivitäten. Schulische Unterrichtspraxis und univer­sitäre Unterrichtswissenschaft

Die interaktive AusstellungMathematik zum Anfassen bewies es: Mathe­matik kann auch spielend erlernt werden. Mehr als 90 Schulklassen nutzten die Gelegenheit, im Potsdamer Alten Rathaus einen Unterrichtstag anderer

Art zu erleben.

sind dabei eng verknüpft.

Ilse Wiese ist Lehrerin an der Bert-Brecht-Schule in Göt-tin­gen und hat langjährige Lehr­erfahrungen. Neben dem fra­gend-entwickelnden Unter­richt seien im Laufe der Zeit Unterrichtskonzepte getreten, die ein qualitativ anderes Ler­nen zum Ziel haben. Wochen­

Foto: Fritze

planarbeit, Freiarbeit und Pro­jektarbeit sind Konzepte des so

genannten offenen Unter­richts. Hier wird Mathematik nicht nur gelernt, sondern

auch erfahren. Ziel ist, Selbst­verantwortlichkeit und Identi­fikation mit dem eigenen Ler­nen zu verstärken. Die Schüler suchen beispielsweise aus ei­

nem Themenkomplex ein Pro­blem zur selbständigen Bear­beitung aus. Sie wählen das Material aus, bestimmen Lern­und Arbeitstempo. Der Weg zum Ziel ist wichtig: Nachden­ken, Lösungsmöglichkeiten suchen, Alternativen diskutie­ren. An die Lehrer stellt diese Unterrichtsmethodik höhere Anforderungen als der her­kömmliche Frontalunterricht. Denn die Pädagogen stehen vor der Aufgabe, eine motivie­rende Lernumgebung für die­sen aktiv-entdeckenden Unter­richt zu schaffen. Diese und andere Themen wa­ren Gegenstand der Ende Fe­bruar/Anfang März an der Universität Potsdam veranstal­teten 34. Jahrestagung der GDM mit 500 Teilnehmern. Parallel dazu gab es im Potsda­mer Alten RathausMathema­tik für die Sinne.Wir woll­ten damit das scheinbar her­metisch verschlossene Gebiet der Mathematik der Öffent­lichkeit und insbesondere Schulklassen öffnen, so Orga­nisator Prof. Dr.| Thomas Jahnke von der. Potsdamer Hochschule. So durchliefen mehr als 90 Schulklassen je­weils ein vierstündiges Pro­gramm mit Ausstellungsbe­such, Vorträgen, Videopräsen­tationen und Besuch des Soft­waretestkabinetts. Abendvor­träge und Vorlesungen für Kinder vervollständigten dieses Programm, das insgesamt mehr als 2500 Besucher anlockte. Den Titel eines Vor­trages von Hans Magnus En­zensbergerZugbrücke außer Betrieb Mathematik im Jen­seits der Kultur aufgreifend, resümierte Jahnke:Das Hera­blassen der Zugbrücke hat auf beiden Seiten zu Überraschun­gen geführt. Die Bewohner der Burg seien über den An­sturm ebenso überrascht gewe­sen wie die Anstürmenden über das, was sie zu sehen, zu hören, anzufassen bekamen und was sich wenig deckte, mit ihrer Vorstellung von Mathe­matik als einer eher trockenen und bürokratischen Materie. B.E.

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