Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/00

Titel

Vom Bild zum Leitbild kommen

Das Rektorat und der Senat hatten am 16. März 2000 zu einem Workshop eingeladen, der sich mit einem Leitbild für die Universität Potsdam beschäftigte. Etwa 80 Hoch­schulmitglieder waren der Einladung gefolgt. Nach ei­nem Plenum wurde über drei Themen in Arbeitsgrup­pen diskutiert. Hier sollten zunächst jeweils vier bis fünf Teilnehmer gemeinsam ein

Bild ohne Worte von der Universität malen. Danach waren die anderen Teilneh­mer aufgefordert, die Bilder zu interpretieren. Für eine Vielzahl von Teilnehmern war die Arbeitsweise zunächst ungewöhnlich ei­nige verließen sogar die Ver­anstaltung. Doch am Ende waren sich die meisten einig, dass die Leitbilddiskussion fortgeführt werden soll.

Foto: Fritze

Weg von- hin zu, das war zwar nicht das zuvor bekannt Aegebene Motto des Workshops zu einem Leitbild für die Uni­versität Potsdam, stand aber dennoch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Was wir nicht mehr wollen und was wir uns künftig als Leitideen vorstellen können, das ist gefragt und dis­kutiert worden. Und weil dabei (noch) nicht an die konkrete Umsetzung: gedacht werden sollte, kamen so einfache wie auch ungewöhnliche Dinge aufs Trapez: Zum Beispielweg von unfehlbaren Dozenten hin zu kritikoffenen Pädagogen oder weg von güähnender Lehre hin zu Forschung in Studierenden­Aruppen und projektbezogener Lehre oderweg vom starrem Tarifsystem hin zu Arbeitszeit­konten und Heimarbeit.

Am Ende des Workshops liegen nun nach dem Prinzipweg von hin zu eine Vielzahl von Schlagworten vor, denen eines gemeinsam ist. Sie zeigen auf, worauf sich die weiteren Diskus­sionen in der Universität stüt­

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zen können, wohin sich die Universität bewegen kann oder welche Veränderungen sie an­streben kann oder sollte.

Zu hoffen bleibt, erstens, dass diejenigen, die sich aufMale ein Bild von der Universität oderBeschreibe Deine indivi­duelle Sicht auf die Hochschule nicht einlassen konnten, bei den nächsten Diskussionsrunden wieder dabei sind. Und zwei­tens, dass diejenigen, die sich bisher um ein Leitbild der Uni­versität Potsdam noch gar keine Gedanken gemacht haben, auf­wachen und mitdiskutieren.

Das Referat Presse-, Öffentlich­keits- und Kulturarbeit stellt in Kürze eine ausführliche Doku­mentation des Workshops für alle Hochschulangehörigen be­reit. Hierin finden sich dann vor allem auch die vielen Schlagworte, die zum Weiter­denken, Anregen und Diskutie­ren geeignet sind.

Janny Glaesmer

Was ist ein Workshop? Laut Fremd­wörterbuch ein Kurs, Seminar oder ähnliches, in dem in freier Diskussion bestimmte Probleme erarbeitet werden, ein Erfahrungsaus­tausch stattfindet. Kommuni­kationsexperten erfinden und praktizieren dafür immer aus­geklügeltere Moderationstech­niken, um die Teilnehmer sol­cher Gesprächsrunden einer­seits zu ungehemmter Interak­tion zu ermutigen und ihnen andererseits die Rückzugs­möglichkeiten auf das allzu si­chere Terrain und die Statusri­tuale der beruflichen Tätigkeit und Position zu verwehren.

Die für unseren Workshop en­gagierten Moderatoren hatten sich auf ein Methodenmenü mit einem zugegebenermaßen unkonventionellenzweiten Gang verständigt: Nach ei­nem Plenumsteil sollte in drei Arbeitsgruppen die derzeitige Lage der Universität Potsdam thematisiert werden- aller­dings zunächst nicht unter Verwendung des für unsereins geläufigsten Zeichensystems, der Sprache, sondern alsBild ohne. Worte... Und da taten sich denn doch nicht wenige

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Teilnehmer Auftakt schwer, mit... nes schwic-| einem so- Weg von: Beliebigkeit ‚igen Kor| SI AN Hin zu: Ideen AR UNNE nen kon- düungspro| struktiv um- zesses also

zugehen. Einige machten sich sogar pikiert aus dem Staub.

Am geringsten war die Hemm­schwelle offenbar in der Ar­beitsgruppe, die sich mit dem Thema Studium und Lehre auseinandersetzte. Da entstan­den denn auch in sechs quer­beet zusammengewürfelten Kleingruppen launige Situati­onsskizzen von provokanter Symbolkraft: Die Universität als angeschlagenes Schiff, von diversen Ratten bereits verlas­sen oder das rettende Ufer als vage Nebelbank; die Univer­sität als Bruchbude mit unter­grabenen Fundamenten, aber

einer Luxussuite im Dachge­schoss; die fünf Fakultäten als Heißluftballone, in unter. schiedlicher Höhe bei april. mäßigem Wetter über zerklüf. teten Felsen treibend, einer kontrastreichen Inselgruppe entgegen, ohne über den Lan­deplatz einig zu sein; die Fa­kultäten und Einrichtungen als Sisyphusse, vom Wissen­schaftsministerium mit her­abrollenden Steinen am Auf stieg gehindert, aber nicht un­geschickt im Ausfindigmachen von Umgehungswegen und| und und.

Man mag über den Erkennt­

niszuwachs streiten, der durch das laienhafte Verfertigen von| Kritzelbildern entstehen kann ­unbestritten dürfte hingege der kommunikative Wert solch einer gemeinsamen Malstunde| und der Vorzug einer locker aufgeschlossenen, kreativen Atmosphäre sein. Fast möchte ich da ein spontanes Aufschim:| mern der vielbeschworenen corporate identity bemerkt ha­ben. Jedenfalls zeigte der ab{| schließende Plenumsteil, dass} im Anschluß an die unkonven­tionelle Aufwärmphase in allen drei Arbeitsgruppen ertrag-} reich über Veränderungsbe-| darfe und Ziele diskutiert ­nicht zu verwechseln mit do­

ziert.- worden war.) Ein insgesamt ermutigender

leicht getrübt allerdings durch! den Verdacht, dass die Verwei-. gerungshaltung einiger Teil nehmer mehr als nur ein harm: loser Anfall von Spielverderbe-| rei war. Wurde da etwa vor de Gefahr gekniffen, sich auf un: bekanntem Terrain eine Blöße| zu geben und keine souverän| Figur zu machen? Wurde da} etwa eine mangelnde Bereit| schaft offenbar, sich auf andere| als die eigenen Spielregeln ein zulassen? Verriet sich da etwa[ die Haltung, Risikobereitschaft letzten Endes nicht nötig ZU| haben?

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