Heft 
(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/00

Fortsetzung von Seite 10

Eine vielfach erhobene Forde­rung des Workshops war die nach einer besseren hochschul­didaktischen Qualität der Lehre, will heißen nach sol­chen Kommunikationsbedin­gungen, die eine aktive und kreative Teilnahme aller Betei­ligten am Erwerb neuer Er­kenntnisse ermöglichen und nicht zuletzt ein verändertes Rollenbewußtsein der Lehren­den wie der Studierenden ver­langen. Nicht ohne Grund fiel mehrfach das Stichwort von den flachen und flexiblen Hier­archien. Wenn man so will, war der Workshop selbst ganz ne­benbei auch eine Art hoch­schuldidaktisches Fortbil­dungsseminar. Gekniffen ha­ben übrigens nicht die Studie­renden; ich sah auch keine wis­senschaftlichen oder Verwal­tungsmitarbeiter vorzeitig ver­schwinden. Zufall oder Sym­ptom? Man möge mich davon überzeugen, dass da nur der dumme Zufall gewaltet hat. Dr. Uta Sändig, Institut für Germanistik

Als ich mich morgens zum. Leit­bild-Works­hop begab, wußte ich noch nicht so recht, was mich erwar­ten würde. Zu schwammig wa­ren die Vorstellungen der Uni­leitung geblieben, zu wenig war im Vorfelde diskutiert worden. Jedoch machte dies genau den Workshop sehr spannend. Ohne Vorgaben hätte sich vielleicht eine inter­essante Debatte über Ausrich­tung und Zukunft unserer Universität ergeben können. Vor dem Hintergrund des Wis­senschaftsratspapiers stellte ich mich schon in freudiger Er­Wartung auf scharfe Kontro­versen ein.

Der. real strattgefundene Workshop enttäuschte und er­mutigte mich zugleich. Wieder einmal sind sich die Profs zu schade gewesen, um mit den anderen Uni-Mitgliedern of­fen über die Zukunft unserer Universität zu diskutieren.

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Statt dessen debattieren sie lie­ber in Professorien und be­ackern die Lobbykanäle, eine schlechte wie undemokratische Angewohnheit des gemeinen Profs. Zudem war die Aufma­chung des Workshops nicht dazu angetan, inhaltlich ge­haltvoll zu diskutieren. Selbst­findung und Identifikations­stiftung waren an diesem Tag angesagt. Viel gemalt und ge­einigt haben wir uns, Entschei­dendes wurde aber kaum ange­sprochen.

Verübeln kann ich das weder dem Leitbild-Mastermind Vi­zepräsident Dieter Wagner noch den anderen Anwesen­den, ist es doch für den einen sehr schwierig aus seiner BWL­Corporate-Identity-Perspek­tive auszubrechen und für die anderen etwas ganz Neues, ge­meinsam über die Zukunft un­serer Uni zu sprechen.

Auf der anderen Seite war es ein hoffnungsvoller Beginn ei­ner zukunftsgerichteten Dis­kussion. Vielleicht schafft un­sere Uni nicht nur den Weg zu einer aktualisierten Struktur, sondern auch den Weg zurück zur: Demokratie. Denn eins macht die Leitbilddiskussion auf jeden Fall klar:

Unsere Uni lebt vom freien Gedankenaustausch und vom Zusammenspiel aller Kräfte. Wenn an dieser Uni keiner mehr mit dem Anderen reden möchte und jeder auf seinen Vorteil bedacht ist, dann wird unser Rektor merken, dass seine Richtlinienkompetenz kein Ersatz für Demokratie ist.

Frank Richarz, Student Phi­losophie, Öffentliches Recht, Volkswirtschaftslehre

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Persönlich sollte der Eindruck sein, hieß es am Lelefon, so Meine WArt Erfahrungs­bericht, nicht zu lang und möglichst schnell. Und weil ich nicht schnell genug Nein gesagt hatte, bedankte sich meine Gesprächspartnerin aus| der Pressestelle auch gleich, sagte ein paar Artigkei­ten und verabschiedete sich.

Also versuche ich es ganz per­sönlich: mutig war es, kons­truktiv, aber irgendwie harm­los. Wer universitäre Gremien kennt und um die unterschied­lichen Vorstellungen der Fa­

Debatten gab es selbstgemalte Bilder, statt Statements gabs Bildinterpretationen. Das war unterhaltend, denn die defor­mation professionelle eines Philologen besteht bekanntlich darin, der Generierung aller nur möglichen Interpretatio­nen Lust abzugewinnen. Auf andere mag das frustrierend gewirkt haben- die Teilneh­merzahl schrumpfte leicht.

Trotzdem war mein Eindruck: Der Workshop war erfolgreich, möglicherweise weil er die ge­wohnten Bahnen binnenuni­versitärer Meinungsbildung gemieden hat. Wenn jeder ein­fach nur Mitglied einer Klein­gruppe ist, lassen sich Unbeha­gen und Wünsche einfacher formulieren. Es sind dann al­

kultäten und die divergieren­den Interessen der Gruppen weiß, musste befürchten, dass diese auch die Arbeit in dem Workshop bestimmen würden. Deshalb war es mutig, bunt zusammengewürfelte Univer­sitätsangehörige mit dem Auf­trag zu versehen, dem Leitbild erste Kontu­

lerdings nur Vorstellungen, keine Konzepte. Also irgend­wie harmlose Wünsche, die gleichwohl als Leitvorstellun­gen funktionieren können. Sie bestanden im wesentlichen darin, dass das Gespräch der Universitätsangehörigen un­tereinander intensiviert werden

solle, dass es

Einführung Einzelkämpfern räume lim war noch. wörtlichen akademisch Hın zum: Teamond| über: konventio- tragenen

nell und brachte die bekannten Gruppeninteressen zur Spra­che. Dann aber wurde es an­ders.

Wer bis dahin noch glaubte, er wisse, was ihn erwartet, wenn zu einem universitären workshop eingeladen und Statements angekündigt wer­den, wurde dann eines Besse­ren belehrt. Statt kontroverser

Sinn geben müsse, die es er­möglichen, auch über die For­schung wechselseitig mehr voneinander zu erfahren. Wenn die kommunikative und kommunizierende Universität ein Aspekt des Leitbildes ist, dann lasst uns miteinander sprechen...

Prof. Dr. Norbert Franz, In­stitut für Slavistik

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