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(1.1.2019) 03
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PUTZ 3/00

Studiosi

Wenn die Zweifel plagen

Psychologische Beratungsstelle Potsdam hilft Betroffenen

Im Alltag gibt es sie im Überfluss: Situationen, die Selbstsicherheit erfordern. Was aber, wenn gerade diese fehlt? Nicht wenige Studen­ten kennen das Problem. Für sie werden Prüfungen, Vor­träge, Streitgespräche, ja So­gar Einladungen zum Ren­dezvous zur tückischen Falle. Einige von ihnen finden des­halb den Weg in die Psycho­logische Beratungsstelle der Uni Potsdam. Mit deren Lei­ter, Dr. Jörg Herboth, sprach PUTZ-Redakteurin Petra Görlich.

Zu ihnen kommen Studen­ten in seelischer Not. Von welchen Problemen hören Sie am meisten?

Herboth: In Auswertung des vergangenen Jahres habe ich eine Vielzahl von Gründen für den Besuch in der Psychologi­schen Beratungsstelle festge­stellt. Dazu zählen Bezie­hungsprobleme, Ängste, An­passungs- und_Belastungs­störungen, Lernschwierigkei­ten, depressive Episoden, Per­sönlichkeitsstörungen, Ess­störungen und Zwänge. An der Spitze aller Konsultationen stehen jedoch die sogenannten Selbstbilddefizite. Genau 17 der insgesamt 77 Klienten sind im letzten Jahr allein aus die­sem Grund zu mir gekommen. Auffallend war dabei, dass es sich um mehr Männer als Frauen handelte, obwohl ins­

gesamt: mehr: Frauen die Sprechstunde nutzten. Selbstbilddefizite scheinen

demnach durchaus keine Sel­tenheit. Was ist darunter zu verstehen?

Herboth: Wir Psychologen sprechen beim Selbstbild, der Realitätsauffassung der Person von sich selbst, von einer zen­tralen Persönlichkeitsvariablen. Jeder besitzt sie, aber durchaus unterschiedlich strukturiert. Sie bewirkt ein mehr oder we­niger erfolgreiches Verhalten. Besitzt der Betroffene ein sta­biles Selbstbild, dann kann da­von ausgegangen werden, dass er relativ effektiv in seiner Um­welt funktioniert. Ist eher das

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Gegenteil der Fall, zieht dies ineffektives Handeln nach sich. Man kann sich beim Erreichen wesentlicher Ziele selber im Wege stehen.

Nichts geschieht ohne hand­feste Ursache. Was führt zu derartigen Selbstbildern? Herboth: Dazu gibt es unter­schiedliche Auffassungen. Aus verhaltenstherapeutischer Sicht werden diese Persönlichkeits­

Dr. Jörg Herboth von der Psycholo­‚gischen Beratungsstelle der Uni Potsdam hilft, wenn es Probleme gibt. Rund 85 Prozent der Klientel des Vorjahres siqnalisierten Thera­

piebedarf. Foto: Fritze variablen als Lernprodukte be­trachtet.

Das Selbstbild entwickelt sich demnach in Abhängigkeit von der jeweiligen Lernkarriere. Erfährt der Einzelne Anerken­nung von außen, wird seine Selbständigkeitsentwicklung unterstützt, stimmt das Selbst­bild; häufen sich Misserfolge, Enttäuschungen, fehlen Ak­zeptanz und Anerkennung, gibt es zunehmend Probleme mit dem eigenenIch.

Die jungen Leute wenden sich. vermutlich mit großen Hoffnungen an Sie. Was er­wartet sie?

Herboth: Eigentliche Antwor­ten auf die FragenWarum bin ich so wie ich bin?,Was macht mich so unzufrieden?, Was lässt mich an mir selbst zweifeln?. In der Regel sind anfänglich drei bis vier Stun­den notwendig, um das Selbst­bild diagnostisch abzuklären.

Dabei gilt es zu erfassen, wie es strukturiert ist und wo mögli­cherweise Defizite liegen. Eine diagnostisch ausdifferenzierte Bestimmung ist wichtig, weil damit ein Verhalten erklärt werden kann, welches bei der Bewältigung von Anforderun­gen in verschiedensten Le­bensbereichen wenig Erfolge liefert und damit viel Unzu­friedenheit schafft. Ist die Dia­gnose erstellt, wird auf dieser Basis das psychotherapeutische Vorgehen festgelegt. Der Auf­bau des Selbstwertes ist dabei

eine zentrale therapeutische Aufgabe. Das ThemaSelbstkon­

zepte war auch Gegenstand der gerade beendeten Fach­tagung derArbeitsgemein­schaft der Studien-, Studen­tinnen- und Studentenbera­tung in der Bundesrepublik Deutschland(ARGE). Was brachte Ihnen die Veranstal­tung?

Herboth: Ich habe eine Ar­beitsgruppe zu diesem Thema geleitet. Beteiligt waren viele Einzelkämpfer aus Psycho­logischen Beratungsstellen bundesdeut- scher Universitä­ten sowie der Studentenwerke. Wir Psychologen nutzten die Gelegenheit zu einem Erfah­rungsaustausch. Übereinstim­mung herrschte übrigens be­züglich der Häufigkeit des Auftretens jenes gerade ange­sprochenen Persönlichkeits­phänomens. Defizitäre Selbst­bilder erweisen sich offensicht­lich überall als ein zentrales Problem, mit dem ARatsu­chende in die Psychologischen Beratungsstellen kommen. Die Veranstaltung stieß auf viel Interesse. Wann tagt die Arbeitsgemeinschaft wieder? Herboth: ARGE tritt zweimal jährlich zusammen. Die näch­ste Fachtagung, die zugleich auch dem Kennenlernen des Studienortes dient, findet vom 13. bis 16. September in Dres­den statt. Das Thema lautet dannMännerbünde und Frauennetzwerke/Netzwerke in der Beratung. Vielen Dank für das spräch.

Ge­

Netzwerk

Das Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V. bietet zukünftigen weibli­chen Führungskräften die Möglichkeit, ein durch einen Mentor begleitetes Prakti­kum in einem Unternehmen im europäischen Ausland zu absolvieren. Das Projekt EU-Mentoring-Netzwerk richtet sich an junge Frauen, die ihr Hochschul- oder Fachhochschulstudium er­folgreich abgeschlossen ha­ben und gute Fremdspra­chenkenntnisse vorweisen können. Ziel des Projektes ist die Eröffnung neuer be­ruflicher Perspektiven durch gezielte Förderung der be­ruflichen Mobilität. Studentinnen, die bis zum Oktober 2000 ihr Studium beendet haben, können sich bewerben: Bildungswerk der Thüringer Wirtschaft e.V., Katharina Fleischer, Sven Nobereit, Konrad-Zuse­Straße 5, 99099 Erfurt, Tel.: 0361/4262701, Fax: 0361/4262777, E-Mail: info@EU-Mentoring-Netz­work.com, Internet: http: //www.EU-Mento­ring-Network.com

PUTZ

Wohin am Abend?

Im WUnicum-Keller Am Neuen Palais gibt es in die­sem Monat noch vier Veran­staltungen.

11. April 2000: Erstseme­sterparty mit DJ Nick(Pots­dam-House); Beginn: 21.00 Uhr 17. April 2000: Konzert in der Reiherocken: STIRN(Fürstenwalde), Beginn: 20.00 Uhr

19. April 2000: Konzert in der BReihewurzeln: Grönlandsafari(Golm), Beginn: 21.00 Uhr

26. April 2000: Semeste­reröffnungsparty vonuni­queer(LesBISchwulen Hochschulgruppe), Beginn: 22.00 Uhr