UNI aktuell
Neue Strukturen
Im Januar dieses Jahres hat der Wissenschaftsrat sein Gutachten über die Evaluierung von vier Fakultäten Universität Potsdam vorgelegt.
Darin hat das Gremium die Uni aufgefordert, ihr Profil zu schärfen und attraktiv ausgestattete Schwerpunkte zu schaffen. Auf der Grundlage von insgesamt 190 Professuren solle das Studienangebot gestrafft werden und interdisziplinäre Aktivitäten in einer Reihe von Profilbereichen gestärkt werden.
Seit dem ist universitätsweit über die weitere Entwicklung diskutiert worden. Vor allem auch die Fakultäten haben Stellungnahmen erarbeitet.
Auf dieser Grundlage und eigenen Überlegungen hat das Rektorat ein Positionspapier zur Strukturentwicklung der Uni
der
versität Potsdam erarbeitet. Dieses hat der Rektor der Universität kurz vor der
Sommerpause dem Senat und den‘ Fakultäten mit der Aufforderung zur abschliessenden Stellungnahme bis Ende Oktober dieses Jahres übergeben.
Insgesamt acht Profilbereiche sicht das Positionspapier zur Strukturentwicklung der Universität vor. Es sind einzelnen die Bereiche Wirtschaft— Institutionen— Verwaltung, Kognitionswissenschaft, Komplexe Systeme, Erdwissenschaften, Lebenswissenschaften, Weiche Materie, der Bereich Kulturen im Vergleich und das Potsdamer Modell der Lehrerbildung einschließlich der Erziehungswissenschaften.
Das Papier enthält ferner konkrete Vorschläge für die Schließung von Studiengängen. So ist das Rektorat der Auffassung, dass die Studiengänge Diplom Musikpädagogik /Musikalische Früherziehung, Lehramt Sonderpädagogik und Diplom Soziologie auslaufen sollten. Das Ziel des Rektorats ist es, für alle Fakultäten gleichermaßen Perspektiven und Rahmenbedingungen für ihre Entwicklungsplanung, Struktur und Schwerpunktbildung aufzuzeigen. Insgesamt Universitätsleitung,
dies im
hofft die dass es
PUTZ 7/00
gelingt, auf der Grundlage des Papiers und den nun folgenden Stellungnahmen der Fakultäten bis zum Jahresende 2000 zu einvernehmlichen Entscheidungen zu gelangen.
Die Hochschulleitung beabsichtigt am Ende dieses Prozesses mit den Fakultäten Zielvereinbarungen zur Umsetzung zu treffen.
Mit Sorge blickt das Rektorat der Universität Potsdam dabei auf die Landesregierung Brandenburg. Der geplante strukturelle Umbauprozess und die damit verbundene Beschränkung des Fächerspektrums der Hochschule beruht auf der Basis von 190 Professuren- so wie es das Wissenschaftsratsgutachten explizit gefordert hat.
Die Universitätsleitung betont, dass die vom Wissenschaftsrat geforderten 190 Professuren als Mindestausstattung für die Wahrnehmung der von der Universität erwarteten Angebotsstruktur unerlässlich sind und dass die Universität für den erforderlichen Strukturumbau einen Stellenkorridor benötigt. Es ist unabdingbar für die weitere Entwicklung, dass das Land der Universität Potsdam diesen Bewegungsspielraum verbindlich gewährleistet. gl
IQ Brandenburg
Unter dem Label Q Brandenburg findet am 16. November 2000 der diesjährige“Tag der Wissenschaft und Forschung des Landes Brandenburg” statt. Damit wird eine gute Tradition fortgesetzt.
An ihm beteiligen sich so gut wie alle Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen Brandenburgs. Angesprochen
werden damit insbesondere Schüler und Lehrer der Sekundarstufe II Branden
burgs und Berlins. Auf dem Programm stehen Vorträge, eine Ausstellung und spezielle Workshops für Lehrer. Die Veranstaltung soll Einblicke in wissenschaftliche Forschungsergebnisse vermitteln und somit vor allem auch Spaß und Freude an Wissenschaft vermitteln.
Der“Tag der Wissenschaft und Forschung” findet von 9.00 bis 17.00 Uhr auf dem Telegrafenberg in der branArena burg schen Landeshauptstadt Potsdam statt. PUTZ
Fakultätsfest mit Feierstunde
Ehrendoktorwürde an Helmut Schmidt verliehen
Am 5. Juli verlieh die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der UniVversität Potsdam im Rahmen ihres Fakultätsfestes, bei dem die Absolventen und Promovenden des Jahrgangs verabschiedet wurden, die Ehren
doktorwürde an Helmut Schmidt. Es war der 23. Ehrendoktortitel, den der
Altbundeskanzler erhielt, der erste allerdings, der ihm von einer deutschen Universität verliehen wurde.
Mit Helmut Schmidt, so hieß es in der Laudatio von Prof. Dr. Paul J. J. Welfens aus der gleichen Fakultät,“wird eine Persönlichkeit geehrt, die über Viele Jahrzehnte Politik, vor allem nationale und internationale Wirtschaftspolitik, mit Erfolg, Augenmaß und Reflexion betrieben hat; ein
Mit seinem 23. Ehrendoktortitel erhielt Helmut Schmidt nun den ersten Ehrendoktor einer deutschen
Universität. Foto: Fritze
Mann, der auch als Publizist ein einflussreicher Denker in und für Europa ist“.
Zugleich, so hieß es weiter, habe sich Helmut Schmidt{als Wirtschafts- und Finanzminister wie als Bundes-kanzler in vor
bildlicher Weise um eine fundierte, auch theoretische Erkenntnisse der Volks
wirtschaftslehre einbeziehende Politik bemüht. Welfens äußerte die Hoffnung, dass der Altbundeskanzler die DialogAnstrengungen an der Wirtschafts- und_Sozialwissenschaftlichen Fakultät anregend und nachdenklich begleiten werde. In seiner Rede sprach Schmidt über die“Weltprobleme’ des 21. Jahrhunderts”. Er sprach‘ sich dabei für eine Begrenzung der Zuwanderung aus, die der Stabilisierung Europas diene. Mit Blick auf Deutschland kritisierte er die aufgeblähte Bürokratie und einen Rückstand im technischnaturwissenschaftlichen Bereich.
Das Land brauche einen Vorsprung im technologischen Sektor, um auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Schmidt forderte die europäischen Länder auf, ihren Weg der Einigung fortzusetzen und sich — mit Blick auf die amerikanische Rüstungspolitik— nicht ins amerikanische Schlepptau zu begeben.
Helmut Schmidt wurde am 23. Dezember 1918 in Hamburg geboren. Nach der Rückkehr aus britischer Kriegsgefangenschaft studierte er Volkswirtschaft und
Staatswissenschaft in seiner Heimatstadt. Seine politische Laufbahn
begann mit dem Beitritt zur SPD im März 1946 und führte ihn schließlich am 16. Mai 1974 ins Amt des Bundeskanzlers, dass er am‘ 1. Oktober 1982 an Helmut Kohl übergeben musste. Seit 1983 ist Helmut Schmidt Mitherausgeber der ZEIT.
urs