Heft 
(1.1.2019) 07
Einzelbild herunterladen

PUTZ 7/00

Pointillismus

Punkte sammeln nicht ohne Tücke

Die leistungsbezogene Besol­dung wird überall diskutiert. Bildungsministerin Edelgard Bulmahn will noch in dieser Legislaturperiode das Dienst­recht an den Hochschulen reformieren. Nach ihren Plänen soll dann ein Teil der Professorenbesoldung leis­tungsbezogen bemessen wer­den. Brandenburgs Wissen­schaftsminister Wolfgang Hackel sprach sich im Sommer dieses Jahres ebenfalls für leis­tungsorientiertere Bezüge der Professoren aus. Doch damit nicht genug. Auch die Vergabe von Haushaltsmitteln an die Institute einer Universität kann sich in Zukunft- wenig­stens teilweise- an der Leistung der dort arbeitenden Wissenschaftler orientieren. An der Humanwissen­schaftlichen Fakultät der Uni Potsdam beispielsweise ist dies seit dem laufenden Haushalts­jahr der Fall. Ein Katalog ord­net den einzelnen Leistungen der Professoren eine. bes­timmte Punktzahl zu. Von der Höhe der gesammelten Punktzahl hängt dann die Höhe über einem festen Sockel zusätzlich vergebener Haushaltsmittel ab. Eine Regelung, die nicht immer ohne Tücke ist, meint Gerheid

Scheerer-Neumann, Profes­sorin am Institut für Grund­schulpädagogik.

Sie verfolgen mich, diese Punk­te. Punkte für Studierende im Rahmen des European Credit Transfer Systems. Wie viele für ein zweistündiges Seminar? Drei oder vier? Vielleicht ein Pünkt­chen mehr, wenn das Seminar von einem leibhaftigen C-4 Professor gehalten wird- oder ist Hauptseminar doch gleich Hauptseminar?

Nun haben. sie auch die Lehrenden eingeholt, die Punk­te, im Rahmen der Leistungsbezogenen Mittel­vergabe, das heißt eigentlich nicht die Lehrenden, sondern die Forschenden und vor allem die Schreibenden. Zwei Punkte gibt ‚es für. einen. wissen: schaftlichen Beitrag, aber neun Druckseiten muss. er schon haben. Ich habe gerade zwei Manuskripte abgeschlossen, einen Lexikonartikel mit acht Seiten ‚und; einen Aufsatz für einen Sammelband mit. 17 Seiten. Beides sehr ungünstig. Den Lexikonartikel auf neun Seiten erweitern? Das schlage ich mir gleich aus dem Kopf. Schon um die achte Seite musste ich mit den Herausgebern rin­gen. Der Aufsatz ist unnötig lang; aber- ich könnte ihn vielle­

ichtin zwei Manuskripte aufteilen; zwei mal zwei, das wären schon vier Punkte. Die fehlende Seite müsste zu bewältigen sein: Hier und da ein eingefügter Satz, einige Füll­wörter, die- von Generationen von Deutschlehrerinnen ge­scholten- nun rehabilitiert wür­den. Auf Englisch- tatsächlich erhält man für internationale Publikationen ja noch mehr Punkte- bietet sich an:Further research is needed- das passt immer. und bringt mit. 26 Zeichen immerhin eine halbe Zeile. Vielleicht finden sich ver­fasste und nicht gebrauchte Absätze... in. ‚derSchreib: tischschublade, obwohl diese immer seltener werden, seit Ausgesondertes im Computer gänzlich verschwindet. Man sollte wieder anfangen, solche Sätze und Absätze zu sammeln; mit der Zeit könnte so ein weit­erer Artikel mit weiteren zwei Punkten entstehen Gedenk­minute für Dr. Murke.

Es klopft. Eine Studentin möch­te ihr zweites Nebenfach wech­seln. Ich unterhalte mich mit ihr (obwohl keine Sprechstunde) über die Gründe ihres Wunsches und ihre Erwartungen an das neu gewählte Fach. Als sie gegangen ist, notiere ich wie mein Hausarzt:Eingehende, das gewöhnliche Maß über­steigende Beratung. Leider gibts dafür keine Punkte. Immerhin bleibt mir ein Trost: Auch der Pointillismus wurde überwunden.

Leserbrief: Ist Osten Vorteil?

Die Tarıfrunde 2000 ist mit minimalen Angleichungsschrit­ten für die Beschäftigten im Tarifgebiet Ost der Bundes­republik Deutschland zu Ende gegangen. Am 1. Januar 2002 werden 90,0 Prozent der in den alten Bundesländern gezahlten Vergütung erreicht sein bei län­gerer Arbeitszeit. AlsErfolg ist das nur dann zu bewerten, wenn man die Ausgangssitua­tion betrachtet. Politiker, wie der frühere Forschungsminister und Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnany, der die Bundesrepublik seit Jahren beim Aufbau Ost berät, halten Lohnangleichung für eineab­surde Idee, und auch der Bundeswirtschaftsminister

36

Werner Müller..schwärmte? vom Standortvorteil des Nied­riglohngebietes Ost. Die ehema­lige Finanzministerin des Landes Brandenburg Wilma Simon wurde nicht müde zu erklären, dass Brandenburg ein armes Land sei, in dem Haushaltskon­solidierung«Vorrang habe und das sich so hohe Personalkosten nicht leisten könne. Im krassen Widerspruch zu diesen Äus­serungen steht. das, Handeln, wenn es sich um die Bezahlung von Ministern, Staatssekretären oder auch Professoren handelt. Der Kulturminister des Landes Brandenburg Wolfgang Hackel ist nur: ein Beispiel fürHun-;­dertprozent-Tiger in Spitzen­positionen des Landes Branden­burg. Zehn Jahre nach der Wäh­rungs-, Wirtschafts- und Sozial­union muss die Frage erlaubt

sein, wer für die hohen Personal­kosten verantwortlich ist, und es sollte die Frage geklärt werden, ob das Niedriglohngebiet Ost für Universitäten ein Standort­vorteil ist. Ich möchte eine Stu­die zu diesen Themen anregen und hoffe, dass sich Studenten finden, die Interesse an der Be­arbeitung der gestellten Fragen haben und wissenschaftliche Mitarbeiter oder Professoren, die bereit sind, Arbeiten zu die­sen Themen zu betreuen. Bei al­len, die uns in dieser Tarifrunde unterstützt haben, sei es durch Mitgliedschaft in einer Gewerk­schaft, die Beteiligung am Warn­streik, Hilfe bei der Urabstim­mung und für das Flugblatt der Studenten möchte ich mich bedanken. Gisela Mehlmann/ Personalrat für Mitarbeiter aus Technik und Verwaltung

Das Laetziy

0 Meckerecke

Dieser Platz, liebe Leserinne und Leser, soll künftig für Si ganz persönlich vorbehalte sein. In der neuenMeckes ecke haben Sie die Möglichkei endlich aufzuschreiben, wa: Sid schon immer sagen wol!ten| Hier können Sie Missständ anprangern, mit Ihren Zweifel Sorgen und Bedenken z Diskussion anregen. Die Redak tion wird sich bemühen, dei Themen nachzugehen und Antworten zu bekommen| Nutzen Sie also diese Chance Wir sind auf Sie angewiese wenn wir in Ihrem Sinne de Dingen auf den Grund gehe wollen. DieMeckerecke: startet ı nächsten Heft, und wir ho-fen| dass Sie, den Mut zu öffentlichen Meckern haben Die Redak tion

Gesucht

Die Schwimmmannschaft der Uni Potsdam ist dringend aul der Suche nach Schwimmbegzgeis terten, die die Mannschaft künf­tig verstärken. Wer also Interesse hat, meldet sich bei. Dr Wolfgang Thielscher im Institut für Sportwissenschaft unter der E-Mail-Adresse thielsch@rz. uni potsdam.de. PUTZ