Heft 
(1.1.2019) 09
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PUTZ 9/00

Das Letzte

Rot geschmückt und Rauch geschwängert

Wie man im Büro schon mal Weihnachten übt

Man tritt ins Zimmer und man weiß sofort, Mühe sich gegeben wurde, um sich auf das hohe Fest der Liebe vorzubereiten, kollegiale Übereinstimmung erreicht und wieviel Raffinesse entwickelt wurde, sich selbst und andere möglichst atmo­sphärisch darauf einzustim­men. Steht da nämlich ein buntes Animiertellerchen auf dem Tisch, gediegen dekoriert mit vielen Leckereien zwischen zart und bitter, fühlt man sich sogleich geborgen.

Bald schon kaut man Spekulatius

wieviel

wieviel

vor sich hin und lässt seine

erwartungsfrohen Augen einfach schweifen. Wunderbar, wie einen all die stimmungsvollen Accessoires den vor­freudigen Kitzel verschaffen,. dass bald. ein Ros entspringen wird. Allen Ze u m Beispiel da Ss Kalen­dari­um,

voran

dessen geöffnete Fensterchen Fele me Kammern offenbaren, die d gleichzeitig einen zusätzlichen.., Quell= leckeren Genusses ver­Dies trotz, sondern gerade wegen

all der Diäten. In einer Art ritu­alisierter Glückseligkeit wird sich so 24 Tage lang das gewisse Etwas gegönnt. Und dann erst das muntere Farbgeflacker der Lichterkette. im Fenster. Oh

raten. keineswegs

welche Wärme in der ach so kalten Welt, welche Bestän­digkeit und Intimität. Ihr

Kinderlein kommet, seufzt man, wenn in rhythmisch wieder­

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kehrender Weise die kleinen

roten Lichterchen illuminieren. Das nicht minder rot erleuchtete Plastikbäumchen von der Größe einer Kaffeekanne auf dem Schrank tut da Übriges. Halleluja, da knisterts, da wird einem plötzlich ganz Mute pochende Herz. Man unter­drückt Frohlocken

noch. sein

heimlich zu ums

sein Jauchzen und

und versinkt ganz und gar in diesem Glanze, so dass einem die bevorstehende stille Nacht als nachgerade heilig Nichts kann

schmälern,

erscheinen Eindruck

muss. diesen nicht einmal das weiße Pulver, das jemand auf den Teppichboden hat fallen lassen. Man möchte lauthals Stolle rufen, denkt

aber

unachtsam

stattdessen prompt an Schnee

Während die gläsernen Kerzchen im Fenster und. am Baum

glei­

%

cher­

maßen lustvoll wie

AN

lampenfiebrig

in vollendeter Röte sich hin blinkern, als würden.. sie

)

weiter vor

einander Zeichen geben, werden jetzt zwei von vier Kerzen entzündet, rot natürlich auch diese, oben­drein mit winzigen goldenen Sternchen verziert und richtig echt. Man tut dies nicht nur mit andächtiger Liebe zum Detail, sondern vor allem mit dem dienst­beflissenen Eifer für die rituelle Vorschrift. Denn schließlich gibt es da außer dem Brandschutz

eine zusätzliche, wenngleich ein­

fache Regel. zu beachten. Dennoch, man ist entzückt, ja geradezu erleichtert darüber,

daß es auch ohne eine solche

Regel geht, wenn man die auf

dem Fensterbrett über der

Heizung stehende Pyramide in

Gang bringt. Die kleinen trompetenden Engelein sind ganz Feuer und Flamme und

ziehen nunmehr unerschrocken ihre kreisrunde Bahn, vorwärts immer, rückwärts nimmer. Schon fühlt man sich auf seinem Drehstuhl mit den Engeln eins werden. Schon kratzt es am Rücken, als

Flügel. Endlich! Soeben noch

wüchsen einem völlig von Sinnen, stellt sich abrupte Besinnlichkeit her. Es ist für uns eine Zeit angekommen spätestens dann, wenn es aus dem Mund einer kleinen hölzer­heftig raucht. Oh, riecht es gut, riecht es fein oder nach Narkotikum?

nen Figur plötzlich

Dünne Fahnenwölkchen jeden falls durchwehen jetzt geisterhaft das Dienstzimmer. Die Luft geht schwanger und man möchte vor Ergriffenheit am liebsten des Wattebart kraulen, so ganz und gar ergrif­fen ist man. Ein kleiner Kamerad für gewisse Stunden. Nach dem MottoDu gefallen, ist er zentra umkränzt

Männchens weißen

kannst mir sehr drapiert und von grünem Tannennadelwerk. Die in das Platzdeckchen eingewebten win­Motive ähneln denen

Tisch. Es

terlichen der Decke auf. dem wirkt wie ein roter Teppich, der

extra ausgebreitet wurde, um Heiland

weihevoll erscheinen zu lassen.

den erzgebirgischen Hier ist einfach an alles gedacht worden. Selbst der Bildschirm­schoner suggeriert, Arbeit auf Schlitten daherkommt und rasend schnell

dem

vorbei rauscht, als ward) sie nie mehr gesehen. Es kommt jetzt allmählich alles zur Ruhe. Es ist soweit, ein Blick zur Uhr ist völ­lig unnötig. Man spürt es ein­fach. Besecelt werden die Schreibtischfächer geschlossen, damit Kreise schließen. Beim Ablegen der Schreibgeräte ist einem zumute, als würden süßer die Glocken nie

als würden sich

klingen. Man reicht sich die

dass die..

Aktenordner wie Geschenke prüft ihr Gewicht mit bedeu Nicken.. Lang

dann trägt man sie wie Gabe

tungsvollem

umher, ehe sie mit feierlichen Stolz zu ihrem vorgesehene Platz gebracht werden. Schön Bescherung. Man zieht di Schuhe aus, um das Gefühl z verstärken, auf leisen Sohlen z gehen. Ein Seufzer noch, bevc es ins Flüstern übergeht und de Hörer neben das Telefon gelex wird, so behutsam, als hing

man eine silberne Kugel: z

Hause an seine blaue Tanne Man riegelt die Tür von inne

ab. Horcht. Nichts mehr, wa

stören könnte. Regungslos alles Stille überall. Oh du Fröhliche!

Thomas Pösl/PÖK

IMPRESSUM 7SSN 0947-1650

PUTZ Die Potsdamer Universitätszeitung

Herausgeber: Referat für die Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit(PÖK) im Auftrag des Rektors der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder Redaktion: Dr. Barbara Eckardt(B.E.), Janny Glaesmer(gl)(verantwortl.), Petra Görlich(P.G.),

Dr. Ursula Resch-Esser(urs)

Texterfassung, Vertrieb: Andrea Benthien

Titelfoto aus:Preußen- Geschichte eines Mythos be.bra.verlag,Parade auf dem Opernplatz in Berlin

Auflage: 5000

Anschrift der Redaktion:

An Neuen Palais 10, D-14469 Potsdam Telefon(03 31) 9 77-1474 oder-1496,, 1665,-1675

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