Kultur
PUTZ 9/00
Hundert Jahre deutsches Drama
Kompendium erschienen
Mit der unter dem Titel „Deutsche Dramatiker des 20. Jahrhunderts“ erschienenen umfassenden Darstellung zum deutschen Theater der zurückliegenden hundert Jahre hat der Erich Schmidt Verlag Berlin/Bielefeld/München ein wichtiges und notwendiges Kompendium vorgelegt und allen Theaterinteressierten ein kompaktes, gut Ilesbares, informatives, dichtes, aber auch streitbares Arbeitsmaterial in die Hände gegeben.
In dem von Alo Allkemper und Norbert Otto Eke herausgegebenen, über neunhundert Seiten umfassenden Band beschäftigen sich namhafte internationale Literatur- und Theaterwissenschaftler in 51 wissenschaftlichen Essays Porträts) mit jenen Männern und Frauen, die die Theaterlandschaft‘ des‘; 20. Jahrhunderts nachhaltig beeinflusst haben. Als Anhang bietet jeder Beitrag eine Auswahl von Werk- bzw. Textausgaben sowie der wichtigsten Forschungsliteratur; eine Auswahlbibliographie und ein Namensregister runden den Band ab.
des 2). Jahrhunderts
Von Arthur Schnitzler bis Werner Schwab: es sind vor allem die thematischen Bezüge und Kohärenzen, das Kenntlichmachen durchgehender Entwicklungslinien, die Parallelen, Einflussnahmen, Affinitäten oder auch Kontinuitätsbrüche, das weite Feld der komparatistischen Vergleiche also, worauf großer Wert gelegt
wurde und die den Reiz dieses schweren Bandes ausmachen. Eine zeitgeschichtliche Einordnung von Autoren und Autorinnen samt ihrer Werke wird dadurch um so leichter schlüssiger möglich.
und
Epochen und ihre Autoren
Zwei Österreicher also bilden dafür die Klammer. Dazwischen findet sich fast alles, was im deutschsprachigen Theater Rang und Namen hat. Die Dramatiker des Naturalismus und des Fin de siecle werden ebenso berücksichtigt wie expressionistische Autoren oder die Verfechter des epischen, dokumentarischen und experimentellen Theaters bis hin-in Ansätzen- zur jüngeren Autorengeneration.
Kriterien für die Autorenauswahl sind thematische Bedeutung, formale Originalität sowie die Bühnenpräsenz. Dabei wird der Anspruch, einen Gesamteindruck des jeweiligen dramatischen Werkes anhand von Werkcharakteristik, dramenästhetischer Konzeption, Kontextualisierung innerhalb der dramatischen und biographischen Entwicklung sowie Grundzüge der Rezeptions- und Wirkungsgeschichte zu vermitteln, weitgehend eingelöst. Die Grundzüge unterschiedlicher Epochen und ästhetischer Strömungen gewinnen anhand der vorgestellten Autoren Anschaulichkeit, Übersichtlichkeit und facettenreiche Kontur.
Außenseiter fehlen
Ein anderer Vorsatz hinsichtlich der Auswahl jedoch bleibt höchst problematisch, nämlich derjenige,„jenseits der großen, etablierten Namen auch solchen Autoren und Autorinnen angemessenen Raum zu geben, die nicht unmittelbar die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben, dramengeschichtlich aber von erheblicher Bedeutung sind“, wie es im Vorwort heißt. Hat dies ein Epochenrückblick selbstredend zu leisten, will er ernst genommen werden, tut dieser
Band dies leider zu wenig. Wichtige Außenseiter fehlen lei
der!
Dass sich z.B das szenische Werk von Kurt Schwitters nicht einreihen ließ, scheint schwer nachvollzichbar.
Selbiges wiederholt sich bei Lothar Trolle(geb.1944). Es verwundert, dass ein über die Jahre höchst produktiver Autor, der seit einiger Zeit von Frankreich aus„entdeckt“ wird (wieder mal Frankreich!), lediglich eine kurze Erwähnung als Ko-Autor von Thomas Brasch findet. Gerade weil sich Trolle(bis vor kurzem noch Hausautor am Berliner Ensemble) sowohl als echemaliger DDR- und nun als gesamtdeutscher Dramatiker bis heute mit seinen komisch-sperrigen Texten gängiger Aufführungspraxis weitgehend verweigert, wäre es an der Zeit gewesen, diese“Randerscheinung” endlich einmal“angemessen” zu würdigen. Das Kriterium der “Bühnenpräsenz” erweist sich nicht nur hier als Falle. Was macht man zum Beispiel mit einem Vielschreiber wie Oliver Bukowski, dessen Stücke landauf, landab seit Jahren erfolgreich gespielt werden?
Dass aus der ehemaligen DDR kommende. und in diesem Kontext wichtige Autoren wie Alfred Matusche oder Ulrich Plenzdorf namentlich dann nicht einmal mehr erwähnt werden, ist in diesem Zusammenhang schon ein wenig ärgerlich. Den Vorwurf,“ostlastig” zu sein, muss sich dieser Band jedenfalls nicht gefallen lasen.
Gerade die Chance, wenigstens auch einige Autoren wieder, neu oder noch zu entdecken, die verborgen, vergessen, aus unterschiedlichen Gründen ins Abseits gedrängt wurden, lässt sich dieses ambitionierte Unternehmen bedauerlicherweise entgehen. Dass die“vernachlässigten Stiefkinder des laufenden Theaterbetriebs” ein weiteres Mal vernachlässigt werden,
scheint ein klares Versäumnis und ein notwendiger Einwand gegen diesen ansonsten unverzichtbaren Leitfaden.
Thomas Pösl/PÖK
Deutsche Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Herausgegeben
von Alo Allkemper und Norbert Otto Eke. Erich Schmidt Verlag
Berlin/Bielefeld /München. ISBN 3 503 04975 4. 920 Seiten. Preis: 268,- DM
Indien/Afrika
Foto: Franziska Krischl|
Gebremster
Sturzbach
Sturzbäche graben tiefe Rinnen, reißen fruchtbare Humussc hicht mit ins Tal. Erosion macht überall die gleichen Proble me.
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