Heft 
(1.1.2019) 09
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Kultur

PUTZ 9/00

Hundert Jahre deutsches Drama

Kompendium erschienen

Mit der unter dem Titel Deutsche Dramatiker des 20. Jahrhunderts erschienenen umfassenden Darstellung zum deutschen Theater der zurück­liegenden hundert Jahre hat der Erich Schmidt Verlag Berlin/Bielefeld/München ein wichtiges und notwendiges Kompendium vorgelegt und allen Theaterinteressierten ein kompaktes, gut Ilesbares, informatives, dichtes, aber auch streitbares Arbeitsmat­erial in die Hände gegeben.

In dem von Alo Allkemper und Norbert Otto Eke heraus­gegebenen, über neunhundert Seiten umfassenden Band beschäftigen sich namhafte inter­nationale Literatur- und Theaterwissenschaftler in 51 wissenschaftlichen Essays Porträts) mit jenen Männern und Frauen, die die Theaterlandschaft des; 20. Jahrhunderts nachhaltig beein­flusst haben. Als Anhang bietet jeder Beitrag eine Auswahl von Werk- bzw. Textausgaben sowie der wichtigsten Forschungsli­teratur; eine Auswahlbibliogra­phie und ein Namensregister runden den Band ab.

des 2). Jahrhunderts

Von Arthur Schnitzler bis Werner Schwab: es sind vor allem die thematischen Bezüge und Kohärenzen, das Kenntlichmachen durchgehen­der Entwicklungslinien, die Parallelen, Einflussnahmen, Affinitäten oder auch Konti­nuitätsbrüche, das weite Feld der komparatistischen Vergleiche also, worauf großer Wert gelegt

wurde und die den Reiz dieses schweren Bandes ausmachen. Eine zeitgeschichtliche Einord­nung von Autoren und Autor­innen samt ihrer Werke wird dadurch um so leichter schlüssiger möglich.

und

Epochen und ihre Autoren

Zwei Österreicher also bilden dafür die Klammer. Dazwischen findet sich fast alles, was im deutschsprachigen Theater Rang und Namen hat. Die Dramatiker des Naturalismus und des Fin de siecle werden ebenso berück­sichtigt wie expressionistische Autoren oder die Verfechter des epischen, dokumentarischen und experimentellen Theaters bis hin-in Ansätzen- zur jün­geren Autorengeneration.

Kriterien für die Autorenauswahl sind thematische Bedeutung, formale Originalität sowie die Bühnenpräsenz. Dabei wird der Anspruch, einen Gesamtein­druck des jeweiligen dramati­schen Werkes anhand von Werkcharakteristik, dramenäs­thetischer Konzeption, Kontext­ualisierung innerhalb der drama­tischen und biographischen Ent­wicklung sowie Grundzüge der Rezeptions- und Wirkungs­geschichte zu vermitteln, weit­gehend eingelöst. Die Grund­züge unterschiedlicher Epochen und ästhetischer Strömungen gewinnen anhand der vorgestell­ten Autoren Anschaulichkeit, Übersichtlichkeit und facetten­reiche Kontur.

Außenseiter fehlen

Ein anderer Vorsatz hinsichtlich der Auswahl jedoch bleibt höchst problematisch, nämlich derjenige,jenseits der großen, etablierten Namen auch solchen Autoren und Autorinnen ange­messenen Raum zu geben, die nicht unmittelbar die Aufmerk­samkeit auf sich gezogen haben, dramengeschichtlich aber von erheblicher Bedeutung sind, wie es im Vorwort heißt. Hat dies ein Epochenrückblick selb­stredend zu leisten, will er ernst genommen werden, tut dieser

Band dies leider zu wenig. Wichtige Außenseiter fehlen lei­

der!

Dass sich z.B das szenische Werk von Kurt Schwitters nicht einreihen ließ, scheint schwer nachvoll­zichbar.

Selbiges wiederholt sich bei Lothar Trolle(geb.1944). Es verwundert, dass ein über die Jahre höchst produktiver Autor, der seit einiger Zeit von Frankreich ausentdeckt wird (wieder mal Frankreich!), lediglich eine kurze Erwähnung als Ko-Autor von Thomas Brasch findet. Gerade weil sich Trolle(bis vor kurzem noch Hausautor am Berliner Ensemble) sowohl als echema­liger DDR- und nun als gesamt­deutscher Dramatiker bis heute mit seinen komisch-sperrigen Texten gängiger Aufführungs­praxis weitgehend verweigert, wäre es an der Zeit gewesen, dieseRanderscheinung end­lich einmalangemessen zu würdigen. Das Kriterium der Bühnenpräsenz erweist sich nicht nur hier als Falle. Was macht man zum Beispiel mit einem Vielschreiber wie Oliver Bukowski, dessen Stücke land­auf, landab seit Jahren erfolg­reich gespielt werden?

Dass aus der ehemaligen DDR kommende. und in diesem Kontext wichtige Autoren wie Alfred Matusche oder Ulrich Plenzdorf namentlich dann nicht einmal mehr erwähnt wer­den, ist in diesem Zusammen­hang schon ein wenig ärgerlich. Den Vorwurf,ostlastig zu sein, muss sich dieser Band jedenfalls nicht gefallen lasen.

Gerade die Chance, wenigstens auch einige Autoren wieder, neu oder noch zu entdecken, die ver­borgen, vergessen, aus unter­schiedlichen Gründen ins Abseits gedrängt wurden, lässt sich dieses ambitionierte Unter­nehmen bedauerlicherweise ent­gehen. Dass dievernachläs­sigten Stiefkinder des laufenden Theaterbetriebs ein weiteres Mal vernachlässigt werden,

scheint ein klares Versäumnis und ein notwendiger Einwand gegen diesen ansonsten unverzichtbaren Leitfaden.

Thomas Pösl/PÖK

Deutsche Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Herausgegeben

von Alo Allkemper und Norbert Otto Eke. Erich Schmidt Verlag

Berlin/Bielefeld /München. ISBN 3 503 04975 4. 920 Seiten. Preis: 268,- DM

Indien/Afrika

Foto: Franziska Krischl|

Gebremster

Sturzbach

Sturzbäche graben tiefe Rinnen, reißen fruchtbare Humussc hicht mit ins Tal. Erosion macht über­all die gleichen Proble me.

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