PUTZ 9/00
Kultu
Lust an Kunst
Heute vorgestellt: Trio ungefair
Hans-Christian Stillmark, Knittelverse dichtender Songwriter,. Cello: spielender Literaturwissenschaftler am Institut für Germanistik und Mitbegründer‘des“Trio Ungefair” zitiert gern, wenn er über‘ sich und seine Kollegen redet, die großen Dinge, von denen es genügt, sie gewollt zu haben. Damit meint er durchaus Bescheidenes, nämlich handgemachte Musik, Lyrik und andere
Texte, witzig, Frack-würdig und immer unplugged.
Hubert
Urgestein
Woite, und DDR-MusikInsidern bekannt als Schlagzeuger. bei der Rockband “Schabulke-Projekt”, alias Kurt Kowalski, komponiert, arrangiert, textet, singt und spielt Gitarre.
Hans-Christian Stillmark ist einfach nur Dr. h. c., führt durchs Programm und ist von seinem Sprachgestus her manchmal nah bei Piet Klocke. Apropos: mit den Worten Schabernak, Ulk und ein bisschen Ernst, die einst
Potsdamer
telbar und die zu Unterhaltungskünstlern umge
schult wurden, seiner gesell
waren
schaftlich verantwortungsvollen Aufgabe gerecht”. So jedenfalls lautet die fiktive Entstehungsgeschichte des‘ Trios. In Wahrheit ist seine Existenz ein Zufallsprodukt.
Eigentlich wollte man einem langjährigen Freund zu dessen Geburtstag nur ein musikalisches Geschenk machen. Doch der und die anwesenden Gäste waren davon so begeistert und
Hans-Christian Stillmark, Christian Giesel, Hubert Woite, Sandra Rechlin(vl.n.r.) wollen ihrem Publikum Schabernak,
Ulk und ein bisschen Ernst präsentieren.
Selbstironie,. Parodie Kunstmitteln, vor allem‘ aber Spaß an und Experimente mit der Sprache sind Programm des seit gut einem Jahr existierenden und. in. Potsdam längst als Geheimtip geltenden Trio Ungefair. Und ungefair meint ungefähr, denn das Trio ist kein Trio mehr, sondern eher‘ und mittlerweile ein Quartett. Den ursprünglich drei in. Frack gekleideten fahrenden Sängermännern steht seit geraumer Zeit eine zusätzlich übers Cello streichende Frau zur Seite: Sandra Rechlin mit bürgerlichem Namen und Studentin der Verwaltungswissenschaften, heißt im Trio Fräulein Stechlin, was naheliegt. Christian Giesel (Violine, Gitarre, Banjo) ist die Trio-Figur William Westphal.
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von
zum Kürzel ‚Schabulke, führten, wäre künstlerische Anspruch ungefähr charakter
auch der
isiert.
Mit starkem regionalen Bezug will das Trio unterhalten, bekannte Dinge anders vorführen, nachdenkliche Kurzweil schaffen, Anspielungen liefern, Zitate plündern. Bekannte Melodien werden durch absonderlichste Texte verfremdet,‘ man singt Olympialieder, dichtet Heroisches über den Spinatauflauf, verballhornt das Hildebrandslied und hat einen skurrilen Faible für Feuerwehr- und Polizeieinsätze. Man kreuz- und paarreimt Widmungsgedichte und anlassgemäße Lieder. Gerade dadurch man“als ehemalige Arbeitslose, die schwer vermit
werde
Foto: zg.
drängten das Urtrio so lange, bis den ersten Liedern endlich weitere folgten.
Das Programm, das mittlerweile für eineinhalb Stunden bestellt werden kann, wendet sich direkt ans Publikum. Die MüusikerPoeten lieben den kleinen und intimen Rahmen, den Kontakt, der sich dadurch herstellen lässt. Folglich sind sie auf Geburtstags—- und Familienfeiern, Hoch
zeiten, Ausstellung-eröffnungen, Gartenfesten, Betriebsfeiern und diversen Parties,
open-air, in Kneipen, selbst aber bei größeren Veranstaltungen gern gesehen. Und. das in zunehmendem Maße und mit wachsendem Erfolg.
Die Wurzeln des Trios liegen in Potsdam-Babelsberg, genauer in
einer der dortigen bekannten Kiezkneipen, die früher “Weisenhaus” hieß und heut
etwas vornehmer als“Restauraı
am Park” ihre Gäste einlädt. Iı
Juli des Jahres ‚99 kam hier da erste Programm ZU Uraufführung.
Von dort aus trat das Trio m Unterstützung des gesamten Kneipenumfeldes seinen ung« durch di Locations an. B
fairen Siegeszug Potsdamer heute tritt es dort auf, gehört c quasi zum Hause. Das Trio sie] sich selbst in einer sozialen un identitätsstiftenden Funktioı Nicht zufällig. ist sein. Lie “Babelsberg”, das an die beste Songs von BAP erinnert, vie leicht sein persönlichstes übeı haupt‘ und zugleich‘ ein zärtlich-melancholische Hon mage an den alten Potsdamc Stadtteil. Es ist Lied, was je darüber geschriebe wurde; es könnte eine Hymn
Thomas Pös!
das schönst
werden.
Schwierige Vergangenheit
Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam(ZZF) uı das Filmmuseum Potsdam si die Veranstalter der Film- uı Vortragsreihe“Die schwierige Vergangenheit— Bilder v«
Verfolgung und Widerstand”. In dieser‘ Reihe bis zum März 2001 Mon
Spielfilme vierziger bis
werden
einmal im der sechziger Jahre aus verschied
nen osteuropäischen Lände:ı vorgestellt. Die nächsten Termine sind:
9. Januar 2001, 20.00 Uhr “Ein Menschenschicksal” (UdSSR 1958, Serge) Bondartschuk), Einführung: Dr. Günter Agde
6. Februar 2001, 20.00 Uhr “Das: höhere. Prinzip”.(CS} 1959, Jiri Krejcik), Einführung: Dr. Jürgen Danyel
15. März 2001, 20.00 Uhr “Kalte Tage”(Ungarn. 1966, Andräs Kovaczs), Einführung: Dr. Györgi Feheri
Die Veranstaltungen finden im Filmmuseum Potsdam, Marstall statt. Der Eintritt kostet 6,00 DM.
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