Heft 
(1.1.2019) 09
Einzelbild herunterladen

PUTZ 9/00

Kultu

Lust an Kunst

Heute vorgestellt: Trio ungefair

Hans-Christian Stillmark, Knittelverse dichtender Song­writer,. Cello: spielender Literaturwissenschaftler am Institut für Germanistik und MitbegründerdesTrio Ungefair zitiert gern, wenn er über sich und seine Kollegen redet, die großen Dinge, von denen es genügt, sie gewollt zu haben. Damit meint er durchaus Beschei­denes, nämlich handgemachte Musik, Lyrik und andere

Texte, witzig, Frack-würdig und immer unplugged.

Hubert

Urgestein

Woite, und DDR-Musik­Insidern bekannt als Schlag­zeuger. bei der Rockband Schabulke-Projekt, alias Kurt Kowalski, komponiert, arran­giert, textet, singt und spielt Gitarre.

Hans-Christian Stillmark ist ein­fach nur Dr. h. c., führt durchs Programm und ist von seinem Sprachgestus her manchmal nah bei Piet Klocke. Apropos: mit den Worten Schabernak, Ulk und ein bisschen Ernst, die einst

Potsdamer

telbar und die zu Unterhaltungskünstlern umge­

schult wurden, seiner gesell­

waren

schaftlich verantwortungsvollen Aufgabe gerecht. So jedenfalls lautet die fiktive Entstehungs­geschichte des Trios. In Wahrheit ist seine Existenz ein Zufallsprodukt.

Eigentlich wollte man einem langjährigen Freund zu dessen Geburtstag nur ein musikali­sches Geschenk machen. Doch der und die anwesenden Gäste waren davon so begeistert und

Hans-Christian Stillmark, Christian Giesel, Hubert Woite, Sandra Rechlin(vl.n.r.) wollen ihrem Publikum Schabernak,

Ulk und ein bisschen Ernst präsentieren.

Selbstironie,. Parodie Kunstmitteln, vor allem aber Spaß an und Experimente mit der Sprache sind Programm des seit gut einem Jahr existierenden und. in. Potsdam längst als Geheimtip geltenden Trio Ungefair. Und ungefair meint ungefähr, denn das Trio ist kein Trio mehr, sondern eher und mittlerweile ein Quartett. Den ursprünglich drei in. Frack ge­kleideten fahrenden Sängermän­nern steht seit geraumer Zeit eine zusätzlich übers Cello strei­chende Frau zur Seite: Sandra Rechlin mit bürgerlichem Namen und Studentin der Verwaltungswissenschaften, heißt im Trio Fräulein Stechlin, was naheliegt. Christian Giesel (Violine, Gitarre, Banjo) ist die Trio-Figur William Westphal.

30

von

zum Kürzel ‚Schabulke, führten, wäre künstlerische Anspruch ungefähr charakter­

auch der

isiert.

Mit starkem regionalen Bezug will das Trio unterhalten, bekannte Dinge anders vorführen, nach­denkliche Kurzweil schaffen, Anspielungen liefern, Zitate plündern. Bekannte Melodien werden durch absonderlichste Texte verfremdet, man singt Olympialieder, dichtet Hero­isches über den Spinatauflauf, verballhornt das Hildebrandslied und hat einen skurrilen Faible für Feuerwehr- und Polizeiein­sätze. Man kreuz- und paarreimt Widmungsgedichte und anlass­gemäße Lieder. Gerade dadurch manals ehemalige Arbeitslose, die schwer vermit­

werde

Foto: zg.

drängten das Urtrio so lange, bis den ersten Liedern endlich wei­tere folgten.

Das Programm, das mittlerweile für eineinhalb Stunden bestellt werden kann, wendet sich direkt ans Publikum. Die Müusiker­Poeten lieben den kleinen und intimen Rahmen, den Kontakt, der sich dadurch herstellen lässt. Folglich sind sie auf Geburts­tags- und Familienfeiern, Hoch­

zeiten, Ausstellung-eröffnun­gen, Gartenfesten, Betriebs­feiern und diversen Parties,

open-air, in Kneipen, selbst aber bei größeren Veranstaltungen gern gesehen. Und. das in zunehmendem Maße und mit wachsendem Erfolg.

Die Wurzeln des Trios liegen in Potsdam-Babelsberg, genauer in

einer der dortigen bekannten Kiezkneipen, die früher Weisenhaus hieß und heut

etwas vornehmer alsRestauraı

am Park ihre Gäste einlädt.

Juli des Jahres ‚99 kam hier da erste Programm ZU Uraufführung.

Von dort aus trat das Trio m Unterstützung des gesamten Kneipenumfeldes seinen ung« durch di Locations an. B

fairen Siegeszug Potsdamer heute tritt es dort auf, gehört c quasi zum Hause. Das Trio sie] sich selbst in einer sozialen un identitätsstiftenden Funktioı Nicht zufällig. ist sein. Lie Babelsberg, das an die beste Songs von BAP erinnert, vie leicht sein persönlichstes übeı haupt und zugleich ein zärtlich-melancholische Hon mage an den alten Potsdamc Stadtteil. Es ist Lied, was je darüber geschriebe wurde; es könnte eine Hymn

Thomas Pös!

das schönst

werden.

Schwierige Vergangenheit

Das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam(ZZF) das Filmmuseum Potsdam si die Veranstalter der Film- VortragsreiheDie schwierige Vergangenheit Bilder v«

Verfolgung und Widerstand. In dieser Reihe bis zum März 2001 Mon

Spielfilme vierziger bis

werden

einmal im der sechziger Jahre aus verschied

nen osteuropäischen Lände:ı vorgestellt. Die nächsten Termine sind:

9. Januar 2001, 20.00 Uhr Ein Menschenschicksal (UdSSR 1958, Serge) Bondartschuk), Einführung: Dr. Günter Agde

6. Februar 2001, 20.00 Uhr Das: höhere. Prinzip.(CS} 1959, Jiri Krejcik), Einführung: Dr. Jürgen Danyel

15. März 2001, 20.00 Uhr Kalte Tage(Ungarn. 1966, Andräs Kovaczs), Einführung: Dr. Györgi Feheri

Die Veranstaltungen finden im Filmmuseum Potsdam, Marstall statt. Der Eintritt kostet 6,00 DM.

PUTZ