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(1.1.2019) 10
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Mit TIGER auf den

Spuren einer fremden Sprache

em amerikanischen Germanisten Dr. [DS Smith sieht keiner an, dass er

Ausländer ist. Erst beim näheren Ken­nenlernen bleibt dem Gesprächspartner die ferne Heimat seines Gegenüber nicht verborgen, zumal der aus dem US-Bundesstaat Maryland stammende Wissenschaftler auch keinerlei Sprachprobleme verrät. Deutsch spricht er feh­lerlos und fast ohne Akzent. Durch sein ruhiges Auftreten gewinnt der Mittvierziger seine Stu­denten und Gesprächspartner auf Anhieb.

Im Augenblick hat George Smith die Lehre an den Nagel gehängt und widmet sich voll und ganz dem Projekt TIGER, das gemeinsam mit Partnern an den Universitäten und Stuttgart durchgeführt wird. Mit Hilfe von studentischen Hilfskräften erstellt Smith einen linguistisch interpretierten Textcorpus für das Deutsche, in dem syntaktische Strukturen als Baumstruktu­ren dargestellt werden. Daher der Name: TIGER steht fürTrees in German. Die resultierende Datenbank mit analysierten Zeitungstext im Umfang von circa einer Million Wörtern wird sprachwissenschaftlich Interessierten zur Verfü­gung gestellt. Vergleichende Datenbanken gibt es bisher nur für das Englische. Im Projekt wurde eine spezielle Anfragesprache extra für die Suche nach sprachlichen Strukturen entwickelt, die den Nutzern ermöglicht, gezielt nach sprach­lichen Strukturen zu suchen. Es entsteht also ein wichtiges Werkzeug für die germanistische Sprachwissenschaft. Bereits beim Aufbau der Datenbank wird vieles über die deutsche Gegen­wartssprache gelernt, da die Texte fortlaufend analysiert werden. Kein Satz wird ausgelassen, für alles muss eine Analyse gefunden werden.

George Smith kam 1986 nach Deutschland, lernte am Goethe Institut in Prien am Chiemsee Deutsch und studierte anschließend an der Freien Universität in Berlin Germanistik.Ich interessierte mich zunächst in erster Linie für die Kultur und die Geschichte der Bundesrepublik, jedoch während des Studiums rückte langsam die Sprache in den Mittelpunkt, meint der Wissen­schaftler. Daran war auch maßgeblich sein Dok­torvater, Prof. Dr. Eisenberg, schuld, dem er nach dem Abschluss des Studiums an die Universität

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Potsdam folgte. Seine DissertationPhonologi­sche Wörter und Derivation im Deutschen ver­teidigte Smith bereits an der Universität Potsdam im BereichDeutsche Sprache der Gegenwart.

Obwohl George Smith bei seiner wissen­schaftlichen Tätigkeit die Welt um sich oft ver­gisst, vertritt er den Standpunkt, dass es auch ein Leben neben der Grammatik gibt. Die Familie wird groß geschrieben. Die Heimat, wo seine Eltern noch leben, besucht George Smith jähr­lich, doch das Wort Heimweh ist ihm fremd geblieben. Nach eigener Einschätzung hat er gut Fuß gefasst und achtet bewusst auf die zweispra­chige Erziehung seiner beiden Söhne, die in Ber­lin geboren wurden. Er hat eine deutsche Frau, pflegt jedoch einen multikulturellen Freundes­kreis.Ich spüre zum Glück selber keine Aus­länderfeindlichkeit, sagt er. In der Bundesrepu­blik lebe er gerne, könnte sich jedoch genauso ein Leben in Amerika vorstellen.

Mit vielen seiner Mitarbeiter aus anderen Ländern weiß sich Smith einig in der Bedeutung des multinationalen Zusammentreffens an der Uni für den weiteren Weg Brandenburgs hin zu mehr Ausländerfreundlichkeit.Hier lernen die künftigen Bewohner des gemeinsamen Europas miteinander friedlich umzugehen, einander zu schätzen und zu unterstützen, urteilt Smith.

Maria Pichottka

Smith hat für die For­

schung die Lehre gegen­

wärtig aufgegeben. Im Projekt TIGER unter­

sucht er Sprachstruktu­

ren des Deutschen.

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Foto: Fritze