Forschung
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Quarz wird weich wie Kaugummi
Deutsche Mineralogische Gesellschaft tagte an Uni
erkehrsleitplakate in den Straßen der \/ City mit Richtungspfeilen und der Aufschrift DMG(Deutsche Mineralogische Gesellschaft) informierten die Potsdamer darüber, dass ihre Stadt erneut Zentrum wissenschaftlicher Auseinandersetzung ist. Das Geoforschungszentrum, das Alfred-Wegener-Institut und das Uni-Institut für Geowissenschaften hatten dies organisiert. Vom 10. bis 13. September kamen an der Universität Potsdam mehr als 400 Mineralogen, Geologen und andere Experten aus deutschen Geoforschungszentren wie Heidelberg, Mainz, Tübingen, Freiberg, Clausthal-Zellerfeld, aber auch aus Österreich, der Schweiz, Frankreich, Polen, Tschechien, Russland, Brasilien und China zusammen. Das wissenschaftliche Programm umfasste 21 Themenkreise und führte zu einem intensiven Erkenntnis- und Erfahrungsaustausch. International namhafte Mineralogen wie Michael A. Carpenter aus den USA oder Jan Kramers aus der Schweiz warteten mit neuen Forschungsergebnissen und perspektivischen Überlegungen zur Wissenschaftsentwicklung auf.
Die Tagung umfasste mehrere inhaltliche Schwerpunkte. So wurden Ergebnisse von Untersuchungen an Marsmeteoriten vorgestellt, die bisheriges Wissen über die Entwicklung des Sonnensystems oder die Existenz von Wasser auf unserem Nachbarplaneten vertiefen. Neue Erkenntnisse über das Klima der Vergangenheit, gewonnen aus dem„Klimaarchiv“ Sedimentgestein, brachten auch auf dieser DMG-Konferenz weitere Impulse für sicherere regionale und globale Klimaprognosen. Großes Interesse fanden Darlegungen zur Entschlüsselung spektakulärer Diamantenfunde im Erzgebirge und zu der Frage, warum der als sehr hart bekannte Quarz ab einer Tiefe von 12 Kilometern bereits bei 270 bis 300 Grad Celsius weich und plastisch verformbar wird. Ebenfalls interessiert verfolgten die Konferenzteilnehmer Ausführungen über neue Methoden der Geochronologie zur Bestimmung des Alters, der verschiedenen Entwicklungsstufen des Gesteins. Und natürlich galt die ungeteilte Aufmerksamkeit wieder den Industriemineralogen, die sich beispielsweise mit der Verwertung von Müllverbrennungsschlacken,
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Ein Bergkristall aus der Sammlung der Uni-Mineralogen. Er könnte in Tiefen von
etwa 12 Kilometern weich werden.
der Anwendung oxidischer Minerale als Elektroden in Brennstoffzellen befassten.
„Mich persönlich hat an dieser Jahrestagung besonders beeindruckt, wie es uns doch immer besser gelingt, die geologischen Erscheinungen und Prozesse in eigentlich unerreichbaren Tiefen der Erdkruste und die bedeutende Rolle von Wasser auf der Erde bis in Tiefen von mehr als 100 Kilometern zu erkennen. Das Wasser ist hier
in Mineralgitter eingebaut“, erklärt Dr. Uwe Altenberger vom Bereich Mineralogie des Instituts für Geowissenschaften, der gemeinsam mit Prof. Dr. Roland Oberhänsli und mit Prof. Dr. Peter Möller vom Geoforschungszentrum die Konferenz ausgerichtet hat.
Altenbergers„besondere Eindrücke“ kommen nicht von ungefähr, widerspiegeln sie doch Forschungsschwerpunkte der Potsdamer UniMineralogen. Diese befassen sich unter anderem mit Wassereinlagerungen in die Kristallgitter der Gesteine als Ursache für Gesteinsschmelzen und-erweichungen.
Ferner geht es um so genannte Hochdruckgesteine, in denen es beispielsweise auch zur Ausbildung von Diamanten kommen kann. Solche Gesteine sind in der Regel beim Unterschieben einer Erdplatte unter eine andere in bis zu 150 Kilometern Tiefe extremen Drücken ausgesetzt worden, gelangten dann aber zum Teil wieder nach oben an die Oberfläche. Den Hochdruckgesteinen galt eine Tagungsexkursion ins polnische Eulengebirge.„Wir haben auf der Konferenz über den„Leidensweg“ solcher Gesteine
berichtet, der mit komplexen Mineralreaktionen, Aufschmelzungen und Bewegungsvorgängen verbunden ist“, erläutert Uwe Altenberger. Der Potsdamer Geoforscher hat allerdings selbst über ein ganz anderes Uni-Projekt referiert, über Denkmalschutz als mineralogisches Anliegen. Sein Referat befasste sich mit unansehnlichen Verfärbungen in Sandsteinen des Brandenburger Tores in Berlin. Auch eine Exkursion in den Neuen Garten und auf den Pfingstberg war mineralischen Ursachen von Gebäudeschäden und Sanierungsmöglichkeiten gewidmet.
Armin Klein
Japan-Studien
Die Japan Foundation Tokyo hat ihre Wissenschaftsförderprogramme für das japanische Fiskaljahr von April 2002 bis März 2003 ausgeschrieben. Dabei handelt es sich nicht nur um die Förderung von Japanstudien und des japanischen Sprachunterrichts, sondern auch um die Gewährung von Forschungs- sowie Arbeitsaufenthalten. Die Programme sind für die Geistes- und Sozialwissenschaften, Jura und Wirtschaftswissenschaften sowie Kunst geeignet. Einen Überblick gibt eine eigens vom Japanischen Kulturinstitut in Köln herausgegebene Informationsschrift.
Tel.: 0221/9405580 Red.
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Foto: Klein