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(1.1.2019) 10
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Wenn derFilter fehlt

Psychologen widmen sich den neuen Medien

Sie sind nicht mehr wegzudenken in unserer Gesellschaft. Computer und neue Medien haben Einzug gehalten in die Kinderzimmer, Büros, Schulen und Dienstleistungsunternehmen. Doch welche Folgen wird ihre Nutzung für die Entwick­lung der Menschen über die Generationen hinweg haben?

Ob Arbeit oder Freizeit, ohne die neuen Medien geht nichts mehr.

ange hat die deutsche psychologische For­[sten das Thema nicht beachtet, ganz im

Gegensatz zu den Amerikanern. Jetzt soll sich das ändern. Viel Zeit verlieren will und kann man allerdings nicht mehr.Wir plädieren für ein Zusammenspiel von Grundlagen- und Anwen­dungsforschung, beschreibt Prof. Dr. Heinz Mandl aus der Uni München den künftigen Weg. Schließlich bestehe Handlungsbedarf, warte die Praxis auf Hilfestellung aus der Theorie.

Klar ist, die neuen Medien beeinflussen nicht nur die heranwachsenden Jugendlichen oder bestenfalls noch Erwachsene im arbeitsfähigen Alter, sondern zunehmend schon Kleinstkinder wie auf der anderen Seite auch verstärkt ältere Menschen. Auch über die Entwicklungsdimen­sionen, in denen sich voraussichtlich Verände­rungen beim Menschen einstellen, herrscht offensichtlich Einigkeit. Die Wissenschaftler gehen von Einwirkungen auf die kognitive, sprachliche, interessensbezogenen, emotionale, soziale und auch moralische Entwicklung aus. Und das sowohl in positiver wie in negativer Hinsicht. So beobachten sie sorgenvoll die ver­heerenden Auswirkungen von Sexismus oder Aggression im Internet, sie interessiert aber auch der mögliche Einfluss der digitalen Medien auf das Wissen, das rasche Erkennen von Struk­turen und Zusammenhängen bis hin auf die Identitätsfindung.

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Gerade im kognitiven Bereich gab es in jüngster Vergangenheit neue Befunde.Wir beobachten den Zuwachs nonverbaler Intelligenz durch die neuen virtuellen Welten, die schon Kinder nicht nur nutzen, sondern auch gestalten, unterstreicht etwa Prof. Patricia Greenfield aus Kalifornien.

Virtuelle Welten mit Folgen

Das nichtsprachliche, bildhaft-abstrakte Denken, das Denken in räumlichen Strukturen nehme in dieser und künftigen Generationen zu. Das bedeute jedoch aber nicht automatisch, dass sich sprachliches Können verschlechtere. Veränderungen allerdings im sprachlichen Handeln schließt auch Mandl nicht aus. Durch die SMS oder die E-Mail kommen neue Ausdrucksweisen zum Tragen, die nicht unbe­dingt den Merkmalen eines wohlgeformten Briefes entsprechen, aber auch nicht nur Anzei­chen einer rein technisierten Kommunikation zeigen, so Mandl dazu. Was hier genau pas­siert und warum, bleibe interessant.

So viele detaillierte Fragestellungen es für die Psychologen gegenwärtig gibt, so deutlich ist das Hauptproblem.Wir müssen dabei helfen, Medienkompetenz bei Jung und Alt zu errei­chen, erläutert der Münchner Wissenschaftler. Vor allem aus den Schulen kämen Hilferufe. Man brauche geeignete Lernumgebungen, Stra­

Forschung

www.uni-potsdam.de/portal /forschung

tegien im Umgang mit Medien.Für die Schü­ler gibt es heute durch das Internet einen nahe­

zu unbeschränkten Zugang zu Informationen, betont auch Prof. Dr. Hellgard Rauh von der Uni­versität Potsdam. Der früher so wirksame Filter Lehrer fehle. Die neue Aufgabe von Schulen und Eltern werde es deshalb sein, Wege durch diese Überfülle an Informationen zu weisen und die Fähigkeiten zu vermitteln, gezielt auszusuchen und zu bewerten. Denn keiner könne künftig vollständig kontrollieren, was die Kinder im hei­mischen Kinderzimmer über die Medien aufneh­men und wie sie dies verarbeiten.Dem müssen

wir uns stellen, betont Rauh. Pg

Die Bedeutung der neuen Medien und Infor­mationstechnologien für die Entwicklungspsy­chologie war einer der Problemschwerpunkte bei der 15. Tagung der Fachgruppe Entwick­lungspsychologie in der Deutschen Gesell­schaft für Psychologie, die im September die­ses Jahres an der Uni Potsdam stattfand. Mit diesem, aber auch anderen Themen befassten sich rund 450 Teilnehmer in Symposien, Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden. Informationen zur Veranstaltung finden Inter­essierte im Internet unter der Adresse http: //www.uni-potsdam.de/u /epsy2001/

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Foto: Fritze