Heft 
(1.1.2019) 11
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Uni Aktuell

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Ratlosigkeit anerkennen

Podiumsdiskussion zu den Folgen des 11. September

Die Hand reichen und den Dialog führen, um fremde Kulturen zu verstehen und die eigene zu überdenken.

Amerikanische Katastrophenfilme haben vieles von dem vorweggenommen, was sich am 11. September in den USA ereignete. Der Unterschied zur

Realität besteht allerdings darin, dass die Filme meist positiv enden.

ines scheint Konsens zu sein: Spätestens

seit den Terroranschlägen reichen die bis­

her benutzten Interpretationsschemata nicht mehr aus. Darin waren sich die Podium­steilnehmer der DiskussionsrundeDialog der Kulturen? Krieg der Kulturen?, zu der Wissen­schaftler der Uni Potsdam eingeladen hatten, einig. Heute sind die in der Welt bestehenden Konflikte nicht mehr nur Auseinandersetzungen zwischen den klassischen Nationalstaaten. Sie reichen vielmehr weit über deren Grenzen hin­aus und erfordern ein Umdenken bei der Gestal­tung der internationalen politischen Beziehun­gen, meinte der Anglist Prof. Dr. Rüdiger Kunow. Warner gab es allerdings schon vor Jah­ren. Bereits 1993 sprach der Politologe Samuel Huntington davon, dass zukünftig kriegerische Auseinandersetzungen nicht mehr zwischen Nationen ausgetragen werden, sondern ein

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Zusammenstoß der Kulturen bevorsteht. Vor kulturellem Hochmut warnte der Historiker Prof. Dr. Manfred Görtemaker.Wir tun gut dar­an, den Islam zu verstehen, bevor wir diese Kul­tur verurteilen. Rüdiger Kunow ist davon über­zeugt, dass es darum geht, Dissonanzen auszu­halten. Es gebe Differenzen, so zwischen west­licher Kultur und Islam, die nicht auszugleichen sind. Er plädierte angesichts der aktuellen Ereig­nisse dafür,eine gewisse Ratlosigkeit anzuer­kennen.

Die Amerikaner seien der Überzeugung, das Böse, also den Terror, nicht den Islam, besiegen zu können, schildert Manfred Görtemaker die Situation in Amerika. Man müsse in Deutsch­land lernen, bei Konflikten zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Er kritisierte, dass das Gewaltregime in Afghanistan in den vergan­

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genen Jahren von der Weltöffentlichkeit hinge­nommen worden sei.Wo waren denn bei uns die Demonstrationen gegen das Regime, fragte er. Man habe die Augen vor den Gefahren ver­schlossen und sich auf die Wohlstandsinsel zurückgezogen.

Nicht ohne Widerspruch blieb die Auffassung des Philosophen Prof. Dr. Christoph Menke, wonach die westliche liberale Kultur als politische Kultur den anderen überlegen sei. Er begründe­te es damit, dassMenschenrechte und Demo­kratie die besten Ideen sind, die wir haben, auch wenn die westliche Kultur nicht frei von Verwer­fungen und Unterdrückungsformen sei. Einig waren sich die Diskutanten darin, dass For­schung und Lehre viel stärker als bisher auf die Gebiete Internationale Beziehungen und Terro­rismus ausgerichtet werden müssen. be