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(1.1.2019) 11
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Personalia

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Hochkommen oder Umkommen

Zwei Bücher über den Maler und Zeichner Horst Janssen

In derfeinen Hamburger Gesellschaft war er lange das skandalöse, in Latzhosen und Gummi­stiefeln gekleidete Genie, dass auch schon mal mit Messern um sich stach. Krisen geschüttelt, waren fürchterliche Angstzustände, Depressio­nen und der Alkohol, den er haßliebte, seine ständigen Begleiter. Intensivstes Delirium jedoch war das Zeichnen. Er hatte eine Verabre­dung mit dem Tod im Jahre 2020, doch der, wortbrüchig geworden, holte ihn früher ab. Horst Janssen, 1995 in Hamburg verstorbener Zeichner und Graphiker, war einer der bedeu­tendsten deutschen Künstler nach 1945. Sein Euvre ist immens, in jeder Hinsicht. Hatte Goe­the seinen Eckermann, so verband Janssen jah­relang eine enge und sensible Freundschaft mit dem bekannten Publizisten, Historiker und Hit­ler-Biographen Joachim Fest. Fest nun spiegelt die exzentrische Lebensgeschichte Janssens anhand von Gesprächsnotizen, die er 1971 begann aufzuzeichnen und die erst mit dessen Tod endeten. Das mit Fotos, Skizzen und Zeich­nungen reich illustrierte Erinnerungsbuch vol­

Leserbrief:

ler Kommentare, Geschichten und Anekdoten ist auch ein tiefblickender Werkstattbericht; die erste hautnahe biographische Annäherung an einenveritablen deutschen Dämon, der sich bei guter Laune vor allem darum sorgte, hinter seinem Sarg könnten nicht genug Leute herlau­fen. Auf den Seiten finden sich urkomische und zugleich bedrückende Momentaufnahmen eines in jeder Phase extrem und am Abgrund geführ­ten Künstlerexistenz, ungeschönt und scho­nungslos gleichermaßen. Man kann dieses Buch der Unruhe als Komödie der Eitelkeiten oder als aufschlussreichen Kommentar zum ThemaSuff und Kreativität lesen, als Doku­ment einer Verfallsgeschichte, als Pamphlet gegen die künstlerische Moderne ebenso wie gegen alles, was die Kunst psychologisieren möchte, als Lob der Verführung oder als Porträt eines Egomanen. Man kann auch darin wandeln wie in einer Galerie für Frauenbildnisse. Sein eigentliches Zentrum und Ereignis aber ist das Vertrauen zweier Menschen, die sich so gar nicht ähneln wollen und die sich wahrschein­

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt...

Beim traditionellen Absolventeninterview der Unizeitung(PUTZ 6/o1) stand die neue Urania-Chefin Karin Flegel Rede und Antwort. Angeregt durch dieses Gespräch schrieb PD Dr. Burkhard Schulz vom Interdisziplinären For­schungszentrum Dünne Organische und Bio­chemische Schichten und zugleich Vorsitzender des URANIA-Landesverbandes Brandenburg einen Leserbrief an die Redaktion. Im Folgenden einige Auszüge aus seiner Zuschrift:

Das im Interview formulierte Vorhaben, mehr Wissenschaftler anzusprechen und anzuregen, ihre aktuellen Forschungsergeb­nisse auch populärwissenschaftlich einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, unterstütze ich sehr. Dies ist aus meiner Sicht im doppelten Sinne erforderlich: Zum einen

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ist die Akzeptanz vieler Wissenschaftsdiszipli­nen in der Bevölkerung immer noch gering(als Beispiele seien vor allem Chemie oder Moleku­larbiologie genannt), zum anderen spüre ich gerade auch als Potsdamer eine noch unzurei­chende Identifizierung der Bürger mit ihrer Universität. Man darf hier wohl zurecht das Bild vom Propheten und dem Berg benutzen und sinngemäß übertragen: Kommen die Pots­damer nicht zur Universität, kommen die Wis­senschaftler zu den Potsdamern. Mit dem URANIA-Verein Potsdam ist ein Partner gege­ben, der die Kompetenz zur Organisierung die­ser Aktivitäten hat.

Gestatten Sie mir aber bitte, noch einige Ergänzungen zu ihrem Artikel zu machen. Trotz des angesprochenen Zieles, noch mehr Wissen­schaftler für die Popularisierung ihrer Forschung zu gewinnen, ist festzustellen, dass bereits seit

lich nicht unbedingt suchten, aber trotzdem fin­den mussten.

Apropos: Selbst im Hohen Norden suchte Janssen die Nähe des Freundes, um von seiner im Jahre 1971 unternommenenSkandinavi­schen Reise zu berichten. Nachzulesen ist das in den Briefen des gleichnamigen Reiseskizzen­tagebuch, das wegen seiner sehr schöner Aufma­chung eine kleine bibliophile Kostbarkeit dar­stellt und ebenfalls beim Alexander Fest Verlag erschienen ist. tp

Joachim Fest: Horst Janssen. Selbstbildnis von fremder Hand Alexander Fest Verlag, 2001 ISBN 3-8286-0185-8

Preis: 44,79 DM

Horst Janssen: Skandinavische Reise Alexander Fest Verlag, 2001

ISBN 3-8286-0157-X

Preis: 38,00 DM

der Gründung des Potsdamer URANIA-Ver­eins Wissenschaftler der Universität Potsdam aktiv an seiner Entwicklung mitwirken. So waren ausnahmslos alle bisherigen Vereinsvor­sitzenden mit der Universität verbunden. Auch ich hatte diese Funktion als Gründungsmit­glied des Vereins einige Jahre inne.

Es sei auch erwähnt, dass Frau Flegel zu einem Teil ihrer hauptamtlichen Tätigkeit Geschäftsführerin des URANIA-Landesver­bandes Brandenburg ist, dessen Vorsitzen­der ich seit mehr als acht Jahren bin. In die­sen Funktionen bemühen wir uns intensiv, die Wissenschaftspropagierung in die Weiterbildungsaktivitäten des Landes Bran­denburg einzubringen.

Ich möchte mich abschließend nochmals bei der Redaktion der Unizeitung für das Auf­greifen der Thematik bedanken.

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