Demokratische Universität Potsdam
Studierendenvertretung der Uni plädiert für„New Deal“
Die Studierenden beteiligten sich an einer europa
weiten Protestwoche vom 10. bis 14. Dezember 2001 gegen den Bildungsabbau. Dies ist auf einer Voll
versammlung beschlossen worden.
„Sparen, Sparen, Sparen“ heißt es seit langem in der Wissenschaftspolitik des Landes Brandenburg. Mit einer harschen Kritik an der Haushaltspolitik des Landes und der durch sie entstandenen gegenwärtigen Situation an der Uni Potsdam traten kürzlich der Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni(AStA), Till Meyer, und sein Geschäftsführer, Frank Richarz, an die Öffentlichkeit. Die Universität Potsdam brauche einen Neuanfang, lautete die klare Message. Die Gremienvertreter hielten dabei mit Analysen und Vorschlägen einer Neuorientierung nicht hinter den Berg. Das Wort von der„Demokratischen Universität Potsdam“ machte die Runde.
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Foto: Fritze
eil die Lage der Hochschule nach An\ X} sicht des AStA„katastrophal“ ist, fordert er nun den Schulterschluss des Rektorats mit allen Gruppen der Uni. Dazu gäbe es hoffnungsvolle Gespräche mit Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder.„Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten“, so das Statement von Frank Richarz. Entweder besinne man sich auf ein stärkeres Miteinander oder es breche ein messerscharfer Krieg untereinander über die letzten Mittel aus. Das könne nicht im Sinne der Betroffenen sein. Richarz forderte mehr Mitspracherecht für die Studierenden ein, auch ihre konkrete Beteiligung an Finanzverhandlungen mit dem Ministerium.„Es muss etwas passieren“, betonte er. Deshalb wolle man noch vor Weihnachten die gesamte Studierendenschaft mobilisieren.
Die brenzlige Situation zeige demnach deutlicher denn je, was sich in den letzten Jahren an der Uni geändert habe. Durch die Neugestaltung des Landeshochschulgesetzes seien die universitären Gremien defacto entmachtet. Der AStA plädiert deshalb für eine breitere Koalition aller Hochschulschichten. Damit dies auch funktioniere, sei man für eine Aussprache über Vorstellungen, Visionen und Ziele für die Zukunft. Die Koalition habe jedoch eine Grundbedingung: die der Änderung universitärer Politik. Die Studierendenvertreter haben sogar konkrete Ideen dafür. Ein Reformrat müsse nach ihrer Meinung her, der die Beschlüsse des Rektorats und des Senates vorbereite. Demokratisch gewählt und zusammengesetzt. Und sie setzen noch eines drauf. Denn die Zerschlagung der präsidialen Hochschulstrukturen gehört ebenfalls zu ihrer Vision.„Darum kommen wir nicht herum“, so Richarz. Damit jedoch, das wissen die Studis, stünde man weit neben dem derzeit geltenden brandenburgischen Hochschulgesetz, dessen Novellierung sie deshalb fordern.
Potenziale ausschöpfen
Neben der Forderung nach einer verlässlichen Zielvereinbarung zumindest für die nächsten fünf Jahre drängen die Studierendenvertreter auf die Ausschöpfung der vorhandenen Potenziale der Uni.„Unsere Universität vereint mehr hochgebildete, vielseitig begabte und motivierte Menschen als jedes Unternehmen oder jede Institu
Studiosi
www.uni-potsdam.de/portal /dezo1/studiosi
tion“, so ihre Überzeugung. Dies sei zu nutzen. Studierende könnten in allen Bereichen des universitären Alltags verstärkt eingesetzt werden, in Service, Lehre und Forschung. Aber auch die Sache hat einen Haken. Dafür müssten ein neuer studentischer Tarifvertrag und Änderungen in den Studien- und Prüfungsordnungen auf den Tisch. Die AStA-Leute versprechen sich von dem Vorschlag gleich drei Vorteile: ein deutlicher Spareffekt, Qualifikationsmöglichkeiten für die Kommilitonen und deren höhere Identifikation mit der eigenen Ausbildungsstätte. Wie eine effizientere Lehre angesichts des finanziellen Engpasses erfolgen könnte, verrieten sie den Pressevertretern auch. An die Stelle von Vorlesungen könnte demnach ein Paket von Online-Skripten und —kursen sowie eine verstärkte Einzelbetreuung
treten. Pg
Wer mehr über die AStA-Vorstellungen zur „Demokratischen Universität Potsdam“ nachlesen möchte, findet sie im Internet unter der Adresse www.asta.uni-potsdam.de.
Gegen Bildungsabbau
„Immatrikulieren Sie sich an der Uni Potsdam, Frau Wanka!" Diese nicht ganz ernst gemeinte Forderung richteten die Teilnehmer der am 4. Dezember im Auditorium maximum durchgeführten Studierendenvollversammlung an die Adresse der brandenburgischen Wissenschaftsministerin. Sie empfahlen dabei einen der Studiengänge am Uni-Standort Golm. Die Germanistik etwa sei so ein Fach, das mit bis zu 200 Studis im Seminar offensichtliche Fehlentwicklungen an der Hochschule verdeutliche. Kritisiert wurde erneut die Haushaltspolitik des Landes Brandenburg und eine fehlende Lobby für die Wissenschaft. Zugleich aber appellierten die Redner am Pult an jeden einzelnen, mehr Verantwortung für die Uni zu übernehmen und mit Eigeninitiative zu helfen, so manches Problem zu lösen. Beschlossen wurde eine Protestresolution, die sich an Uni-Rektorat und Landesregierung wendet. Darin enthalten ist auch die Zustimmung zur Beteiligung an einer von Studierenden und Schülern durchgeführten europaweiten Protestwoche gegen Bildungsabbau, die vom 10. bis 15. Dezember andauerte. Potsdamer Uni-Studenten haben in dieser Woche mit eigenen Aktionen aufgewartet. So gab es öffentliche Vorlesungen an zentralen Plätzen der Stadt, zog man am ı2. Dezember in einem Demonstrationszug vor den Landtag, um sich
Gehör zu verschaffen. pg
Portal 12/01