Heft 
(1.1.2019) 05
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Vermischtes

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Lust an Kunst

Heute vorgestellt: Manuela Sorge

Als sie im Dezember 2000 auf dem Universitäts­gelände steckbriefartig Plakate klebte und Zettel auslegte, mit denen sie nach jenen Leuten suchte, die schreibend sich die Welt erfinden, trieb sie die Idee eines kleinen literarischen Journals umher. Ihre eigenen Texte und die anderer studentischer Autoren und Autorinnen sollten darin publiziert werden. Kommunizieren wollte sie, wider die Anonymität ermutigen, entdecken, sammeln, fremde Handschriften lesen, Zwischentöne hören, partizipieren, diskutieren, einfach lernen. Inzwi­schen ist das schlichte Heftchen mit dem animie­renden Titelschreib zum zweiten Mal erschie­nen. Ein Novum, denn zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Universität ein literarisches Journal, das einmal pro Semester erscheint.

anuela Sorge, die als Herausgeberin

fungiert, die dieschreib-Texte mit

auswählt und zu Hause am Computer den Großteil der redaktionellen Arbeit erledigt, hat sich damit einen Traum erfüllt.Das Heft mit Lyrik und Prosa ist ein erster Schritt, von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, wenn auch in einem klar abgesteck­ten und überschaubaren Rahmen.

Schon als Kind habe sie kleine Erzählungen verfasst und eigenhändig illustriert. Genauso gern aber habe sie Fußball mit den Jungs gespielt. Sie war ein sportliches Kind mit Durch­setzungsvermögen. Als Neunjährige hielt sie für einige Zeit den Weitsprungrekord des Bezirks Potsdam, Leistungssportlerin sollte die im Jahre 1978 in Potsdam geborene werden. Weil sie in schulischen Dingen keine Abstriche machen wollte, wurde sie es nicht. Aber bis heute spielt der Sport für Manuela Sorge, deren Interessen breit gefächert und vielseitig angelegt sind, eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur Wasserball-Tor­frau beim OSC Potsdam, sondern auch Schwimmtrainerin und Rettungsschwimmerin, Im Sternzeichen bin ich Jungfrau, aber das Wasser ist mein Element. Sie war Schülerin des Kleinmachnower Weinberg-Gymnasiums, der ehemaligen Spezialschule für Mathematik und Physik, aus der internationale Preisträger her­vorgingen. Sie zeichnet gern, liebt Sprachen und studiert im achten Semester Russische Litera­turwissenschaft sowie Philosophie im Neben­und Literaturwissenschaft im Hauptfach an der Universität Potsdam. Sie arbeitete als Dolmet­scherin für Russisch und war beim Deutschen Kulturforum Potsdam tätig. Als sie dann vor

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Herausgeberin und Autorin: Manuela Sorge

anderthalb Jahren vier lange dunkle Wintermo­nate in St. Petersburg studierte, empfand sie das als eine Art Kulturschock. Oder richtiger: als Erfahrungsschock.Die Studienorganisation war einfach ein schier unlösbares Problem. Irgend­wie nahm man mich gar nicht wahr. Ich habe eher wenig Probleme, auf Menschen zuzugehen, aber dort empfand ich mich zum ersten Mal als überflüssig, als Außenseiter und Fremdkörper. Fernweh habe sie aber immer noch. Reisen in Länder mit einem extrem anderen kulturellen Hintergrund sei, zumal für jemanden, der lite­rarisch arbeite, äußerst wichtig. Deshalb habe sie Afrika als nächstes Ziel schon fest ins Auge gefasst.

Ehrgeizig und unruhig sei sie, fast zwanghaft müsse sie aktiv sein. Schreiben sei so ein Zwang. Jeden Morgen zwei Stunden Arbeit sei das Mini­mum. Sie las bei der 2. Potsdamer Literaturnacht im vergangenen Jahr ihre Texte und ist Mitglied des Brandenburgischen Literaturkollegiums. Zur Zeit schreibt sie vor allem Kurzprosa. Sie, die sich den Surrealisten und Expressionisten verbunden und dem CamusschenMenschen in der Revolte nahe fühlt und die Zettelkästen anlegt wie einst Arno Schmidt, weiß durchaus, dass ihr noch Handwerk fehlt. Ein Studium der schriftstellerischen Basisarbeit am Literaturinsti­tut in Leipzig sei deshalb eine Option. Und

Foto: Fritze

obwohl von ihr starke integrative Impulse aus­gehen, heißt Schreiben für sieniemanden Rechenschaft ablegen zu müssen außer mir selbst, ohne jegliche Kompromisse. Ich liebe beim Schreiben das Alleinsein mit mir. Schrei­ben ist aber auch subjektive Ursachenforschung für die Einsamkeit des Menschen. Sie, die gerne zuhört und beobachtet, bewundert die Einfach­heit und Sanftheit Bölls Nachkriegsliteratur, das Groteske bei Kafka, das psychologische Spiel bei E.T.A. Hoffmann, Lessings tiefe Moralität und Michael Endes verschlungene Spiegelwelten ebenso wie Wilde, Dostojewski und Tschechovs Stücke. Schreiben könne durchaus zum Beruf werden, aber sie kann sich auch andere Alterna­tiven vorstellen, die vor allem im pädagogischen Bereich liegen.Ich bringe gerne anderen Men­schen etwas bei, vor allem Kindern.Wandel­bar und stetig hieß es bei Becher, und Biermann sang:Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Manuela Sorges bisheriges Leben lässt überra­schende Wendungen und Wandlungen erwar­ten. tp

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