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Nicht nur in Kosmetika zu Hause
In Golm werden Nanokapseln hergestellt
Eigentlich war es Zufall. Helmuth Möhwald und seine Mitarbeiter wollten dünnste polymere Filme untersuchen. Aber ihre Methode war eigentlich zur Erforschung von Volumenmaterial entwickelt worden und deshalb für die geringen Materialmengen dünner Filme einfach nicht empfindlich genug. So gingen die Wissenschaftler dazu über, anstelle von ebenen Flächen winzig kleine Teilchen mit Polymeren zu beschichten. Das liefert viel Oberfläche und damit ausreichend Material, die Volumenmethode doch noch nutzen zu können. Das Messpro
blem war gelöst, ein neues Forschungsgebiet entdeckt.
eute ist die Herstellung so genannter FF Nanokapseln ein Schwerpunkt am
Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung. Das Prinzip ist ebenso einfach wie technisch anspruchsvoll. Man nehme ein Nano- bis Mikrometer kleines Teilchen, — zum Beispiel ein Polymerpartikel, einen Virus, eine Zelle oder einen Farbstoff— und bringe es in eine Lösung, die geladene Polymere enthält. Diese lagern sich an die Teilchen an und bilden eine erste, nur wenige Nanometer dicke Verpackung. Anschließend gelangen die Teilchen in eine zweite Lösung, die entgegengesetzt geladene Polymere enthält. Diese werden von denen der ersten Schicht angezogen, eine zweite Schicht entsteht. So können viele unterschiedliche Verpackungslagen, ähnlich wie Zwiebelschalen, übereinander angebracht werden. Zu guter letzt löst man den Inhalt der Kapsel in kleine Moleküle auf, die in der Lage sind, die Wände zu durchdringen. Übrig bleibt eine hohle Nanokapsel, die vielfältig genutzt werden kann: zum Transport einer Ladung, als Nanoreaktor, in dem chemische Prozesse ablaufen, oder als Modellsystem, um Vorgänge in der biologischen Zellmembran zu erforschen.
‚Die einzelnen Wände beschränken sich nicht darauf, einen Inhalt zu verpacken. Je nach Aufbau und chemischer Zusammensetzung haben sie unterschiedliche Eigenschaften, was ihre Haftung, ihre Festigkeit und ihre Durchlässigkeit für andere Moleküle betrifft. Diese Eigenschaften können auch durch Veränderungen in der Umgebung variieren. So können die Kapseln beispielsweise bei einer Variation des Drucks, der Temperatur, oder des pH-Wertes durchlässig werden und ihren Inhalt freisetzen.
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Gerade dieses Verhalten macht die Nanokapseln für vielerlei Anwendungen interessant. Man kann Duftstoffe in
Waschmitteln verpacken, die
beim Bügeln freigesetzt werden, oder ultrafeine Tinte herstellen, die, fixiert in Nanokapseln, gut haftet und nicht verläuft. Von besonderem Interesse dürfte jedoch die Verwendung in Kosmetika und Pharmaka sein.„Drug delivery“ heißt der Begriff der Zukunft, der Hoffnung macht auf eine effektive Nutzung von Medikamenten und Schonung des Patienten. Nanokapseln sollen die Medikamente aufnehmen, sicher zu einem gewünschten Ort bringen und sie erst dort, aufgrund der veränderten Umgebungsbedingungen, freisetzen.
„Die Möglichkeiten sind unglaublich vielseitig, reichhaltig und interessant“, fasst Möhwald zusammen, den vor allem die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Disziplinen reizt.
Obwohl selbst Grundlagenforscher, braucht er sich über mögliche Anwendungen der Arbeiten keine Sorgen zu machen. Dies beweisen
nicht zuletzt fünf Spin Offs, die in den vergan
genen Jahren gegründet wurden. Darunter die— mittlerweile in Adlershof ansässige— Capsulution Nanoscience GmbH. Sie will die Nanokapseln vor allem auf dem Gebiet der Drug Delivery Systeme einsetzen. urs
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Nur unter dem Mikroskop zu erkennen: Hohlkapseln, in deren Wand durch Licht Silberpartikel hergestellt wurden. Wird der Lichtstrahl im Mikroskop geführt, können die Kapseln markiert werden.