Heft 
(1.1.2019) 06
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Die Neue Jüdische Schule in der Musik

Religionswissenschaft mit neuem Forschungsprojekt

1909 erschienen die Volkslied­bearbeitungen von Joel Engel.

Mit einem Forschungsprojekt zur Neuen Jüdischen Schule in der Musik erweitert die Professur für Religionswissenschaft an der Universität Potsdam ihren Beitrag zur Erforschung jüdischer Musik im Kontext der Jüdischen Kulturgeschichte.

as neue Forschungsprojekt, widmet sich D der wissenschaftlichen Bearbeitung von

Werken eines neuen national geprägten jüdischen Musikstils aus dem Osteuropa des 20. Jahrhunderts. Dieser wurde von jüdischen Kom­ponisten in St. Petersburg in enger Zusammen­arbeit der dortigen jüdisch ethnographischen Gesellschaft entwickelt.

Die zum Teil schon gesammelten und noch zu sichtenden Archivmaterialien zu diesem von der Robert-Bosch-Stiftung mit 400.000 finan­zierten Forschungsprojekt enthalten persönliche Unterlagen von Komponisten und Interpreten, Dokumente zur Jüdischen Schule selbst, vor allem aber Liedtexte und Noten, von denen eini­

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ge Beispiele durch die Projektbeteiligten bereits als CD produziert wurden. Die bislang schon ausgewerteten Quellen zeigen, dass die Bemü­hungen um eine jüdische Kunstmusik auf Texte und Melodien zurückgriffen, wie sie in den Archivbeständen der beiden schon laufenden Forschungsprojekte an der Professur-Jiddische Lieder und Purimspiele aus der St. Petersburger Sammlung von Moishe Beregowski und Sofia Magid(Volkswagen-Stiftung),Jiddische Lieder und Klezmermusik aus dem Tonarchiv von David Kohan(Fritz-Thyssen-Stiftung) belegt sind.

Die Geschichte der Neuen Jüdischen Schule begann Ende des 19. Jahrhunderts in der Kom­ponistenklasse von Rimski-Korsakow in St. Petersburg und führt zu Beginn des 20. Jahr­hunderts nach Moskau und Wien. Am St. Peters­burger Konservatorium regte er seine jüdischen Meisterschüler, darunter Joseph Achron, Lazare Saminsky, Michail Gnesin dazu an, Elemente jüdischer sakraler Musik und Folklore in ihre

Forschung www.uni-potsdam.de/portal /juno2/forschung

Neue Altersbestimmung

Dr. Samuel Niedermann vom GeoForschungs­Zentrums Potsdam(GFZ), Prof. Dr. Manfred R. Strecker und Dr. Ralf Hetzel von der Universität Potsdam sowie Wissenschaftler der chinesischen Akademie der Wissenschaften und der ETH Zürich haben erstmals Flussterrassen am Rand von Tibet datiert und dort ein Alter dieser Teras­sen bis zu 170.000 Jahre nachgewiesen. Diese neue Altersdatierung geht deutlich weiter in die Vergangenheit zurück als bisherige Untersu­chungen ergaben. Das Alter der Flussterrassen wurde von dem internationalen Wissenschaftler­team mit Hilfe so genannter kosmogener Nukli­de bestimmt, das sind Teilchen, die durch Ein­wirkung der kosmischen Strahlung auf die Erd­oberfläche entstehen. Red.

neuen Werke aufzunehmen. Das Wirken eige­ner jüdischer Musikgesellschaften reichte in den 20-er und 30-er Jahren bis nach Warschau, Kra­kau, Budapest, Libau und Zagreb. Bei den ent­standenen Werken handelte es sich um Hunder­te Kompositionen aller Gattungen, von der Volksliedbearbeitung bis zu Sinfonien und Opern.

Bisherige Recherchen an den Quellen liefern neue Beweise für die Bedeutung der Neuen Jüdi­schen Schule nicht nur im Kontext der jüdischen Kultur, sondern für die Bereicherung des Kultur­lebens allgemein. So erweist sich das Thema für die musikwissenschaftliche Forschung als zukunftsträchtig und für die Musikpraxis frucht­bar. Aus der Arbeit am Projekt soll eine Ge­schichte der Neuen Jüdischen Schule entstehen sowie eine Darstellung und Analyse ausgewähl­ter Werke. Außerdem soll die Musik der Neuen Jüdischen Schule auch der Öffentlichkeit in Kon­zerten und Kolloquien präsentiert werden. Ziel ist es längerfristig, die Erforschung der Jüdi­schen Musik im Rahmen der jüdischen Kultur­geschichte in Potsdam zu etablieren und dieses Thema als grundlegendes Element einer spezifi­schen Geschichte der jüdischen Musik im Kon­text der allgemeinen Musikgeschichte anzusie­deln. Da im Fach Musikgeschichte an deutschen Unis und Musikhochschulen bisher weder Vor­lesungen noch Kurse speziell zur jüdischen Musik angeboten werden, sei es nach Ansicht des Inhabers der Professur, Karl E. Grözinger, längst überfällig, die Grundlagen einer Lehrver­anstaltungsreihe über die Geschichte der jüdi­schen Musik zu erarbeiten.

Dr. Sigrid Senkbeil Professur für Religionswissenschaft

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