Die Neue Jüdische Schule in der Musik
Religionswissenschaft mit neuem Forschungsprojekt
1909 erschienen die Volksliedbearbeitungen von Joel Engel.
Mit einem Forschungsprojekt zur Neuen Jüdischen Schule in der Musik erweitert die Professur für Religionswissenschaft an der Universität Potsdam ihren Beitrag zur Erforschung jüdischer Musik im Kontext der Jüdischen Kulturgeschichte.
as neue Forschungsprojekt, widmet sich D der wissenschaftlichen Bearbeitung von
Werken eines neuen national geprägten jüdischen Musikstils aus dem Osteuropa des 20. Jahrhunderts. Dieser wurde von jüdischen Komponisten in St. Petersburg in enger Zusammenarbeit der dortigen jüdisch ethnographischen Gesellschaft entwickelt.
Die zum Teil schon gesammelten und noch zu sichtenden Archivmaterialien zu diesem von der Robert-Bosch-Stiftung mit 400.000€ finanzierten Forschungsprojekt enthalten persönliche Unterlagen von Komponisten und Interpreten, Dokumente zur Jüdischen Schule selbst, vor allem aber Liedtexte und Noten, von denen eini
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ge Beispiele durch die Projektbeteiligten bereits als CD produziert wurden. Die bislang schon ausgewerteten Quellen zeigen, dass die Bemühungen um eine jüdische Kunstmusik auf Texte und Melodien zurückgriffen, wie sie in den Archivbeständen der beiden schon laufenden Forschungsprojekte an der Professur-„Jiddische Lieder und Purimspiele aus der St. Petersburger Sammlung von Moishe Beregowski und Sofia Magid“(Volkswagen-Stiftung),„Jiddische Lieder und Klezmermusik“ aus dem Tonarchiv von David Kohan(Fritz-Thyssen-Stiftung)— belegt sind.
Die Geschichte der Neuen Jüdischen Schule begann Ende des 19. Jahrhunderts in der Komponistenklasse von Rimski-Korsakow in St. Petersburg und führt zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Moskau und Wien. Am St. Petersburger Konservatorium regte er seine jüdischen Meisterschüler, darunter Joseph Achron, Lazare Saminsky, Michail Gnesin dazu an, Elemente jüdischer sakraler Musik und Folklore in ihre
Forschung www.uni-potsdam.de/portal /juno2/forschung
Neue Altersbestimmung
Dr. Samuel Niedermann vom GeoForschungsZentrums Potsdam(GFZ), Prof. Dr. Manfred R. Strecker und Dr. Ralf Hetzel von der Universität Potsdam sowie Wissenschaftler der chinesischen Akademie der Wissenschaften und der ETH Zürich haben erstmals Flussterrassen am Rand von Tibet datiert und dort ein Alter dieser Terassen bis zu 170.000 Jahre nachgewiesen. Diese neue Altersdatierung geht deutlich weiter in die Vergangenheit zurück als bisherige Untersuchungen ergaben. Das Alter der Flussterrassen wurde von dem internationalen Wissenschaftlerteam mit Hilfe so genannter kosmogener Nuklide bestimmt, das sind Teilchen, die durch Einwirkung der kosmischen Strahlung auf die Erdoberfläche entstehen. Red.
neuen Werke aufzunehmen. Das Wirken eigener jüdischer Musikgesellschaften reichte in den 20-er und 30-er Jahren bis nach Warschau, Krakau, Budapest, Libau und Zagreb. Bei den entstandenen Werken handelte es sich um Hunderte Kompositionen aller Gattungen, von der Volksliedbearbeitung bis zu Sinfonien und Opern.
Bisherige Recherchen an den Quellen liefern neue Beweise für die Bedeutung der Neuen Jüdischen Schule nicht nur im Kontext der jüdischen Kultur, sondern für die Bereicherung des Kulturlebens allgemein. So erweist sich das Thema für die musikwissenschaftliche Forschung als zukunftsträchtig und für die Musikpraxis fruchtbar. Aus der Arbeit am Projekt soll eine Geschichte der Neuen Jüdischen Schule entstehen sowie eine Darstellung und Analyse ausgewählter Werke. Außerdem soll die Musik der Neuen Jüdischen Schule auch der Öffentlichkeit in Konzerten und Kolloquien präsentiert werden. Ziel ist es längerfristig, die Erforschung der Jüdischen Musik im Rahmen der jüdischen Kulturgeschichte in Potsdam zu etablieren und dieses Thema als grundlegendes Element einer spezifischen Geschichte der jüdischen Musik im Kontext der allgemeinen Musikgeschichte anzusiedeln. Da im Fach Musikgeschichte an deutschen Unis und Musikhochschulen bisher weder Vorlesungen noch Kurse speziell zur jüdischen Musik angeboten werden, sei es nach Ansicht des Inhabers der Professur, Karl E. Grözinger, längst überfällig, die Grundlagen einer Lehrveranstaltungsreihe über die Geschichte der jüdischen Musik zu erarbeiten.
Dr. Sigrid Senkbeil Professur für Religionswissenschaft
Portal 6/02