Heft 
(1.1.2019) 06
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Störungen der Regulation des Körpergewichts

Hans-Georg Joost hielt seine Antrittsvorlesung

Deutsches Institut für Ernährungsforschung

Fettleibigkeit und Diabetes sowie deren Ursachen und Zusammenhänge standen im Mittelpunkt der Antrittsvorlesung von Hans-Georg Joost.

Seit Beginn dieses Jahres leitet Prof. Dr. Dr. habil. Hans-Georg Joost als wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIFE) in Bergholz-Rehbrücke die anspruchsvolle Grundlagenforschung über Zusammenhänge zwi­schen Ernährung und Gesundheit. Der 54-jährige DIfE-Direktor, der in Göttingen Chemie und Medizin studiert hat und auch in beiden Wissen­schaften promovierte, folgte nach seiner Habilita­tion 1981 und einem zweijährigen Forschungsauf­enthalt in den USA 1991 dem Ruf auf eine C4­Professur an die Medizinische Fakultät der Tech­nischen Hochschule Aachen. Von dorther kam er nach Potsdam und dankte gleich zu Beginn seiner Antrittsvorlesung dafür, dass erin Potsdam so herzlich und konstruktiv von Institut und Fakul­tät aufgenommen wurde.

ass man ihm und seinen Forschungs­schwerpunkten hier sehr gewogen ist, wurde schon dadurch deutlich, dass etwa 150 Ernährungswissenschaftler der beiden einschlägigen Institute, Studierende der Ernäh­rungswissenschaft und Angehörige verschiede­ner Fachbereiche der Mathematisch-Naturwis­

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senschaftlichen Fakultät den Hörsaal im neuen Gebäude in Golm füllten. Joosts Vortrag über Adipositas(Fettleibigkeit) und. Diabetes sowie deren Ursachen strahlte dann auch Kompetenz und Spannung aus.

Zunächst befasste sich der Referent mit der Fettleibigkeit, deren Ausprägungsgrad bekannt­lich über den Body-Mass-Index(BMI) Quotient aus Körpergewicht und Quadrat der Körpergrö­ße- definiert wird. Die Ausführungen bewegten sich zwischen den BMI- Extremen Prinzessin Diana und Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Da die Fettleibigkeit in den hochentwickelten Indus­trieländern stark zunimmt(Joost sprach von einer Verdoppelung in den USA in zehn Jahren; in Deutschland gilt bereits jeder Fünfte als adi­pös- ak), suchen die Ernährungswissenschaft­ler fieberhaft nach Vermeidungsstrategien und setzen natürlich bei den Ursachen an.

Überernährung und Bewegungsmangel sind hier sicher in erster Linie ins Feld zu führen. Doch wies Joost auch auferhebliche genetische Ursachen der Adipositas hin, zu erkennen unter anderem an ähnlichen Veranlagungen eineliger Zwillinge in mehr als 80 Prozent der Fälle.

Foto: Fritze

Interessant waren Joosts Ausführungen über Versuche mit Mäusen, die zum Ziel hatten, Kandidatengene für eine Fettleibigkeitsveran­lagung zu isolieren. Der Referent sprach von 200 bis 500 Genen, die beispielsweise Einfluss auf die Rezeption des hungergefühlregulierenden Eiweißstoffes Leptin im Gehirn haben können und damit natürlich auf die Entwicklung der Adi­positaskrankheit beim einzelnen Individuum. Aufregend findet der DIfE-Direktor selbst die experimentell zu Tage getretenen Zusammen­hänge zwischen Adipositas und Diabetes. Wenn Versuchsmäuse innerhalb von zwölf Wochen (das entspricht beim Menschen fünf bis sechs Jahre) von 45 auf 55 Gramm zunahmen, dann war das stets mit einer erheblichen Steigerung der Rate an Diabeteserkrankungen verbunden. Die Adipositaszunahme in den USA hat bei­spielsweise bisher eine 50-prozentige Erhöhung der Diabetesprävalenz zur Folge.

29 Prozent des Umsatzes der Apotheken beruhen heute auf Diabeteserkrankungen. Eine Reduktion ist momentan vor allem durch Ände­rung des Lebensstils möglich, aber der sei auf­fallendinterventionsresistent. Und rigide Maß­nahmen zur Gewichtsabnahme helfen auch meist nicht, weil offenbar mit dem Körperge­wicht zugleich derGrundumsatz des Orga­nismus sinkt und somit mehr von jeder wieder aufgenommenen Kalorie für den Fettansatz zur Verfügung steht.

Was bleibt also für den Pharmakalogen ande­res übrig, als auch in Bezug auf helfende Phar­maka in die Spur zu gehen...? ak

Erforschung der Meeresböden

Im Jahr der Geowissenschaften trafen sich Mit­te Juni 2002 etwa 300 Wissenschaftler in Pots­dam, um über ihre Ergebnisse von Tiefboh­rungen zu berichten. Die Forscher arbeiten in den kontinentalen und den marinen Schwer­punktprogrammen der Deutschen For­schungsgemeinschaft(DFG). Das kontinenta­le Schwerpunktprogramm der DFG wird am Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam gemeinsam mit Vertretern des Geo­ForschungsZentrums Potsdam und der Freien Universität Berlin koordiniert. Das gemeinsa­me Kolloquium diente der Berichterstattung und gegenseitigen Information innerhalb der Wissenschaftlergemeinschaft und ermöglich­te den Gutachtern, sich über den Stand der lau­fenden Forschungen zu informieren. Red.

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