Zwischen den Kulturen
Samir Gandesha weilt für ein Jahr am Institut für Philosophie
In seinem einfachen Arbeitszimmer am Institut für Philosophie an der Professur für Ethik berichtet Dr. Samir Gandesha über sein ForschungsproJjekt, das das umstrittene Verhältnis zwischen den Denkern Theodor Adorno und Martin Heidegger beleuchtet.
a standen in der wissenschaftlichen LiteD ratur die wichtigsten deutschen Philoso
phen des zwanzigsten Jahrhunderts, Adorno und Heidegger einander gegenüber. An der einen Seite ein Jude als kritischer Marxist und an der anderen ein mit dem Nationalsozialismus verbundener Denker. Ein Vergleich der Arbeit der beiden Philosophen kann der wissenschaftlichen Nachwelt helfen, die Rolle der Sprache in ihrem Denken herauszufiltern“, so Gandesha zu seiner Forschung.
Seit Januar 2002 ist der kanadische Wissenschaftler für ein Jahr am Institut tätig. Er bereitet gegenwärtig eine Publikation über das Forschungsprojekt vor. Seine durch ein Alexander von Humboldt Stipen-| dium ermöglichte Arbeit erfolgt bei Prof. Dr. Christoph Menke, von dem er für sein Forschungsvorhaben volle Unterstützung erfährt.
Wird der Stipendiat nach seiner Heimat befragt, lassen seine braunen Augen durch ein Lächeln erkennen, dass er überlegen muss, welches Land er als seine Heimat bezeichnen soll. Seine Großeltern stammen aus Indien, seine Eltern wurden in Afrika geboren, er selbst in Nairobi(Kenia.) Als er Kind war, wanderten seine Eltern mit ihm auf einem Schiff nach Kanada aus.„Meine liberalen Eltern haben eine Brücke zwischen mehreren Kulturen und auch zu verschiedenen philosophischen Fragen geschlagen. Sie ebneten dadurch meinen Berufsweg“, berichtet der Enddreißiger.„Beim Heimatbegriff bin ich verwirrt, er existiert nur in den Köpfen und nicht fertig in der Welt, deshalb muss ich meine Heimat stets neu gestalten.“
Mit Hilfe seiner Eltern hat der junge Philosoph gelernt, an der Gesellschaft und am politischen Alltag Kritik zu üben. Seine Entwicklung
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Samir Gandesha fühlt sich wohl in Deutschland. In einem Forschungsprojekt vergleicht er die Philosophen Theodor Adorno und Martin Heidegger.
wurde von einem namhaften Wissenschaftler der achtundsechziger Studentenbewegung, Dr. Martin Jay von der Universität Berkeley(Kalifornien), in bedeutendem Maße beeinflusst. Er studierte an der Universität von Toronto und verteidigte im Jahre 1995 seine Dissertation unter dem Titel„Tragödie und Aufklärung“. Anschließend arbeitete er als Gastwissenschaftler zwei Jahre lang in Kalifornien.
Fremdenfeindlichkeit ist ihm in Deutschland nicht begegnet. In Berlin, wo er in einer multikulturellen Gegend mit seiner Familie wohnt, hat er Freunde gefunden. Die Kinder von ihm besuchen einen deutschen Kindergarten, sie sprechen besser Deutsch als der Vater. Er würde &mit der Familie nach & Deutschland wieder“ kommen, vielleicht im Zusammenhang mit einem anderen Projekt, sagt er.
Der junge Wissenschaftler misst der Integration von Fremden in der jeweiligen neuen Kultur Stellenwert bei.„Inte
einen hohen
gration ist ein Begriff mit einer viel tiefer liegenden Bedeutung als die Erwerbung einer neuen. Identität“, so Gandesha.„Sie bedeutet die Anpassung und als Endergebnis dieser Anpassung die Einheit des Individuums mit seiner Umwelt. Sie heißt jedoch keinesfalls Assimilation. Die Kunst für den Fremden ist es, trotz einer vollzogenen Integration die eigene ausländische Identität zu wahren, die eigene Kultur zu pflegen.“ Maria Pichottka
An der Universität Potsdam weilen seit Jahren immer wieder Stipendiaten der Alexander von Humboldt(AvH)-Stiftung. Allein im Zeitraum von 1997 bis 2001 waren es 20. Damit nimmt die Universität im gerade erschienenen Ranking, das die Stiftung erstellte, den 29. Platz ein. Als einzige ostdeutsche Hochschule liegt nur noch die Humboldt Universität zu Berlin vor den Potsdamern. Auch gegenwärtig forschen AvH-Stipendiaten an der Universität Potsdam, unter anderem bei Prof. Dr. Manfred Strecker im Institut für Geowissenschaften.
Forschung
www.uni-potsdam.de/portal /juno2/forschung
Neu bewilligt
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert folgende Wissenschaftler und ihre Projekte: PD. Dr. Bernd Stöver aus dem Historischen Institut erhielt für seine Publikation„Liberation Policy. Entstehung, Karriere, Wahrnehmung und Wirkung eines offensiven außenpolitischen Konzepts im Kalten Krieg 1947 bis 1991“ eine Druckkostenbeihilfe in Höhe von 5.000€.
Prof. Dr. Reinhold Kliegl aus dem Institut für Psycholgie erhielt im Rahmen des Gottfried Wilhelm Leibniz-Programms den mit 775.000€ dotierten Förderpreis.
Prof. Dr. Falko Rheinberg aus dem Institut für Psychologie erhielt für das Projekt„Lernmotivation in Mathematik: Analyse von Optimalfällen und Erprobung von Optimierungsmaßnahmen“ rund 62.800€.
Prof. Dr. Erika Horn aus dem Institut für Informatik erhielt für das Projekt„Agentensystemarchitekturen für aktive medizinische Dokumente—- Informationslogistik in multi-kontextuellen Domänen“ rund 175.000€.
Prof. Dr. Ralf Menzel aus dem Institut für Physik erhielt für das Projekt„Analyse von Konformationsänderungen in_Model-Proteinen mittels ‚Exited-State Absorption‘(ESA)- Spektroskopie gebundener Chromophore“ rund 133.500€.
Prof. Dr. Jürgen Kurths aus dem Institut für Informatik erhielt für das Projekt„Erdmagnetische Variationen: Raum-Zeitliche Struktur, Prozesse und Wirkungen auf das System Erde“ rund 43.300€.
Prof. Dr. Manfred Strecker aus dem Institut für Geowissenschaften erhielt für das Projekt„Deformationsraten des Qgilian-Shan, China“ rund 110.500€.
Die Volkswagen-Stiftung fördert Prof. Dr. Roland Oberhänsli im Institut für Geowissenschaften. Er bekam für das Partnerschaftsvorhaben:„The Tectono-Metamorphic Evolution of the Central Menderes Massif and ist Surroundings in West Turkey“ 93.000€. Es wird in Zusammenarbeit mit Dr. Julius Partzsch, Universität Potsdam, und Professoren von der Dokuz Eylül Universität, Bornova-Izmir/Türkei durchgeführt. Außerdem fördert sie Prof. Dr. Werner Jann aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mit 27.400€, um zum Gelingen des Projekts„Assessing the Quality of Governance— Developing the Common Assessment framework for CEE Countries (Sommerschule)“ beizutragen.
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