Heft 
(1.1.2019) 07
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Ein bisschen besser

als immer

FünfterTag der Fachdidaktiken für Learning by doing

Unterricht funktioniert nur bei Anwendung professioneller Didaktik. Die aber hat es gegenwärtig schwer,

sich in der Lehrerbildung genügend Raum zu verschaffen.

Solange der Fachunterricht, durchsetzt mit fächerübergreifenden Elementen und möglichst alltagsbezogen, die Hauptkomponente schulischer Bildung darstellt, kann an einer traditionsreichen Lehrerbildungsstätte wie der Universität Potsdam den Fachdidaktiken nicht genug Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.

och die Realität ist bekanntlich nicht so.

D Der Stundenanteil ist im Vergleich zur

Fachausbildung gering, Professorenstel­

len sind nicht besetzt, in den Fakultäten sind die Fachdidaktiken oft fünftes Rad am Wagen. Spar­zwänge drängen zu fächerübergreifenden Didak­tikprofessuren, die verbleibende fachdidaktische Kapazität lässt zu wenig Forschung zu, die inte­grationsfördernde Wirkung der Fachdidaktiken zwischen Fach- und Erziehungswissenschaften wird nicht ausreichend bewusst, ja verbreitet herrscht Resignation. Das Thema des nunmehr bereits fünftenTages der Fachdidaktiken am 4. Juni schien diesen Zustand noch zu unter­

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streichen.Wie wars in der Schule? Wie immer!!! lautete es.

Doch unter den anfangs etwa 50 Teilnehmern widerspiegelte der fachdidaktischeAktionstag 2002 alles andere als Resignation. Hier war Engagement für einen modernen, motivieren­den, lernwirksamen Unterricht angesagt, herrschte nach den niederschmetternden TIMSS- und PISA-Ergebnissen eher eine Art Aufbruchstimmung. Schon die Begrüßungsre­de von Prorektorin Prof. Dr. Gerda Hassler wirk­te anspornend. Die Fachdidaktiker schätzen deren Einsatz für die Belange der Lehrerbildung, für die Durchsetzung von Professionalität des Lehramtsstudiums, für die Aufwertung der Fach­didaktiken durch Kerncurricula, Studienmodule und vor allem auch durch die Schaffung eines Uni-Lehrerbildungszentrums als Heimat für alle, die konzeptionell, lehrend und forschend mit den Pädagogenberuf zu tun haben.

Dass mit Prof. Dr. Olaf Köller ein Referent vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung führend in Sachen TIMSS und PISA gewon­

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nen werden konnte, um den Teilnehmern einen etwas differenzierteren Einblick als üblich in einige PISA-Ergebnisse zu vermitteln, wurde auch in Zusammenhang mit den weiteren The­men der Konferenz als positiv gewertet. Köllers Ausführung über motivationale Zusammenhän­ge von Lernfreude und Lernleistung, seine For­derung nach mehr Lerngelegenheiten für die Schüler, besonders aber seine ausführlichen Dar­legungen über anzustrebende Kompetenzen und deren Ausprägungsstufen an den Beispie­len Lesen und Rechnen unterstrichen spürbar die Aussagen in den nachfolgenden Referaten und Diskussionen.

Da ging es bei Prof. Dr. Dagmar Klose, Dr. Eva-Maria Kenngott und ihren Forschungslehre­rinnen um Ziel- und Prozesskomponenten des Verstehens, Erfahrens und Urteilens aus der Per­spektive von Geschichte und LER. Bezogen auf dasheiße Problem toleranter Haltung zu frem­den Kulturen wurden Möglichkeiten der metho­dischen Gestaltung des komplizierten Weges vom Erleben zum Verstehen und vom Verstehen schließlich zum realen moralischen Handeln angedeutet auch im Ergebnis schulpraktischer Untersuchungen. Dr. Marion Höfner von der Literaturdidaktik stellte Untersuchungsergeb­nisse zur Handlungskompetenz der Schüler bei Textanalysen vor, besonders zur Entwicklung komplexer sprachanalytischer Fähigkeiten unter Berücksichtigung auch der Textstruktur.

Der Tagungsnachmittag war den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gewidmet. Prof. Dr. Thomas Jahnke(Mathema­tikdidaktik) und Dr. Wieland Müller(Physikdi­daktik) wandten sich der in beiden Fächern und auch übergreifend fachdidaktisch sehr wichtigen Aufgabenkultur und den erforderlichen Lö­sungskompetenzen zu. Mit Blick auf die Unter­richtsführung in Japan, auf Empfehlungen der Bund-Länder-Komission unter anderem ging es darum, von bloßer Routine wegzukommen. All­tagsbezogene komplexe Aufgaben gälte es zu entwickeln, die alternative Lösungswege ermög­lichen. Das würde zu mehr Problemhaftigkeit des Unterrichts und lernwirksamer getrennt gemeinschaftlicher Arbeitsweise der Schüler beim Lösen der Aufgaben beitragen. Höhere Lernmotivation und produktive Handlungskom­petenz der Schüler sind Gegenstand fachdidakti­scher Überlegungen am Institut für Arbeitsleh­re/Technik. Dazu trug Dr. Olaf Czech Vorstellun­gen über eine innovative Lernkultur durch Kooperation von Schule und Wirtschaft vor.

Wie wars in der Schule? hieß das Thema des Fachdidaktikertages, der seine Aufgabe erfüllt hätte, wenn demnächst als Antwort käme: meinte

ak

ein bisschen besser als immer, abschließend Dagmar Klose.

Portal 7-9/02