Ein bisschen besser
als immer
Fünfter„Tag der Fachdidaktiken“ für Learning by doing
Unterricht funktioniert nur bei Anwendung professioneller Didaktik. Die aber hat es gegenwärtig schwer,
sich in der Lehrerbildung genügend Raum zu verschaffen.
Solange der Fachunterricht, durchsetzt mit fächerübergreifenden Elementen und möglichst alltagsbezogen, die Hauptkomponente schulischer Bildung darstellt, kann an einer traditionsreichen Lehrerbildungsstätte wie der Universität Potsdam den Fachdidaktiken nicht genug Aufmerksamkeit entgegengebracht werden.
och die Realität ist bekanntlich nicht so.
D Der Stundenanteil ist im Vergleich zur
Fachausbildung gering, Professorenstel
len sind nicht besetzt, in den Fakultäten sind die Fachdidaktiken oft fünftes Rad am Wagen. Sparzwänge drängen zu fächerübergreifenden Didaktikprofessuren, die verbleibende fachdidaktische Kapazität lässt zu wenig Forschung zu, die integrationsfördernde Wirkung der Fachdidaktiken zwischen Fach- und Erziehungswissenschaften wird nicht ausreichend bewusst, ja verbreitet herrscht Resignation. Das Thema des nunmehr bereits fünften„Tages der Fachdidaktiken“ am 4. Juni schien diesen Zustand noch zu unter
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streichen.„Wie war’s in der Schule? Wie immer!!!“ lautete es.
Doch unter den anfangs etwa 50 Teilnehmern widerspiegelte der fachdidaktische„Aktionstag“ 2002 alles andere als Resignation. Hier war Engagement für einen modernen, motivierenden, lernwirksamen Unterricht angesagt, herrschte nach den niederschmetternden TIMSS- und PISA-Ergebnissen eher eine Art Aufbruchstimmung. Schon die Begrüßungsrede von Prorektorin Prof. Dr. Gerda Hassler wirkte anspornend. Die Fachdidaktiker schätzen deren Einsatz für die Belange der Lehrerbildung, für die Durchsetzung von Professionalität des Lehramtsstudiums, für die Aufwertung der Fachdidaktiken durch Kerncurricula, Studienmodule und vor allem auch durch die Schaffung eines Uni-Lehrerbildungszentrums als Heimat für alle, die konzeptionell, lehrend und forschend mit den Pädagogenberuf zu tun haben.
Dass mit Prof. Dr. Olaf Köller ein Referent vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung — führend in Sachen TIMSS und PISA— gewon
u Ss = 5
5 x
Uni Aktuell
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nen werden konnte, um den Teilnehmern einen etwas differenzierteren Einblick als üblich in einige PISA-Ergebnisse zu vermitteln, wurde auch in Zusammenhang mit den weiteren Themen der Konferenz als positiv gewertet. Köllers Ausführung über motivationale Zusammenhänge von Lernfreude und Lernleistung, seine Forderung nach mehr Lerngelegenheiten für die Schüler, besonders aber seine ausführlichen Darlegungen über anzustrebende Kompetenzen und deren Ausprägungsstufen an den Beispielen Lesen und Rechnen unterstrichen spürbar die Aussagen in den nachfolgenden Referaten und Diskussionen.
Da ging es bei Prof. Dr. Dagmar Klose, Dr. Eva-Maria Kenngott und ihren Forschungslehrerinnen um Ziel- und Prozesskomponenten des Verstehens, Erfahrens und Urteilens aus der Perspektive von Geschichte und LER. Bezogen auf das„heiße“ Problem toleranter Haltung zu fremden Kulturen wurden Möglichkeiten der methodischen Gestaltung des komplizierten Weges vom Erleben zum Verstehen und vom Verstehen schließlich zum realen moralischen Handeln angedeutet— auch im Ergebnis schulpraktischer Untersuchungen. Dr. Marion Höfner von der Literaturdidaktik stellte Untersuchungsergebnisse zur Handlungskompetenz der Schüler bei Textanalysen vor, besonders zur Entwicklung komplexer sprachanalytischer Fähigkeiten unter Berücksichtigung auch der Textstruktur.
Der Tagungsnachmittag war den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Technik gewidmet. Prof. Dr. Thomas Jahnke(Mathematikdidaktik) und Dr. Wieland Müller(Physikdidaktik) wandten sich der in beiden Fächern und auch übergreifend fachdidaktisch sehr wichtigen Aufgabenkultur und den erforderlichen Lösungskompetenzen zu. Mit Blick auf die Unterrichtsführung in Japan, auf Empfehlungen der Bund-Länder-Komission unter anderem ging es darum, von bloßer Routine wegzukommen. Alltagsbezogene komplexe Aufgaben gälte es zu entwickeln, die alternative Lösungswege ermöglichen. Das würde zu mehr Problemhaftigkeit des Unterrichts und lernwirksamer getrennt gemeinschaftlicher Arbeitsweise der Schüler beim Lösen der Aufgaben beitragen. Höhere Lernmotivation und produktive Handlungskompetenz der Schüler sind Gegenstand fachdidaktischer Überlegungen am Institut für Arbeitslehre/Technik. Dazu trug Dr. Olaf Czech Vorstellungen über eine innovative Lernkultur durch Kooperation von Schule und Wirtschaft vor.
„Wie war’s in der Schule?“ hieß das Thema des Fachdidaktikertages, der seine Aufgabe erfüllt hätte, wenn demnächst als Antwort käme: meinte
ak
„ein bisschen besser als immer“, abschließend Dagmar Klose.
Portal 7-9/02