Heft 
(1.1.2019) 07
Einzelbild herunterladen

Titel www.uni-potsdam.de/portal /julo2 /titel

Italien immer wieder

Reisepläne zwischen Flugangst, Rechenkunst und Preisvergleich

Die Euroumstellung veränderte Europa, der 11. September letzten Jahres die Welt insgesamt. Aber hat sich dadurch auch das Urlaubs­und Reiseverhalten verändert? Inwiefern beeinflussen beide Ereig­nisse des Deutschen tiefe Sehnsucht nach der Ferne?

Thomas Pösl hörte sich auf dem Campus um.

Trotz spürbarer Euro-Teuerungsrate ist es für mich nicht so gravierend, dass ich sagen müsste, ich kann jetzt bezogen auf meine Reisen dieses oder jenes nicht mehr machen. Ich möchte mich eigentlich auch nicht zu sehr von diesen Dingen beeinflussen lassen, auch nicht durch die Anschläge von New York. Flugangst habe ich sowieso. Auffällig aber ist, dass durch den Euro schon ein Teil der gewohnten Reiseexotik verlo­ren geht. Das gewisse Flair, im Ausland zu sein, erlebte man unter anderem auch durch die jewei­lige Landeswährung, die einem sagte, in wel­chem Land man sich gerade befand. Und den Franc, die Lire oder den Peso in den Händen zu halten, ermöglichte abgesehen von der territori­alen Orientierung ja auch eine gewisse sinnliche Qualität, die ich doch vermisse. Bringfried Löffler Institut für Musik und Musikpädagogik

Wenn ich im Urlaub mit dem Flugzeug unter­wegs bin, dann größtenteils in Europa. Ich flie­ge eigentlich immer Last-Minute, also spontan, daran hat auch der 11. September nichts geän­dert. Ängstlicher bin ich jedenfalls nicht gewor­den. Es explodiert ja auch nicht ständig irgend­wo ein Flugzeug, zumal einem die schärferen Kontrollen schon ein gewisses Gefühl an Sicher­heit geben. Die nehme ich auch gerne in Kauf. In diesem Jahr werden ich und meine Familie aber ohnehin mit Auto und Zelt Richtung Frank­reich oder Italien unterwegs sein. Und da wird der Euro schon im Vorfeld spürbar, denn das Sparen fällt erheblich schwerer. Reisen und Urlaub sind aber für mich sehr wichtig, also schränke ich mich gern bei anderen Dingen ein.

Peggy Dumröse, Institut für Psychologie

Es wäre ja schrecklich, wenn ich meine Urlaubs­ziele nach einer Währung aussuchte. Außerdem

24

Fotos: Archiv

ist mein Portmonee im Urlaub gleichermaßen übersichtlich wie meine Rechenkünste gut ent­wickelt sind, so dass ich auch bei Kronen, Gul­den oder Franken den Überblick behalten wür­de. Mit Hinblick auf die Sicherheit internationa­ler Flüge war ich schon immer vorsichtig. Kri­senregionen haben mir schon immer Respekt eingeflößt. Prof. Christine Keßler Institut für Germanistik

Ich bin seit Jahren Italien-Reisende. Ich bin gespannt, ob der fehlende Geldumtausch wirk­lich entlastet und ob sich dadurch die Sicht auf das Land verändert. Man rechnet ja trotzdem immer noch um. Vor allem aber will ich sehen, ob die Italiener ihre Preise auch in ähnlicher Weise nach oben verändert haben wie die Deut­schen. Den 11. September letzten Jahres habe ich übrigens auch in Italien erlebt und dort erfah­ren, dass Betroffenheit nicht Kriegshysterie bedeuten muss. Dass er irgendwelche Auswir­kungen auf meine Reisepläne hätte, würde ich aber nicht sagen. Dr. Irma Bürger Dezernat 2, Zentrale Studienberatung

Ich schaffe es immer nur einmal im Jahr zu ver­reisen. Und dann nach Israel, seit mittlerweile fünf Jahren fahre ich regelmäßig dorthin. Kom­menden Herbst werde ich wieder dort sein. Der 11. September ist in meinem Kopf zwar präsent, aber es ist ja ohnehin sehr beängstigend, in den arabischen Raum beziehungsweise den Nahen Osten zu fahren. Aber ich denke, man muss auch Zeichen setzen. Nach dem Motto: Jetzt erst recht, obwohl die Situation ziemlich schwierig ist! In Jerusalem gibt es ja keine Touristen mehr. Anja Kurths, 3. Studienjahr, Jüdische Studien,

Geschichte, Religionswissenschaften

Portal 7-9/02

Foto: Tribukeit