Heft 
(1.1.2019) 10
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Foto: Fritze

Widerlegte in seiner Antrittsvorlesung die These von den nicht vorhandenen Wirkungsmöglichkeiten

kommunistischer Schriftsteller in der von den Amerikanern besetzten Zone im Nachkriegsdeutschland.

Ankunft

im Nachkriegsdeutschland

Prof. Dr. Helmut Peitsch über das Wirken dreier kommunistischer

Exil-Schriftsteller

Endlich war der Moment gekommen. Lange hat es gedauert, bis die Besetzung der Professur für Neuere Deutsche Literatur im Uni-Institut für Germanistik erfolgen konnte. Nun fand sie statt, die Antrittsvorlesung von Helmut Peitsch, Wissen­schaftler mit großer Affinität zum Weltenbumm­ler Georg Forster. Der Titel des Vortrags lautete Alles ist heute möglich.:

ahinter verbargen sich Ausführungen, D« sich mit dem Wirken der aus dem

Exil in die damalige US-Zone zurück gekehrten deutschen kommunistischen Schrift­steller Eduard Claudius, Stephan Hermlin und Hans Mayer beschäftigten. Dass Peitsch in sei­nem Vortrag deren durchaus vorhandene Mög­lichkeiten künstlerischen Agierens auf jenem Territorium betonte, hat seinen Grund. In der Literaturgeschichtsschreibung wird die west­deutsche Nachkriegsliteratur vielfach mit einem Verständnis vonJunger Generation gleichge­setzt, das nicht zuletzt in der Gruppe 47 vertre­ten, im Wehrmachtssoldaten ein unschuldiges Opfer sah. Aus diesem Konzept vonJunger Generation ergibt sich nicht selten und eigent­lich bis in die Gegenwart hinein die Unterstel­

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lung einer gewissermaßen natürlichen Ableh­nung der Fxilliteratur. Peitsch trat den Gegenbe­weis an, legte dar, wie erfolgreich sich die drei in die literarisch-publizistische Auseinanderset­zung über einen Neubeginn nach dem Faschismus einschalteten und dabei für sich die Position derJungen in Anspruch nahmen, frei­lich mitunter nicht ohne einen Widerspruch, der im Einschluss zugleich auch Ausschluss bedeu­ten konnte. Bevor der Redner allerdings ausführ­lich drei Argumentationsfiguren unterschied, mit denen sich Claudius, Mayer und Hermlin in der Diskussion über Literatur positionierten, ging er noch einmal auf den Unterschied zwi­schen dem literarischen KonstruktJunge Gene­ration und dem der empirischenJugend ein. Das insbesondere vor dem Hintergrund, dass die drei aus der Schweiz gekommenen Exilanten sich eben auch im Kontext eines umfangreichen gesellschaftlichen Redens über Jugend verorten mussten.

Als erste für Claudius, Mayer und Hermlin typische Argumentationsfigur verifizierte der neue Potsdamer Uni-Professor dann deren Auf­fassung von der Notwendigkeit eines unbeding­ten allgemeinen gesellschaftlichen Neubeginns,

Forschung www.uni-potsdam.de/portal /okto2/forschung

den alle drei Schriftsteller programmatisch ver­traten. So unterschiedlich die Analogien dabei offensichtlich waren, so sehr herrschte zum Bei­spiel Übereinstimmung in Fragen vonSchuld. Weder findet sich nach Peitschs Ansicht in deren Texten ein Gegensatz von Scham und Schuld noch gehen ihre Meinungen bei der These der Kollektivschuld auseinander. Sie vertreten sie, so Peitsch, überzeugt, nicht jedoch ohne auf die Wichtigkeit von Differenzierung hinzuweisen.

Die zweite Argumentationsfigur, mit der sich nach Meinung des Germanisten die drei kom­munistischen Schriftsteller bemühen, ihre Posi­tion in einerneu beginnenden Literatur zu legitimieren, ist ihre Kritik eines machanischen Materialismus. Was Peitsch damit meint, ist deren Art der Behandlung jener so bedeutenden Frage derVerantwortlichkeit jedes einzelnen. Für ihn ist insbesondere Mayer derjenige, der hier scharf artikuliert. Der nämlich habe in sei­nem Buch, betiteltKarl Marx und das Elend des Geistes, das Angebot an die Existentialisten ei­nerseits am grundsätzlichsten formuliert, ande­rerseits aber einen Widerspruch angemeldet, der die Argumentationsfigur der Kritik am mecha­nischen Materialismus in eine Kritik amPrimat des Geistes wendete. Diese Wendung habe, meinte Peitsch im Vortrag, durchaus Entspre­chungen in der Publizistik von Claudius und Hermlin. Etwa wenn beide auf ihre Weise Innerlichkeit kritisieren, weniger gegen die Illusion der Autonomie als gegen die Illusion des Rückzugs aus der Politik oder-allgemeiner­Geschichte gerichtet..

In der Positionierung als junge Deutsche, Erben einer Geschichte, mit deren bis in die Gegenwart reichenden Kontinuität zu brechen sei, sieht Peitsch die dritte Argumentationsfigur. Gekennzeichnet sei sie durch ein Phänomen: Gemeint ist die in den Texten der Autoren vor­handene unterschiedliche Verwendung der Per­sonalpronomenWir undIch. So sprächen die drei im Gebrauch desWir zum einen zu denJungen, zum anderen auch für sie. Zudem zeige sich in den publizistischen Texten der drei ein Wechsel vomWir zumIch oder zu einem anderenWir, der wiederum auch Widerspruch insistiere. Ein solcher dokumentiere sich deut­lich in Claudius Beitrag auf dem Ersten Deut­schen Schriftstellerkongress 1947 in Berlin, in dem sich dasWir des Emigranten und das Wir desJungen mische. Der Schiftsteller hatte seine Rede im Namenvon uns jungen Menschen begonnen, um für ein Ende der Debatte über Innere Emigration und Exil sowie eine Abrechnung mit der Vergangenheit zu plä­dieren, bis er schließlich bei seiner Situationsbe­schreibung vomwir Jungen zumunsere Jun­

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gen wechselte.

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