Heft 
(1.1.2019) 10
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Foto: Fritze

Mit Forschungen zur Sprache ganz jung zum Doktortitel: Dr. Ina Bornkessel

Schaut man sich die Lebensstationen von Dr. Ina Bornkessel an, glaubt man seinen Augen nicht zu trauen. Mit atemberaubender Geschwindigkeit und glänzenden Ergebnissen verfolgt sie ihre berufliche Entwicklung. Konsequent und zügig steuert sie auf ein einmal gesetztes Ziel zu. Allein die Tatsache, dass die 23-Jährige bereits promo­vierte Sprachwissenschaftlerin ist, belegt dies.

it diesem Alter ist Ina Bornkessel die M jüngste Promovendin in der Geschich­te der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. und der Uni­versität Potsdam. Im Sommer dieses Jahres

schloss die damals erst 22 Jahre junge Forsche­rin nach nur einem Jahr Arbeit ihre Dissertation

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an der Universität Potsdam mit dem Prä­dikatsumma cum lau­

sehr erfolgreich ab. Seit April des vergangenen Jahres arbeitet die Wissen­chaftlerin als Mitarbeiterin im TeilprojektSyntaktisches Ar­beitsgedächtnis bei der Satzverar­

beitung der Forschergruppe Arbeitsgedächtnis am Max-Planck­Institut für neuropsychologische For­schung in Leipzig.

Bei ihren Forschungen kommt der in Berlin Geborenen zugute, dass sie im Alter von sieben Jahren mit ihrer Mutter

nach Australien ging und. dort bis zum Abschluss des Abiturs in Tasmania zweisprachig aufwuchs. Wieder nach Berlin zurückgekehrt, begann sie 1997 an der Universität Potsdam ein Studium der Allgemeinen und Theoretischen Linguistik sowie Computerlinguistik. Sie beendete es schon nach vier Jahren mit einem Diplom als Sprachwissenschaftlerin. Ohne Zeit­verzug begann sie anschließend mit ihrer Dis­sertation.

Wie kommt es, dass der Mensch Sprache ver­stehen, speichern und verarbeiten kann? Welche Prozesse spielen sich dabei im Gehirn ab? Ina Bornkessel konnte in ihrer Dissertation von der bereits länger bekannten Tatsache ausgehen, dass für die Speicherung von Begriffen, für das Erfassen der Wortbedeutung, für grammatisch richtige Satzbildung mit Hilfe von Funktions­wörtern(weil, dass, den...) unterschiedliche Regionen des Gehirns verantwortlich sind, die

oder ohne Verb

enschaftlerin Ina Bornkessel promovierte mit 22

bei der Sprachverarbeitung zusammenwirken. Die entsprechenden Gehirnaktivitäten werden heute mit der Enzephalographie-Methode(EEG), das heißt durch Messung von Hirnstromwellen registriert. Deren Frequenz erhöht sich bei gei­stiger Betätigung, die ja in der Regel mit Sprach­verarbeitung verbunden ist. Mit einer Fülle von EEG-Messungen hat Ina Bornkessel herausge­funden, dass das Gehirn ständig Sätze interpre­tiert und oft auch im Voraus vervollkommnet, ohne dass zum Beispiel ein endständiges Verb oder ein Objektbegriff bereits ausgesprochen wurde. Es ist also nicht so, dass wie man annehmen könnte der Sprachverständnispro­zess erst beginnt, wenn der Satz mit Subjekt, Prädikat, Objekt vollendet ist, sondern schon lan­ge vorher.

Ina Bornkessels Dissertation hat nach Auffas­sung ihres Gutachters, Prof. Dr. Gisbert Fanse­low,das Potenzial, die weitere psycholinguisti­sche Forschung ganz entscheidend zu beeinflus­sen. Dass die Ergebnisse der Forschungen von Ina Bornkessel auf den Gebieten Neurolinguis­tik, Psycholinguistik und Grammatiktheorie in Fachkreisen anerkannt sind, zeigt die Tatsache, dass sie als Autorin beziehungsweise Koautorin bereits auf Veröffentlichungen in international renommierten Journalen verweisen kann.

Nur auf den ersten Blick erscheinen die For­schungen in der Sprachwissenschaft sehr theo­retisch und praxisfern. Auch mit Ina Bornkes­sels Ergebnissen werden die Grundlagen dafür gelegt, dass zum Beispiel Sprachstörungen, her­vorgerufen durch Störungen im Sprachzentrum, etwa bei Schlaganfallpatienten, behandelt wer­be/ak

den können.

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