Titel
www.uni-potsdam.de/portal /dezo2 /titel
Eine Verwaltung zu reformieren,
ist wie Gartenarbeit
Werner Jann zur Arbeit des Bereichs Verwaltung-Organisation-Management(VOM)
Veränderungen, Chancen und Probleme des modernen öffentlichen Sektors sind allgegenwärtig. Am Universitätsstandort Griebnitzsee existiert
ein Bereich, der diese Prozesse in Forschung und Lehre wissenschaftlich
reflektiert und Anregungen für die Praxis gibt. Thomas Pösl sprach mit
Prof. Dr. Werner Jann über und den Beitrag von„VOM“ bei der Staatsund Verwaltungsmodernisierung.
Was genau verbirgt sich hinter„VOM“?
Jann:„VOM“ ist zunächst nur die Abkürzung für „Verwal ung-Organisation-Management“. Dahinter verbirgt sich ein Teilgebiet des Profilbereichs Wirtschaft-Institutionen-Verwaltung, in dessen Mittelpunkt der öffentliche Sektor steht und der in Lehre und Forschung besonders eng vernetzt ist. Verwaltungs- und Politikwissenschaftler, Betriebswirte und Soziologen koordi
nieren ihr gemeinsames Interesse an Leistungsfähigkeit und Organisation des öffentlichen Sektors und seiner Verbindungen mit anderen Akteuren innerhalb und auch außerhalb des politischen Systems. Insofern ist der geläufige Begriff„Verwaltungswissenschaft“ etwas irreführend, denn im Prinzip geht es darum zu verstehen, wie der moderne Staat arbeitet und handelt, sprich: wie er steuert und gesteuert wird, aber auch, wie er entlastet werden kann. In diesem Zusammenhang geht es unter anderem um Staatsmodernisierung, Bürgerkommune, öffent
liche Unternehmen, den dritten Sektor bis hin zu Nonprofit-Organisationen. Und es geht um Steuerung und Selbstregulierung in Politikfeldern, beispielsweise der Medien-, Umwelt- oder der Arbeitsmarktpolitik. All das wird in letzter Zeit zunehmend unter dem Schlüsselbegriff „Governance“ subsumiert.
Wie kam es zu diesem Schwerpunkt?
Jann: In Deutschland haben Forschung und Lehre über den öffentlichen Sektor keine besondere Tradition, im Gegensatz zum Ausland. Der Wissenschaftsrat hatte Anfang der neunziger Jahre mit Blick auf die kommende Hauptstadt ebenso wie auf die bevorstehende Osterweiterung vorgeschlagen, in Potsdam neben den etablierten Zentren in Speyer, wo ich herkomme, und Konstanz, ein drittes verwaltungswissenschaftliches Zentrum in Deutschland zu etablieren. Nach demnächst zehn Jahren ist dies, blickt man allein auf die Anzahl unserer Forschungsprojekte und unsere internationalen Kontakte, ganz gut gelungen.
Woran liegt es, dass dieser Bereich zunehmend ein verstärktes Interesse erfährt?
Jann: Der tagtägliche Blick in die Zeitung macht es ganz deutlich: Der öffentliche Sektor hat seit
Portal 11-12/02
Werner Jann ist Professor für Verwaltung und Organisation in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.