Heft 
(1.1.2019) 11
Einzelbild herunterladen

Titel

www.uni-potsdam.de/portal /dezo2 /titel

Eine Verwaltung zu reformieren,

ist wie Gartenarbeit

Werner Jann zur Arbeit des Bereichs Verwaltung-Organisation-Management(VOM)

Veränderungen, Chancen und Probleme des modernen öffentlichen Sek­tors sind allgegenwärtig. Am Universitätsstandort Griebnitzsee existiert

ein Bereich, der diese Prozesse in Forschung und Lehre wissenschaftlich

reflektiert und Anregungen für die Praxis gibt. Thomas Pösl sprach mit

Prof. Dr. Werner Jann über und den Beitrag vonVOM bei der Staats­und Verwaltungsmodernisierung.

Was genau verbirgt sich hinterVOM?

Jann:VOM ist zunächst nur die Abkürzung für Verwal ung-Organisation-Management. Dahinter verbirgt sich ein Teilgebiet des Profil­bereichs Wirtschaft-Institutionen-Verwaltung, in dessen Mittelpunkt der öffentliche Sektor steht und der in Lehre und Forschung besonders eng vernetzt ist. Verwaltungs- und Politikwissen­schaftler, Betriebswirte und Soziologen koordi­

nieren ihr gemeinsames Interesse an Leistungs­fähigkeit und Organisation des öffentlichen Sek­tors und seiner Verbindungen mit anderen Akteuren innerhalb und auch außerhalb des politischen Systems. Insofern ist der geläufige BegriffVerwaltungswissenschaft etwas irre­führend, denn im Prinzip geht es darum zu ver­stehen, wie der moderne Staat arbeitet und han­delt, sprich: wie er steuert und gesteuert wird, aber auch, wie er entlastet werden kann. In die­sem Zusammenhang geht es unter anderem um Staatsmodernisierung, Bürgerkommune, öffent­

liche Unternehmen, den dritten Sektor bis hin zu Nonprofit-Organisationen. Und es geht um Steuerung und Selbstregulierung in Politikfel­dern, beispielsweise der Medien-, Umwelt- oder der Arbeitsmarktpolitik. All das wird in letzter Zeit zunehmend unter dem Schlüsselbegriff Governance subsumiert.

Wie kam es zu diesem Schwerpunkt?

Jann: In Deutschland haben Forschung und Leh­re über den öffentlichen Sektor keine besondere Tradition, im Gegensatz zum Ausland. Der Wis­senschaftsrat hatte Anfang der neunziger Jahre mit Blick auf die kommende Hauptstadt ebenso wie auf die bevorstehende Osterweiterung vor­geschlagen, in Potsdam neben den etablierten Zentren in Speyer, wo ich herkomme, und Kon­stanz, ein drittes verwaltungswissenschaftliches Zentrum in Deutschland zu etablieren. Nach demnächst zehn Jahren ist dies, blickt man allein auf die Anzahl unserer Forschungsprojekte und unsere internationalen Kontakte, ganz gut gelun­gen.

Woran liegt es, dass dieser Bereich zunehmend ein verstärktes Interesse erfährt?

Jann: Der tagtägliche Blick in die Zeitung macht es ganz deutlich: Der öffentliche Sektor hat seit

Portal 11-12/02

Werner Jann ist Professor für Verwaltung und Organisation in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.