Heft 
(1.1.2019) 11
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Titel

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Jahren große Probleme. Er steht zunehmend in der Kritik und seine Modernisierung steht über­all auf der Tagesordnung. Bürger- und Kunden­orientierung, Haushaltssanierung, Stärkung der Leistungsfähigkeit, Qualitätsmanagement, Elec­tronic-Government sind Punkte, die im In- und Ausland intensiv diskutiert und die uns übrigens auch in Zukunft noch beschäftigen werden: Ver­waltungsmodernisierung bedeutet nicht die ein­malige Generalsanierung eines Hauses, son­dern ist eher mit dem Bild des Gärtners zu fas­sen, der seinen Garten auch immer wieder bear­beiten und erneuern muss, da es immer wieder Wildwuchs gibt.

Mit welchen konkreten Fragen beschäftigt sich VOM?

Jann: Die öffentliche Verwaltung ist traditionell sehr stark bürokratisch und hierarchisch geprägt. Sie ist zwar in einigen Bereichen besser als ihr Ruf, aber wie kann sie noch besser wer­den, effizienter, effektiver, demokratischer? Wie reagiert sie beispielsweise auf die Informations­gesellschaft? Wie kann sie besser mit dem Pri­vatsektor, Stichwort Public-Private-Partnership, oder dem so genannten Dritten Sektor, Stichwort Zivilgesellschaft, zusammenarbeiten? Wie sieht alles dies im internationalen Vergleich oder in internationalen Organisationen aus? Oder: Wel­chen Einfluss hat die Verwaltungsreform bei­spielsweise auf die Geschlechterbeziehungen?

In welchen Bereichen der Praxis istVOM tätig? Jann: Das geht über alle Ebenen: Bundesregie­rung, Landes- und Kommunalebene, vom Non­Profit Bereich bis hin zu internationalen Organi­sationen. Unsere Arbeit hat eine starke innenpo­litische, aber auch internationale und verglei­chende Perspektive. Das reicht von der Mitarbeit beispielsweise im Ausschuss für Verwaltungsop­timierung des Landes Brandenburg über die

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Expertenwissen der Uni­Wissenschaftler war bei­spielsweise auch in der Umzugsdebatte Berlin­

Bonn gefragt.

Hartz-Kommission, die Weltbank bis hin zu UNO oder OECD. Unsere Studierenden machen in all diesen Organisationen ihre Praktika, und sie sind hinterher in allen möglichen Praxisbe­reichen tätig, ob im Bundesinnenministerium, bei Beratungsfirmen oder bei der EU.

Wie teilt sich dem Bürger diese Arbeit mit? Jann: Natürlich ist es nicht immer leicht, unsere Arbeit populär darzustellen. Aber der öffentliche Sektor hat sich in den letzten Jahren extrem ver­ändert, die Reform- und Veränderungsbereit­schaft ist größer, als allgemein wahrgenommen, und die Verwaltungswissenschaft ist immer stär­ker gefragt. Das bekannte Gejammere,auf uns hört ja keiner, können wir nicht bestätigen, eher werden wir gelegentlich zu viel gefragt. Aller­dings ist unsere Außendarstellung auch noch verbesserungsfähig. Ein gemeinsamer Internet­Auftritt ist in Vorbereitung, ebenso eine Broschü­re. Wir melden uns natürlich auch regelmäßig öffentlich zu Wort. Ich habe mich zum Beispiel immer wieder in die Umzugsdebatte Bonn-Ber­lin eingemischt. Stellung zu beziehen, wie aktuell etwa zu Fragen der Privatisierung, der Vereinigung Berlin und Brandenburg oder der Kommunalen Gebietsreform gehört zu unseren ureigensten Aufgaben.

Welche Visionen hatVOM?

Jann: Wir wollen uns auf Dauer als angesehenes internationales Zentrum fürPublic Governan­ce, für Forschung, Aus- und nicht zuletzt Fort­bildung für den öffentlichen Sektor etablieren. Wir wollen unsere Studiengänge weiter moder­nisieren und unsere Fortbildung weiter ausbau­en. Ein Schwerpunkt wird von uns beispiels­weise im Bereich der Anwendung neuer Infor­mations- und Kommunikationstechnologien in der öffentlichen Verwaltung gesetzt. Dazu haben wir vor kurzem ein Institut für eGovernment (IfG) e.V. gegründet. Die Nähe zum Hasso-Platt­ner-Institut für Softwaresystemtechnik und zum neuen Bereich für Wirtschafts- und Verwaltungs­informatik ist dabei für uns von großer Bedeu­tung. Und zweitens: Wenn man sich mit moder­nem Regieren beschäftigt, spielt natürlich die EU eine große Rolle. Die EU wirft ganz neue Fragen auf, etwa das Mehr-Ebenen-Regieren oder die Frage, welche Rolle zukünftig die Regionen spie­len. Hierfür ist seit langem ein Bereich für Staatstätigkeit im europäischen Vergleich vorge­sehen, der bis heute leider vakant ist. Da haben wir eine bittere Lücke und ich hoffe, dass sich da perspektivisch etwas tut. Wenn wir diese Lücken geschlossen haben, stehen die Chancen gut, auf Dauer in dieser hoch-kompetitiven internationa­len Liga mitzuspielen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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