Foto: Bundespresseamt
Titel
www.uni-potsdam.de/portal/dezo2 /titel
Jahren große Probleme. Er steht zunehmend in der Kritik und seine Modernisierung steht überall auf der Tagesordnung. Bürger- und Kundenorientierung, Haushaltssanierung, Stärkung der Leistungsfähigkeit, Qualitätsmanagement, Electronic-Government sind Punkte, die im In- und Ausland intensiv diskutiert und die uns übrigens auch in Zukunft noch beschäftigen werden: Verwaltungsmodernisierung bedeutet nicht die einmalige Generalsanierung eines Hauses, sondern ist eher mit dem Bild des Gärtners zu fassen, der seinen Garten auch immer wieder bearbeiten und erneuern muss, da es immer wieder Wildwuchs gibt.
Mit welchen konkreten Fragen beschäftigt sich „VOM?
Jann: Die öffentliche Verwaltung ist traditionell sehr stark bürokratisch und hierarchisch geprägt. Sie ist zwar in einigen Bereichen besser als ihr Ruf, aber wie kann sie noch besser werden, effizienter, effektiver, demokratischer? Wie reagiert sie beispielsweise auf die Informationsgesellschaft? Wie kann sie besser mit dem Privatsektor, Stichwort Public-Private-Partnership, oder dem so genannten Dritten Sektor, Stichwort Zivilgesellschaft, zusammenarbeiten? Wie sieht alles dies im internationalen Vergleich oder in internationalen Organisationen aus? Oder: Welchen Einfluss hat die Verwaltungsreform beispielsweise auf die Geschlechterbeziehungen?
In welchen Bereichen der Praxis ist„VOM“ tätig? Jann: Das geht über alle Ebenen: Bundesregierung, Landes- und Kommunalebene, vom NonProfit Bereich bis hin zu internationalen Organisationen. Unsere Arbeit hat eine starke innenpolitische, aber auch internationale und vergleichende Perspektive. Das reicht von der Mitarbeit beispielsweise im Ausschuss für Verwaltungsoptimierung des Landes Brandenburg über die
Portal 11-12/02
Expertenwissen der UniWissenschaftler war beispielsweise auch in der Umzugsdebatte Berlin
Bonn gefragt.
Hartz-Kommission, die Weltbank bis hin zu UNO oder OECD. Unsere Studierenden machen in all diesen Organisationen ihre Praktika, und sie sind hinterher in allen möglichen Praxisbereichen tätig, ob im Bundesinnenministerium, bei Beratungsfirmen oder bei der EU.
Wie teilt sich dem Bürger diese Arbeit mit? Jann: Natürlich ist es nicht immer leicht, unsere Arbeit populär darzustellen. Aber der öffentliche Sektor hat sich in den letzten Jahren extrem verändert, die Reform- und Veränderungsbereitschaft ist größer, als allgemein wahrgenommen, und die Verwaltungswissenschaft ist immer stärker gefragt. Das bekannte Gejammere,„auf uns hört ja keiner“, können wir nicht bestätigen, eher werden wir gelegentlich zu viel gefragt. Allerdings ist unsere Außendarstellung auch noch verbesserungsfähig. Ein gemeinsamer InternetAuftritt ist in Vorbereitung, ebenso eine Broschüre. Wir melden uns natürlich auch regelmäßig öffentlich zu Wort. Ich habe mich zum Beispiel immer wieder in die Umzugsdebatte Bonn-Berlin eingemischt. Stellung zu beziehen, wie aktuell etwa zu Fragen der Privatisierung, der Vereinigung Berlin und Brandenburg oder der Kommunalen Gebietsreform gehört zu unseren ureigensten Aufgaben.
Welche Visionen hat„VOM“?
Jann: Wir wollen uns auf Dauer als angesehenes internationales Zentrum für„Public Governance“, für Forschung, Aus- und nicht zuletzt Fortbildung für den öffentlichen Sektor etablieren. Wir wollen unsere Studiengänge weiter modernisieren und unsere Fortbildung weiter ausbauen. Ein Schwerpunkt wird von uns beispielsweise im Bereich der Anwendung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien in der öffentlichen Verwaltung gesetzt. Dazu haben wir vor kurzem ein Institut für eGovernment (IfG) e.V. gegründet. Die Nähe zum Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik und zum neuen Bereich für Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik ist dabei für uns von großer Bedeutung. Und zweitens: Wenn man sich mit modernem Regieren beschäftigt, spielt natürlich die EU eine große Rolle. Die EU wirft ganz neue Fragen auf, etwa das Mehr-Ebenen-Regieren oder die Frage, welche Rolle zukünftig die Regionen spielen. Hierfür ist seit langem ein Bereich für Staatstätigkeit im europäischen Vergleich vorgesehen, der bis heute leider vakant ist. Da haben wir eine bittere Lücke und ich hoffe, dass sich da perspektivisch etwas tut. Wenn wir diese Lücken geschlossen haben, stehen die Chancen gut, auf Dauer in dieser hoch-kompetitiven internationalen Liga mitzuspielen.
Vielen Dank für das Gespräch.
15