Heft 
(1.1.2019) 11
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Titel

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Von der Daseinsvorsorge zur Kundenorientierung

Kommunale Unternehmen zwischen Markt und Politik

Nicht nur Bahn und Post sind privatisiert worden, auch auf kommunaler Ebene schreitet die Deregulierung der Märkte kontinuierlich fort. Diese Entwicklung kann trotz der Vorteile für die Kunden auch Nachteile für denBürger bringen. Dies zeigt eine im letzten Jahr abgeschlossene DFG-Studie der Professoren Thomas Edeling, Erhard Stölting und Dieter Wagner zum Wandel kommunaler Unternehmen am Beispiel der Stadtwerke.

nisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts

übernehmen in Deutschland die Städte und Gemeinden Aufgaben derDaseinsvorsorge auf den Gebieten der Energie- und Wasserversor­gung, des Nahverkehrs oder der Entsorgung. Kommunale Wirtschaftstätigkeit wird zum Instrument der städtischen Selbstverwaltung und versetzt Städte und Gemeinden in die Lage, lokale Aufgaben unabhängig vom Zentralstaat selbst in die Hand zu nehmen und im öffent­lichen Interesse zu übernehmen. Die Bindung an ein öffentliches Interesse legitimiert bis auf den heutigen Tag die wirtschaftliche Tätigkeit der Kommunen.

Inzwischen hat die Deregulierung der meis­ten europäischen Energiemärkte die tradierte Stellung kommunaler Unternehmen als lokale Versorgungsmonopole aufgebrochen. Die damit einhergehende Öffnung zum Markt zwingt die

IE Prozess der Industrialisierung und Urba­

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%

Wandel kommunaler

Unternehmen Nachteile für den Bürger?

Foto: Pösl

städtischen Betriebe, sich gleich privaten Unternehmen im Wettbewerb zu behaupten und öffentliche Interessen zunehmend aus einer wirt­

schaftlichen und immer weni­

ger aus einer politischen Per­spektive zu berücksichtigen. Der Gewinn an wirtschaft­licher Rationalität und die Angleichung° kommunaler Unternehmen an privatwirtschaft­liche Vorbilder untergraben aber gerade die Basis, die kommunales Wirtschaften legitimiert,

zunehmende

die Bindung an ein öffentliches Interesse.

Die Grenzen zwischen öffentlicher und pri­vater Wirtschaft sind brüchig geworden. Spekta­kuläre Privatisierungen- Bahn und Post auf der Bundesebene, der Verkauf desTafelsilbers auf der Ebene der Kommunen markieren nur den Abschluss eines Prozesses, der sich unter der Hand längst vorbereitet hat, die Übertragung öffentlicher Aufgaben an privatwirtschaftliche Unternehmen. Für den Einzelnen alsKunden erweist sich die Privatisierung in Gestalt größe­rer Wahlmöglichkeiten oder sinkender Preise oft als Vorteil. Für den Einzelnen alsBürger bleibt das Ergebnis problematisch, denn es verringert seine Chance, öffentliche Interessen, der Stadt­entwicklung, der Infrastruktur, der Ökologie, in Stadt und Region politisch zur Geltung zu brin­gen. Die Analyse mündet so in eine neue Frage­stellung, nämlich: Welches öffentliche Interesse rechtfertigt heute kommunale Wirtschaftstätig­keit, und wie wird dieses öffentliche Interesse im politischen Prozess artikuliert und durchgesetzt?

Thomas Edeling

Übergreifendes Forum

WE Anteil der Stadtwerke

A

Der Beitrag der Stadtwerke zur Energie- und Wasserversorgung in Deutschland

Thomas Edeling ist Pro­

fessor für Organisations­und Verwaltungssoziolo­gie an der Wirtschafts­und Sozialwissenschaft­lichen Fakultät.

Das Potsdamer Organisationswissenschaftliche Seminar ist ein disziplin­übergreifendes wissenschaftliches Forum, das seit 1996 alljährlich Politik­und Verwaltungswissenschaftler, Soziologen und Betriebswirte unterschied­licher wissenschaftlicher Schulen zu Diskussionen über theoretische und praktische Fragestellungen der Organisationstheorie und Organisationsfor­

schung an der Potsdamer Universität versammelt.

Portal 11-12/02

Red.

Foto: Fritze