Heft 
(1.1.2019) 11
Einzelbild herunterladen

Titel

www.uni-potsdam.de/portal /dezo2 /titel

Leistung contra Frauenförderung?

Führungskultur und Wissen um Benachteiligung

Geschlechtsspe­zifische Arbeitstei­lungen, schlechtere Aufstieg­schancen für Frauen, ungleiche Bewertungen vonmännlichen undweiblichen Tätigkeiten, all dies sollte in der öffentlichen Verwaltung überwunden sein. Dies glaubt auch ein Großteil der Führungskräfte und Beamten in den Amtsstuben, obwohl es nicht so ist. Im Gegensatz zu den objektiv noch vorhandenen Karriere­hemmnissen für Frauen herrscht bei ihnen die Vorstellung, dass in der Jeweils eigenen Abteilung die Geschlechtszugehörigkeit eine eher unterge­ordnete Rolle spielt, weil sie.ihre Mitarbeiter vermeintlich in erster Linie alsMenschen undLeistungsträger betrachten. Dies zeigen Interviews, die im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojektes unter der Lei­tung von Prof. Dr. Irene Dölling an einem Berliner Bezirksamt durchge­führt wurden.

Moti­

vation der Mitarbei­ter und Mitarbeiterinnen

fördert und steigert. Mit dem Umbau verknüp­fen sich auch Erwartungen, bislang bestehende Geschlechterhierarchien zu mindern bezie­hungsweise abzubauen. Gemeint sind damit bei­spielsweise geschlechtsspezifische Arbeitsteilun­gen, ungleiche Positionierungen von Frauen und Männern in der betrieblichen Hierarchie, Bewer­tungen von Tätigkeiten, Anforderungen und Ver­haltensweisen alsmännlich oderweiblich abzugeben und Vorstellungen von derPassung von Frauen oder Männern für bestimmte Tätig­keiten. Ob diese Hoffnungen realistisch sind, lässt sich allerdings nicht abstrakt beantworten

Foto: Fritze

ie Reform der öffentlichen Verwaltung

D ist Teil aktueller gesellschaftlicher Trans­

formationsprozesse, in denen das Ver­

hältnis von Gesellschaft, Staat und Markt neu formiert wird. Ziel der Reform ist die Umstruk­turierung der Organisation Verwaltung- in ein Dienstleistungsunternehmen, das sich an betriebswirtschaftlichen Effizienz-, Leistungs­und Wettbewerbskriterien orientiert und durch Dezentralisierung, flache Hierarchien, Gruppen­arbeit und Personalentwicklung nicht nur die Produkte für die Bürger oder Kunden verbessert, sondern auch Verantwortung, Leistung und

22

oder aus den Reformzielen ableiten, sondern erfordert die Erforschung des praktischen Umsetzungsprozesses.

Die empirische Untersuchung, die die Wissen­schaftler seit 2000 in einem Berliner Bezirksamt durchführen, knüpft konzeptionell und metho­disch an neuere organisationssoziologische For­schungen an, die Organisationen als soziale Gebilde, als Arenen beständiger Kämpfe von Akteuren um Macht, Ressourcen, Karrieren ver­stehen. Dies bedeutet für das Projekt zu betrach­ten, wie die Reform praktisch umgesetzt wird

Portal 11-12/02

Irene Dölling ist

Professorin für Frauen­forschung in der Wirtschafts- und Sozial­wissenschaftlichen Fakultät.