Titel
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Leistung contra Frauenförderung?
Führungskultur und Wissen um Benachteiligung
Geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen, schlechtere Aufstiegschancen für Frauen, ungleiche Bewertungen von„männlichen“ und„weiblichen“ Tätigkeiten, all dies sollte in der öffentlichen Verwaltung überwunden sein. Dies glaubt auch ein Großteil der Führungskräfte und Beamten in den Amtsstuben, obwohl es nicht so ist. Im Gegensatz zu den objektiv noch vorhandenen Karrierehemmnissen für Frauen herrscht bei ihnen die Vorstellung, dass in der Jeweils eigenen Abteilung die Geschlechtszugehörigkeit eine eher untergeordnete Rolle spielt, weil sie.ihre Mitarbeiter vermeintlich in erster Linie als„Menschen“ und„Leistungsträger“ betrachten. Dies zeigen Interviews, die im Rahmen eines DFG-geförderten Forschungsprojektes unter der Leitung von Prof. Dr. Irene Dölling an einem Berliner Bezirksamt durchgeführt wurden.
Moti
vation der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
fördert und steigert. Mit dem Umbau verknüpfen sich auch Erwartungen, bislang bestehende Geschlechterhierarchien zu mindern beziehungsweise abzubauen. Gemeint sind damit beispielsweise geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen, ungleiche Positionierungen von Frauen und Männern in der betrieblichen Hierarchie, Bewertungen von Tätigkeiten, Anforderungen und Verhaltensweisen als„männlich“ oder„weiblich“ abzugeben und Vorstellungen von der„Passung“ von Frauen oder Männern für bestimmte Tätigkeiten. Ob diese Hoffnungen realistisch sind, lässt sich allerdings nicht abstrakt beantworten
Foto: Fritze
ie Reform der öffentlichen Verwaltung
D ist Teil aktueller gesellschaftlicher Trans
formationsprozesse, in denen das Ver
hältnis von Gesellschaft, Staat und Markt neu formiert wird. Ziel der Reform ist die Umstrukturierung der Organisation— Verwaltung- in ein Dienstleistungsunternehmen, das sich an betriebswirtschaftlichen Effizienz-, Leistungsund Wettbewerbskriterien orientiert und durch Dezentralisierung, flache Hierarchien, Gruppenarbeit und Personalentwicklung nicht nur die Produkte für die Bürger oder Kunden verbessert, sondern auch Verantwortung, Leistung und
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oder aus den Reformzielen ableiten, sondern erfordert die Erforschung des praktischen Umsetzungsprozesses.
Die empirische Untersuchung, die die Wissenschaftler seit 2000 in einem Berliner Bezirksamt durchführen, knüpft konzeptionell und methodisch an neuere organisationssoziologische Forschungen an, die Organisationen als soziale Gebilde, als Arenen beständiger Kämpfe von Akteuren um Macht, Ressourcen, Karrieren verstehen. Dies bedeutet für das Projekt zu betrachten, wie die Reform praktisch umgesetzt wird
Portal 11-12/02
Irene Dölling ist
Professorin für Frauenforschung in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.