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Landschaft und Autobahnen
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Geoökologie-Absolvent erhielt für seine Diplomarbeit gleich
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Mittlerweile ist die Autobahn A9 größtenteils dreispurig. Doch wie viel Wald musste dafür sterben? Wie viel wertvolle Ackerfläche ging verloren? Schnell beruhigt sich unser Gewissen.
die verlangen bei erheblichen Eingriffen in ein Naturarsenal Ausgleichsmaßnahmen. Doch wie ist es um deren Qualität bestellt? „Erfolgskontrollen in Zusammenhang mit Eingriffen in Natur und Landschaft— Beispiel Autobahnbau“, so lautet kurz gefasst das Thema der Diplomarbeit des ehemaligen GeoökologieStudenten Daniel Hub. Der heutige wissenschaftliche Mitarbeiter im Bereich Landschaftsplanung holte sich mit diesem„Abschlusswerk“ seines Studiums gleich zwei bedeutende Auszeichnungen: einen Student Award der International Association for Landscape Ecology(IALE) für die beste Diplomarbeit auf dem Gebiet der Landschaftsökologie 2002 und den Jacob-JacobiPreis der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam(zusammen mit Bianca Dittrich) für den besten Studienabschluss.
S chließlich gibt es Naturschutzgesetze und
Daniel Hubs Diplomarbeit wurde betreut und begutachtet von Prof. Dr. Beate Jessel und Dr. Holger Rößling. Die Arbeit fand wohl deshalb so viel Aufmerksamkeit, weil es dem Verfasser gelungen ist, die ganze Kompliziertheit realer Ausgleichspraktiken für harte Eingriffe in die
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Natur kritisch unter die Lupe zu nehmen und überzeugend darzustellen.
Es war nicht nur das Studium am Institut für Geoökologie, das den Schweinfurter für seine ausgezeichnete landschaftsplanerische Arbeit motivierte. Vielmehr kam er schon mit Liebe zur Sache bei Beginn des Wintersemesters 1995/96 nach Potsdam. Er hatte nämlich seinen Zivildienst im Nationalpark Müritz absolviert und so frühzeitig den Blick für das Credo seiner Diplomarbeit geschärft. Als ausgeglichen gilt ein Eingriff in die Natur durch Infrastrukturmaßnahmen nach dem Brandenburgischen Naturschutzgesetz erst dann,“wenn nach seiner Beendigung keine erhebliche oder nachhaltige Beeinträchtigung das Naturhaushalts zurückbleibt und das Landschaftsbild landschaftsgerecht wiederhergestellt oder neu gestaltet ist“. Wiederaufforstung, Waldumbau durch Einpflanzung neuer Baumarten, Umwandlung von Ackerland in verloren gegangene Grünflächen, Wiedervernässung bei abgesunkenem Grundwasserspie
gel, Renaturierung von zugeschütteten Bächen,
sind unter anderem bekannte klassische Verfahren des Ausgleichs von Naturbeeinträchtigungen. Sie gelten auch heute noch. Da gibt es zunächst landschaftspflegerische Begleitplanungen. Mit der Qualität solcher Pläne befasste sich Daniel Hub am Beispiel eines Autobahnabschnitts Ag. Im Ergebnis ausführlicher Bodenanalysen konnte er unter anderem feststellen, dass der geplante Waldtyp den Wachstumsbedin
Daniel Hub im Geoökologie-Labor
an der Siebmaschine für Bodenproben. /
gungen auf der Ausgleichsfläche nicht optimal, viel zu wenig differenziert angepasst war. Erfolgskontrollen durch Zählung der neu angepflanzten Bäume, Ermittlung der Wachstumsgrößen, Charakterisierung der Belaubung, Umfang das Wildverbisses und anderes bestätigten dann auch die kritischen Feststellungen der Planqualitätsuntersuchung.„In den verschiedenen Teilbereichen der gewählten Ausgleichsfläche wies der Neuwald eine sehr unterschiedliche Qualität auf, mit Ausfallraten von durchschnittlich 69 Prozent bei Buchen und Rotbuchen beziehungsweise 28 Prozent bei Traubeneichen“, resümiert Daniel Hub.
Seine Erfolgskontrollen ermöglichen einesteils Entwicklungsprognosen für Ausgleichsobjekte. Wie wird es mit dem neu angelegten Wald weitergehen? Welche Baumarten werden überleben, welche zurückbleiben? Welche Nachfolgemaßnahmen wären sinnvoll? Die Diplomarbeit lässt auch Empfehlungen zur Überwindung heute bekannter Ausgleichsschwierigkeiten zu, darunter die Notwendigkeit bodenanalytischer Voruntersuchungen der Ausgleichsflächen, Schutz des Neuwaldes vor Wildverbiss, Beachtung einer zeitlichen Abfolge der Anpflanzung unterschiedlicher Baumarten, um das Überleben einer jeden Einzelnen zu gewährleisten.
„Man kann hier nur Signale geben, aber das haut auch nicht immer hin“, meint der mehrfach Ausgezeichnete bescheiden. ak
Portal 11-12/02
Foto: Fritze