Personalia
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Neue Wege
mit offenem Ausgang
Mark Stein sieht seine Juniorprofessur als Chance und Herausforderung
Die Perspektive, an unterschiedlichen Orten arbeiten zu können, reizte Mark Stein so sehr, dass er sich zunächst zum Luftverkehrskaufmann ausbilden ließ. Seitdem ist der Wissenschaftler unterwegs. Zwischen Deutschland und London pendelt er seit 1998. Auch andere Teile der Welt kennt er aus eigener Anschauung, so Oxford, Warwick oder die Karibik. Sein derzeitiger Arbeitsort ist die Universität Potsdam. Gehört er doch zu den ersten Juniorprofessoren an der Hochschule. Sein Feld ist die Auseinandersetzung mit außereuropäischen Literaturen und Kulturen.
assagiere, Fracht und Flughäfen interesieren den 36-Jährigen inzwischen weni
' ger, wenngleich er sich häufig auf Reisen begibt. Als er merkte, dass es sich an einer Hochschule selbstbestimmter als anderswo arbeiten lässt, entschied er sich, ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Politologie aufzunehmen. Diese Wissenschaftsdisziplinen lassen ihn bis heute nicht los. Am Institut für Anglistik und Amerikanistik in Potsdam baut der Wissenschaftler nun einen neuen Forschungsbereich auf.„Ich kann hier Neues entwickeln, den Bereich mit Inhalt füllen, das ist das Interessante“, sagt Mark Stein voller Begeisterung. Als Juniorprofessor arbeiten zu können, betrachtet er als eine Chance, aber auch als Experiment.„Ich freue mich sehr, dass ich diesen Weg in Potsdam gehen kann. Die Voraussetzungen sind nicht schlecht, aber der Ausgang des Versuches ist offen“, sagt er.
Bei den Juniorprofessuren handelt es sich ‘häufig um Schnittstellen zwischen verschiedenen Disziplinen. Mark Stein haben es die postkolonialen Literaturen und Kulturen angetan, also jene, die durch den europä
Portal 11-12/02
Juniorprofessuren
Grundlage für die Berufung von Juniorprofessoren ist das im Frühjahr dieses Jahres vom Bundesrat verabschiedete neue Dienstrecht für Professoren. Wissenschaftler ohne Habilitation sollen die Möglichkeit erhalten, zur eigenen Profilierung selbständig und eigenverantwortlich zu forschen und zu lehren. Berufen werden Wissenschaftler, deren herausragende Promotion nicht länger als fünf Jahre zurückliegt und die weitere exzellente wissenschaftliche Leistungen erbracht haben. Die Juniorprofessur ist auf maximal sechs Jahre befristet. be
ischen Kolonialismus geprägt wurden. Dazu gehören auch die postkolonialen Literaturen und Kulturen in der Diaspora. Dabei interessiert sich der Wissenschaftler ebenso für karibische Literaturen wie für
indische Filme oder
afrikanische Diasporaliteratur in Großbritannien. Autoren und Texte, die in
Reisen gehört und ist sein Hobby:
Juniorprofessor Mark Stein.
zu seinem Beruf
Foto: Fritze
vielen Teilen der Welt zu Hause sind, lassen sich nicht gut in engen Disziplinen rezipieren. Wegen der Spätfolgen des Kolonialismus, aufgrund einer globalisierten Weltwirtschaft und dank der rasanten Entwicklung der neuen Medien vermischen sich heute die verschiedenen Kulturen zunehmend, beobachtet der Hochschullehrer.
Die Fachgrenzen müssten ebenso durchlässig werden, wie es die Landesgrenzen schon sind. Dabei blieben Konflikte nicht aus, doch könnten sie nur im Rahmen größerer Zusammenhänge bearbeitet werden.
Den Juniorprofessor, der im Sommer 2000 promovierte, beschäftigt, wie sich diese ständige Erweiterung auf die Anglistik auswirkt. „Man kann nicht mehr nur noch England im Blick haben und sagen, ich mache Anglistik.“ Wer Salman Rushdie oder VS Naipaul lese, müsse sich für Indien und die Karibik interessieren. Weil sich englischsprachige Literaturen und Kulturen bedeutend und zunehmend veränderten, könnten Arbeits- und Leseweisen ebenso wie Interpretationsmethoden, die in den Literatur- und Kulturwissenschaften im Laufe der Zeit entwickelt wurden, nicht mehr ohne weiteres fortgeschrieben werden.
Zu den nächsten Vorhaben von Mark Stein gehört die Realisierung eines Buchprojektes gemeinsam mit einer Wiener Kollegin. Es geht dabei um eine Aufsatzsammlung zum Thema Lachen und Humor und deren Verhältnis zu postkolonialen Gesellschaften. Klar ist für ihn, „dass Humor in britischen Texten anders funktioniert als in Texten der Autoren aus postkolonialen Ländern“.
Wie bei jedem anderen Professor gehört auch beim Juniorprofessor neben der Forschung, der Erledigung von Verwaltungsaufgaben und der Nachwuchsförderung die Lehre zu seinen Aufgabenfeldern. Der Wissenschaftler möchte erreichen, dass sich die Studierenden bei seinen Lehrangeboten auf neue Sichtweisen, die sich aus Schnittstellen von Anglistik und Amerikanistik ergeben, einlassen.
Mark Steins Hobby ist sein Beruf. Er weiß um diesen Glücksumstand. Wenn er in Kürze nach Nordafrika aufbricht, ist er zwar gewöhnlicher Tourist, wird aber Land und Leute aus der Sicht des Kulturwissenschaftlers betrachten und neue Projekte im Kopf haben.
——
be
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