Heft 
(1.1.2019) 11
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Personalia

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Neue Wege

mit offenem Ausgang

Mark Stein sieht seine Juniorprofessur als Chance und Herausforderung

Die Perspektive, an unterschiedlichen Orten arbei­ten zu können, reizte Mark Stein so sehr, dass er sich zunächst zum Luftverkehrskaufmann ausbil­den ließ. Seitdem ist der Wissenschaftler unter­wegs. Zwischen Deutschland und London pendelt er seit 1998. Auch andere Teile der Welt kennt er aus eigener Anschauung, so Oxford, Warwick oder die Karibik. Sein derzeitiger Arbeitsort ist die Universität Potsdam. Gehört er doch zu den ersten Juniorprofessoren an der Hochschule. Sein Feld ist die Auseinandersetzung mit außereuro­päischen Literaturen und Kulturen.

assagiere, Fracht und Flughäfen interes­ieren den 36-Jährigen inzwischen weni­

' ger, wenngleich er sich häufig auf Reisen begibt. Als er merkte, dass es sich an einer Hochschule selbstbestimmter als anderswo arbeiten lässt, entschied er sich, ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Politologie aufzunehmen. Diese Wissenschaftsdisziplinen lassen ihn bis heute nicht los. Am Institut für Anglistik und Amerikanistik in Potsdam baut der Wissenschaftler nun einen neuen For­schungsbereich auf.Ich kann hier Neues entwickeln, den Bereich mit Inhalt fül­len, das ist das Interessante, sagt Mark Stein voller Begeisterung. Als Juniorpro­fessor arbeiten zu können, betrachtet er als eine Chance, aber auch als Experiment.Ich freue mich sehr, dass ich diesen Weg in Potsdam gehen kann. Die Vor­aussetzungen sind nicht schlecht, aber der Aus­gang des Versuches ist offen, sagt er.

Bei den Juniorprofes­suren handelt es sich häufig um Schnittstel­len zwischen ver­schiedenen Diszipli­nen. Mark Stein ha­ben es die postkolo­nialen Literaturen und Kulturen ange­tan, also jene, die durch den europä­

Portal 11-12/02

Juniorprofessuren

Grundlage für die Berufung von Juniorprofesso­ren ist das im Frühjahr dieses Jahres vom Bundesrat verabschiedete neue Dienstrecht für Professoren. Wissenschaftler ohne Habilitation sollen die Möglichkeit erhalten, zur eigenen Pro­filierung selbständig und eigenverantwortlich zu forschen und zu lehren. Berufen werden Wissen­schaftler, deren herausragende Promotion nicht länger als fünf Jahre zurückliegt und die weitere exzellente wissenschaftliche Leistungen erbracht haben. Die Juniorprofessur ist auf maximal sechs Jahre befristet. be

ischen Kolonialismus geprägt wurden. Dazu gehören auch die postkolonialen Literaturen und Kulturen in der Diaspora. Dabei interes­siert sich der Wissenschaftler ebenso für kari­bische Literaturen wie für

indische Filme oder

afrikanische Dia­sporaliteratur in Großbritannien. Autoren und Texte, die in

Reisen gehört und ist sein Hobby:

Juniorprofessor Mark Stein.

zu seinem Beruf

Foto: Fritze

vielen Teilen der Welt zu Hause sind, lassen sich nicht gut in engen Disziplinen rezipieren. Wegen der Spätfolgen des Kolonialismus, auf­grund einer globalisierten Weltwirtschaft und dank der rasanten Entwicklung der neuen Medien vermischen sich heute die verschiede­nen Kulturen zunehmend, beobachtet der Hochschullehrer.

Die Fachgrenzen müssten ebenso durchlässig werden, wie es die Landesgrenzen schon sind. Dabei blieben Konflikte nicht aus, doch könn­ten sie nur im Rahmen größerer Zusammen­hänge bearbeitet werden.

Den Juniorprofessor, der im Sommer 2000 promovierte, beschäftigt, wie sich diese ständi­ge Erweiterung auf die Anglistik auswirkt. Man kann nicht mehr nur noch England im Blick haben und sagen, ich mache Anglistik. Wer Salman Rushdie oder VS Naipaul lese, müsse sich für Indien und die Karibik interes­sieren. Weil sich englischsprachige Literaturen und Kulturen bedeutend und zunehmend ver­änderten, könnten Arbeits- und Leseweisen ebenso wie Interpretationsmethoden, die in den Literatur- und Kulturwissenschaften im Laufe der Zeit entwickelt wurden, nicht mehr ohne weiteres fortgeschrieben werden.

Zu den nächsten Vorhaben von Mark Stein gehört die Realisierung eines Buchprojektes gemeinsam mit einer Wiener Kollegin. Es geht dabei um eine Aufsatzsammlung zum Thema Lachen und Humor und deren Verhältnis zu postkolonialen Gesellschaften. Klar ist für ihn, dass Humor in britischen Texten anders funk­tioniert als in Texten der Autoren aus postkolo­nialen Ländern.

Wie bei jedem anderen Professor gehört auch beim Juniorprofessor neben der Forschung, der Erledigung von Verwaltungsaufgaben und der Nachwuchsförderung die Lehre zu seinen Auf­gabenfeldern. Der Wissenschaftler möchte erreichen, dass sich die Studierenden bei sei­nen Lehrangeboten auf neue Sichtweisen, die sich aus Schnittstellen von Anglistik und Amerikanistik ergeben, einlassen.

Mark Steins Hobby ist sein Beruf. Er weiß um diesen Glücksum­stand. Wenn er in Kürze nach Nordafrika aufbricht, ist er zwar gewöhnlicher Tourist, wird aber Land und Leute aus der Sicht des Kulturwissenschaft­lers betrachten und neue Pro­jekte im Kopf haben.

be

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