Lust auf Neues
Juniorprofessor Thomas Weith erforscht Regionen und liebt die Abwechslung
Thomas Weith lässt sich auf das Experiment Juniorprofessur ein.
Einiges muss allerdings noch auf die Beine gestellt werden.
Noch ist sein Zimmer mehr als spartanisch eingerichtet. Ein paar Plakate, eine Grünpflanze lassen Persönliches erahnen. Trotzdem ist Thomas Weith bereits voll in die Forschung und Lehre eingestiegen. Am 1. November trat er seine Juniorprofessur für„Angewandte Regional- und Umweltforschung“ im Institut für Geographie an. Damit ist der 1967 in Oberfranken Geborene der erste Juniorprofessor an der Universität Potsdam.
ich für diese Professur in Potsdam zu
bewerben, habe ihn deshalb gereizt, weil
er damit thematisch sehr gut an das anknüpfen könne, womit er sich bisher beschäftigt habe. So promovierte er über regionale Strategien der Siedlungsflächenentwicklung. Außerdem gefalle ihm die Atmosphäre am Institut, wo er seit 1998 als Lehrbeauftragter gearbeitet hat. Vorher war der Wissenschaftler sechs Jahre am Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner tätig. Dort beschäftigte er sich unter anderem mit der Nachnutzung von Militärbrachen.„Ich klebe nicht gerne an einem Stuhl“, sagt er und meint damit nicht, dass er die Uni Potsdam schnell wieder verlassen möchte. Aber irgendwann komme der Punkt, an dem es sich lohne da
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rüber nachzudenken, ob es im Interesse der eigenen Innovationsfähigkeit neue Perspektiven gebe.
Deshalb betrachtet Thomas Weith die Juniorprofessur als Herausforderung für sich. Mit dem Experiment Juniorprofessur zieht die Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb endlich einigermaßen gleich, sagt er energisch. Er hätte bisher keinem Kollegen im Ausland die Situation in Deutschland verständlich machen können. Mit 40 oder 45 seien Wissenschaftler noch von ihrem„großen Vater“ abhängig, der darüber entscheidet, welches Projekt sie einwerben, welche Publikationen sie schreiben, an welchen Tagungen sie teilnehmen und auf welchem Stuhl sie sitzen dürften.„Das ist nicht nachvollziehbar“, sagt der Professor. Deshalb sei die Einrichtung der Juniorprofessur in Deutschland ein Beitrag zur Normalisierung. Vielleicht ist es sein ingenieurwissenschaftlicher Hintergrund, der ihn am Sinn der Habilitation zweifeln lässt. Auch ohne diese Graduierung müssen die Juniorprofessoren nachweisen, dass sie internationale Spitzenleistungen erbringen. Thomas Weith freut sich darüber, dass die Universität die Juniorprofessuren als Möglichkeit zur Innovation und zur Rekrutierung von herausragendem Nachwuchs betrachtet.
Foto: Fritze
Personalia
www.uni-potsdam.de/portal/dezo2/personalia
So sieht der Wissenschaftler also mit Spannung auf sein neues Bewährungsfeld.„Die Professur soll gezielt die Schnittstelle zwischen der naturwissenschaftlich-ökologischen sowie den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen zur Entwicklung von Regionen bilden.“ Es geht also um die Grenze von Schutz und Nutzung durch politische Gestaltung. Er will sich in Zukunft mit der Analyse von sozioökonomischen Bestimmungsfaktoren der Nutzung von Natur und Landschaft sowie mit der Analyse und Bewertung von Steuerungsmöglichkeiten der Flächennutzung auf regionaler Ebene befassen. Auch die Evaluierung von Strategien und Instrumenten der Regionalentwicklung interessieren ihn. Bei seinen bisherigen Projekten hat der promovierte Landschaftsplaner gelernt, sich bei der Umsetzung von Ergebnissen nicht so leicht desillusionieren zu lassen. Als eine zentrale Aufgabe von Wissenschaft sieht er es an, auf Realisierbares aufmerksam zu machen. Diese Freiheit ermögliche ihm die Forschung.„Ich denke, wenn man verantwortungsbewusst handeln möchte, muss man darauf hinweisen, was in der Politik defizitär ist“, sagt er. Als ein zentrales Handlungsfeld, das nach seiner Auffassung bei weitem nicht so angepackt wird, wie es wünschenswert wäre, sind öffentliche Subventionen. Gemeint ist beispielsweise die Frage, in welchem Maße das Bauen auf der„grünen Wiese“ belohnt oder subventioniert werden sollte. Auch auf dem Feld der Förderung der regionalen Zusammenarbeit gebe es große Herausforderungen. Diese neuen, praxisbezogenen Themen will der Hochschullehrer auch in seine Lehre einfließen lassen.
Und weil Thomas Weith mehr vom Leben erwartet als nur Höchstleistungen im Beruf zu erbringen, geht er in die Oper, ins Theater oder
be
in Museen.
Beiratsmitglied
Der Sporthistoriker Prof. Dr. Hans Joachim Teichler von der Universität Potsdam ist in den gerade formierten Sachverständigen-Beirat des Bundesinnenministeriums in Sachen DDRDoping berufen worden. Das Gremium hat die Aufgabe, in zweifelhaften Fällen Stellungnahmen gegenüber dem für die Durchführung zuständigen Bundesverwaltungsamt abzugeben. Insgesamt arbeiten im Beirat sieben Experten unterschiedlicher Fachgebiete mit.
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Red.
Portal 11-12/02