Heft 
(1.1.2019) 03
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Uni Aktuell

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Nur wer rastet, der rostet

Beifall für die alterspsychologische Forschung bei der ersten Sonntagsvorlesung

Foto: Fritze

Dazu gelernt: Viele Trainingsmöglichkeiten.

Besucherschlangen an der Kasse im Alten Rat­haus. Run auf die Garderobe. Ein hoffnungslos überfüllter Saal mit zusätzlich aufgestellten Stüh­len. Etwa 20 meist ältere Besucher lehnen an der Wand. Viele können nicht mehr eingelassen wer­den. Ein Sonntagmorgen in PotsdamsJahr der Wissenschaften 2003!

x- it so viel Andrang bei der ersten Ver­anstaltung einer 16-teiligen Sonntags­

; L. vorlesungsreihe mit Experten hiesiger wissenschaftlicher Institutionen hatte wahrlich niemand gerechnet. Das Thema war auch span­nend. Privatdozent Dr. Ralf T. Krampe vom Ber­liner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Humanentwicklung sprach über neueste Erkenntnisse zu Möglichkeiten und Grenzen der Steigerung von Gedächtnis- und Lernleistungen im Alter.

Der Referent machte gleich zu Beginn seines Vortrages den zahlreichen Zuhörernim dritten und vierten Erwachsenenalter Mut, indem er all die deprimierenden Auffassungen vom lebens­langen Nervenzellen- und Gehirnabbau in Frage stellte und sie mit differenzierteren biologisch­psychologischen Erkenntnissen konfrontierte gewonnen in den letzten Jahren aus einer Viel­zahl alterspsychologischer Tests, verbunden mit moderner Rechentechnik und bekannten medi­zinischen Methoden wie der Computertomogra­fie.

Und das kam bei all dem heraus: Unser menschliches Gehirn verändert sich lebenslang. Furchen und Rillen verstärken sich, das Volumen wird kleiner. Dies trägt tatsächlich zu einem all­mählichen Nachlassen der Lern- und Gedächtnis­leistungen bei. Man reagiert langsamer auf

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Umweltreize, erinnert sich weniger gut, prägt sich Neues langsamer ein und löst Probleme weniger schnell. Um etwa ein Drittel ist die Geschwindigkeit der Hirnprozesse bei einem 90­Jährigen geringer als 50 bis 60 Jahre zuvor von Ausnahmen abgesehen. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter immer mehr Gehirnkapa­zität zur bewussten Aufrechterhaltung wichtiger Körperfunktionenabgezweigt wird.

Fest steht allerdingsheute auch, dass Jüngere wie Ältere in der Lage sind, ihre Gedächtnis- und Lernleistungen zu verbessern. Nur sollten die Senioren dabei ihre Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Tests zur Wiedergabe von Begriffen aus einer 30 Wörter umfassenden Liste in richti­ger Abfolge brachten nach 38 Trainingssitzungen in der Potsdamer Psychologie-Forschungsstelle Gutenbergstraße 67 bei jüngeren Personen bis zu 25 Treffern, bei älteren nur 15. Ralf Krampe bestätigte die Tatsache, dass ältere Menschen für altes Wissen ein recht gutes Gedächtnis haben und auch motorische Fähigkeiten wie Rad fahren, Schwimmen, Klavier spielen nur in geringem

Umfang einbüßen.

Aber es gibtgravierende Probleme bezüg­lich der Gedächtnisleistungen sowie der Lern­und Umlernfähigkeit in Zusammenhang mit neuem Wissen. Allerdings ist es möglich, sein Leistungsvermögen auch hier zu steigern. Neu­es bleibt besser im Gedächtnis, wenn im Moment des Aufnehmens eine Verbindung zu sicherem alten Wissen hergestellt wird. So prägen sich Gesichter anderer Menschen für längere Zeit besser ein, wenn Merkmale im Geisteüber­spitzt gespeichert werden. Sicher gibt es viele Trainingsmöglichkeiten. Und das Gehirn hilft auch biologisch mit. Es kann im Bedarfsfalle

weniger genutzte Areale dem Gedächtnisbereich zuschalten.

Trotz alledem wird das Lernen und Merken mit zunehmendem Alter mühsamer. Der ältere Mensch sollte sich aber nicht zuviel abverlangen. Und auch körperliche Bewegung ist gefragt. Fit­ness steigert die Gehirnleistung. Nur wer rastet, der rostet.

Übrigens: Die Uni- Psychologen suchen ältere Versuchspersonen. Es gibt eine Aufwandsentschä­

digung. Tel. 0331/9774780. ak

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Erde im Wandel Technologien für

die Zukunftsvorsorge

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Referent: Prof. Dr. Eckart Klein, Universität Potsdam

Die Sonntagsvorlesungen finden im Alten Rathaus, Am Alten Markt, 14467 Potsdam statt. Beginn ist 11.00 Uhr.