Heft 
(1.1.2019) 03
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Forschung

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Arbeitskreis Online-Forschung widmet sich internetbasierten Umfragen

Schnell und ohne große Probleme können heute Internet-Nutzer an Umfrageaktionen verschieden­ster Couleur teilnehmen. Doch während kommer­zielle Anbieter mit den regelmäßig auftretenden Verzerrungen offensichtlich ganz gut leben, berei­ten die solcherart erreichten Ergebnisse denjenigen Sorgenfalten, die einen sozialwissenschaftlichen Qualitätsstandard der erhobenen Daten anstre­ben. Mit dem Problem beschäftigen sich auch Claudia Buchheister, Philipp Pohlenz und Jan­Peter Hagemüller von der Universität Potsdam. Die drei haben sich deshalb vor einem reichlichen Jahr im Arbeitskreis Online Forschung zusammengetan.

- hre Arbeit bestimmen eigentlich gleich zwei

Schwerpunkte. Zum einen wollen sie fachli­che Unterstützung und Betreuung bei der Umsetzung von Online-Befragungen durch Mit­arbeiter und Studierende leisten, zum anderen geht es ihnen um einen eigenen Beitrag zur Ver­besserung der Erhebungsmethoden bei internet­basierten Umfragen.Gegenwärtig kann aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet, nicht davon gesprochen werden, dass es sich bei mit Hilfe des Internets erhobenen Daten um wirk­

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lich repräsentative Stichproben handelt, beschreibt Philipp Pohlenz das bestehende De. siderat. Der Leiter der Servicestelle für Lehreva­luation der Hochschule und zugleich Lehrbeauf­tragte im Fachbereich Soziologie erklärt auch warum.Repräsentativität erreicht man Mur, wenn Zufallsstichproben aus einer kontrollierba­ren Grundgesamtheit ausgewählt werden, erklärt er. Online sei die Kontrolle über eben diese Grundgesamtheit nicht möglich. Zudem können Umfrage-Initiatoren nicht überprüfen, wie viele und welche Nutzer sich tatsächlich hin­ter dem an das Netz angeschlossenen Computer verbergen.Wenn jemand zum Beispiel ein Star­kes persönliches Interesse an einer Thematik besitzt und den Online-Fragebogen ohne Beden. ken mehrfach ausfüllt, verfälscht er das Ergeb­nis, so Pohlenz dazu. Bisher gäbe es technisch kein Verfahren, das zu 100 Prozent vor einem solchen Missbrauch schützt, ohne dass dabei Personen von der Online-Umfrage ausgeschlos. sen werden und sie so an Benutzerfreundlichkeit verliert.

Trotzdem möchte die Gruppe das ErhebungSin­strument Internet nutzen, auch wegen der erheblich geringeren Kosten im Vergleich zur

herkömmlichen Papierform. Bei der Anlage der Befragungen geht das Team den Weg über die experimentelle Forschung.Wir setzen auf die parallele Verwendung ‚alter' und ‚neuer Medien und auch auf die Entwicklung von neuen Gewichtungsverfahren, um etwaige Unter­schiede zwischen postalischen und Online­Umfragen zu quantifizieren und rechnerisch

auszugleichen, erklärt Pohlenz. Dazu dient unter anderem auch eine internetbasierte Erhe­bung über die Nutzung verschiedener

Verkehrsmittel bei Potsdamer Studenten. Die Umfrage wurde zuvor vom Allgemeinen Studierendenausschuss der Universität(AStA) auf konventionelle Weise durchgeführt. Die Mit­glieder des Arbeitskreises haben beides miteinander verglichen. Erste Ergebnisse der

Analysen wurden für Interessierte unter http: //www.uni-potsdam.de/db/of bereits ins Netz gestellt. pg

All diejenigen, die Unterstützung bei der Durch­führung von Online-Umfragen benötigen, kön­nen sich per E-Mail an Philipp Pohlenz wenden: pohlenz@rz.Uni-potsdam.de

Problem bei. Online-Umfragen: Wer sitzt hinter dem Computer?

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