Ingo Reese, Martin Ziemann, Uwe Altenberger(vl.n.r.): Ein Onyx wird untersucht.
Mit Hightech
in den Grottensaal
Mobile Lasersonde macht spektroskopische Untersuchungen vor Ort möglich
Beim Bau des Neuen Palais ließ König Friedrich IT. den großen Raum im Erdgeschoss mit Blick in den Park Sanssouci als Grotte ausbauen. Der ursprünglich eher sparsam gestaltete Grottensaal erfuhr vor 105 Jahren eine Neugestaltung unter repräsentativen Aspekten durch Kaiser Wilhelm IT. So entstand eine riesige.und faszinierende Sammlung wertvoller Mineralstufen und Versteinerungen, die auf verschiedensten Wegen nach Potsdam gelangt waren: als Geschenke an den Kaiser und Souvenirs seiner Reisen sowie als gezielte Ankäufe. Die Herkunft vieler Stücke ist bis heute unbekannt und deren kulturhistorische Bewertung ungeklärt. Licht ins Dunkel wollen Wissenschaftler aus dem Institut für Geowissenschaften der Universität Potsdam bringen, die seit Jahren mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg eng zusammenarbeiten. Zum diesjährigen Jahr der Wissenschaft Potsdam 2003 ist eine Erweiterung der Methoden vorgenommen worden.
B
gung. Dazu wurde nun erstmals eine hochempfindliche spektroskopische Methode eingesetzt,
ei den wertvollen Unikaten im Grotten
saal sind und
zerstörungsfreie Untersuchungen Bedin
berührungslose
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die so genannte Mikro-Laser-Ramanspektroskopie, bei der das von einem Laserstrahl im Mineral erzeugte Ramanstreulicht analysiert wird. Bisher konnten Proben nur an stationären Ramanspektrometern im Labor untersucht werden. Das ist aber bei den Mineralen im Grottensaal ausgeschlossen, da eine Entnahme nicht in Frage kommt. Die Messungen müssen statt dessen mit einem transportablen Gerät vor Ort erfolgen. Dr. Martin Ziemann aus dem Institut für Geowissenschaften entwickelte gemeinsam mit Dr. Ingo Reese von der Firma Jobin Yvon GmbH in Bensheim ein Testgerät für den mobilen Einsatz. Dessen Eignung und Leistungsfähigkeit bewies sich bei Messungen im November 2002, an denen auch Dr. Uwe Altenberger aus dem gleichen Institut beteiligt war. Der Lasermesskopf ist mit Glasfaserkabeln flexibel mit Laser und Spektrometer verbunden und dadurch frei beweglich. Andererseits gewährleistet seine stabile Stativmontierung präzise Messungen im Mikrometerbereich(!).
Während bei Labormessungen polierte Mineralproben unter dem Mikroskop analysiert werden, stehen bei kunsthistorischen Objekten vor Ort nur natürliche, unpolierte Oberflächen zur Verfügung. So war anfangs zu klären, ob dies die
Foto: zg
Forschung
www.uni-potsdam.de/portal /juno3 /forschung
Untersuchungen behindern würde. Doch die Apparatur erwies sich als derart empfindlich, dass die Minerale bereits in Minuten eindeutig bestimmt werden konnten.
Weitere Messungen galten Mauerwerksveränderungen, die bereits zu Schäden an einigen Mineralen geführt haben, um Wege für ihre Rettung zu finden. Das Team führte unter anderem Messungen an Substanzen durch, die einen Onyx, einen schwarzen Achat, zu zerstören drohen. An einer anderen Stelle erlebte es eine Überraschung: eine merkwürdige blaue Schicht erwies sich als der Farbstoff“Preußisch Blau“ auf einer Kristallgruppe aus gelbem Blutlaugensalz, dem chemischen Ausgangsstoff bei der Herstellung des Farbstoffs. Beide Substanzen können nur künstlichen Ursprungs sein. Wann und warum Kristall und blaue Farbe in den Grottensaal kamen, ist nun durch kulturhisforische Untersuchungen im Rahmen der Zusammenarbeit weiter zu klären. Sicher ist bereits jetzt, dass das blaue Pigment 1704, also vor fast genau 300 Jahren, erstmals vom Berliner Farbenmacher Diesbach zufällig hergestellt wurde. Red.
Dr. Martin Ziemann ist im Institut für Geowissenschaften unter Tel.: 0331/977-2804 oder per E-Mail: ziemann@geo.uni-potsdam.de zu erreichen.
Grottensaal im Neuen Palais: Birgt mineralogische
Kostbarkeiten.
Portal 5-7/03
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