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(1.1.2019) 05
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Ingo Reese, Martin Ziemann, Uwe Altenberger(vl.n.r.): Ein Onyx wird untersucht.

Mit Hightech

in den Grottensaal

Mobile Lasersonde macht spektroskopische Untersuchungen vor Ort möglich

Beim Bau des Neuen Palais ließ König Friedrich IT. den großen Raum im Erdgeschoss mit Blick in den Park Sanssouci als Grotte ausbauen. Der ursprünglich eher sparsam gestaltete Grottensaal erfuhr vor 105 Jahren eine Neugestaltung unter repräsentativen Aspekten durch Kaiser Wilhelm IT. So entstand eine riesige.und faszinierende Sammlung wertvoller Mineralstufen und Verstei­nerungen, die auf verschiedensten Wegen nach Potsdam gelangt waren: als Geschenke an den Kaiser und Souvenirs seiner Reisen sowie als gezielte Ankäufe. Die Herkunft vieler Stücke ist bis heute unbekannt und deren kulturhistorische Bewertung ungeklärt. Licht ins Dunkel wollen Wissenschaftler aus dem Institut für Geowissen­schaften der Universität Potsdam bringen, die seit Jahren mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg eng zusammenarbei­ten. Zum diesjährigen Jahr der Wissenschaft Pots­dam 2003 ist eine Erweiterung der Methoden vor­genommen worden.

B

gung. Dazu wurde nun erstmals eine hochemp­findliche spektroskopische Methode eingesetzt,

ei den wertvollen Unikaten im Grotten­

saal sind und

zerstörungsfreie Untersuchungen Bedin­

berührungslose

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die so genannte Mikro-Laser-Ramanspektros­kopie, bei der das von einem Laserstrahl im Mineral erzeugte Ramanstreulicht analysiert wird. Bisher konnten Proben nur an stationären Ramanspektrometern im Labor untersucht wer­den. Das ist aber bei den Mineralen im Grotten­saal ausgeschlossen, da eine Entnahme nicht in Frage kommt. Die Messungen müssen statt des­sen mit einem transportablen Gerät vor Ort erfol­gen. Dr. Martin Ziemann aus dem Institut für Geowissenschaften entwickelte gemeinsam mit Dr. Ingo Reese von der Firma Jobin Yvon GmbH in Bensheim ein Testgerät für den mobilen Ein­satz. Dessen Eignung und Leistungsfähigkeit bewies sich bei Messungen im November 2002, an denen auch Dr. Uwe Altenberger aus dem gleichen Institut beteiligt war. Der Lasermess­kopf ist mit Glasfaserkabeln flexibel mit Laser und Spektrometer verbunden und dadurch frei beweglich. Andererseits gewährleistet seine sta­bile Stativmontierung präzise Messungen im Mikrometerbereich(!).

Während bei Labormessungen polierte Mine­ralproben unter dem Mikroskop analysiert wer­den, stehen bei kunsthistorischen Objekten vor Ort nur natürliche, unpolierte Oberflächen zur Verfügung. So war anfangs zu klären, ob dies die

Foto: zg

Forschung

www.uni-potsdam.de/portal /juno3 /forschung

Untersuchungen behindern würde. Doch die Apparatur erwies sich als derart empfindlich, dass die Minerale bereits in Minuten eindeutig bestimmt werden konnten.

Weitere Messungen galten Mauerwerksver­änderungen, die bereits zu Schäden an einigen Mineralen geführt haben, um Wege für ihre Ret­tung zu finden. Das Team führte unter ande­rem Messungen an Substanzen durch, die einen Onyx, einen schwarzen Achat, zu zerstören dro­hen. An einer anderen Stelle erlebte es eine Überraschung: eine merkwürdige blaue Schicht erwies sich als der FarbstoffPreußisch Blau auf einer Kristallgruppe aus gelbem Blutlaugensalz, dem chemischen Ausgangsstoff bei der Herstel­lung des Farbstoffs. Beide Substanzen können nur künstlichen Ursprungs sein. Wann und warum Kristall und blaue Farbe in den Grotten­saal kamen, ist nun durch kulturhisforische Untersuchungen im Rahmen der Zusammenar­beit weiter zu klären. Sicher ist bereits jetzt, dass das blaue Pigment 1704, also vor fast genau 300 Jahren, erstmals vom Berliner Farbenmacher Diesbach zufällig hergestellt wurde. Red.

Dr. Martin Ziemann ist im Institut für Geowis­senschaften unter Tel.: 0331/977-2804 oder per E-Mail: ziemann@geo.uni-potsdam.de zu er­reichen.

Grottensaal im Neuen Palais: Birgt mineralogische

Kostbarkeiten.

Portal 5-7/03

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