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Politisch keine Alternative
Nach Irak-Krieg schaffen neue Bedingungen Chancen für Nahost-Region
Stellt man eine Ex-post-Betrachtung an, wird man recht schnell zu dem Ergebnis kommen, dass die Entfernung des Diktators Saddam Hussein von der Macht ein Segen ist. Die mit dieser Aktion verbundene Tötung und Verwundung von Menschen sowie die Zerstörung öffentlichen und privaten Eigentums hinterlassen freilich einen sehr bitteren Geschmack, doch hat der Krieg voraussichtlich vielmehr Menschen das Leben gerettet als gekostet.
- in Blick in die entdeckten Massengräber ist
FE aufschlussreich. Von daher ist die Vorstel
S lung geradezu ein Albtraum, die USA und Großbritannien wären dem internationalen Druck gewichen und hätten ihre Truppen abgezogen. Wären Massenvernichtungswaffen gefunden worden, wäre niemand mehr in der Lage gewesen, gegen Saddam vorzugehen. Wären solche Waffen nicht gefunden worden, wäre Saddam der große Triumphator gewesen, hätte seine Diktatur weiter ausbauen und sich wieder Massenvernichtungswaffen verschaffen können, mit denen er jede friedliche Lösung des Nahostkonflikts hätte blo
Menschenrechtler Klein: Poli rechtlich pröblema
vernünftig,
ckieren können. Politisch gab es keine vernünftige Alternative zur— da nicht anders möglich— gewaltsamen Entfernung des Diktators. Rechtlich problematisch ist, dass die Verbündeten ohne Auftrag oder Legitimation des Sicherheitsrats gehandelt haben. Gerade der Völkerrechtler muss dies bedauern. Allerdings kennt er auch die immanente Schwäche— sieht man vom Selbstverteidigungsrecht ab— des von den Vereinten Nationen beanspruchten Gewaltmonopols. Zu Recht hat sich zwar die Auffassung durchgesetzt, dass sich aus der staatlichen Souveränität nicht mehr das Recht zum Krieg ableiten lässt. Tatsächlich ist dieses Gebot jedoch nur einzulösen, wenn die Vereinten Nationen in der Lage sind, die grundlegenden Werte der Völkerrechtsgemeinschaft— Abwehr schwerer Bedrohung für deren Mitglieder und Schutz des menschenrechtlichen Mindeststandards— zu garantieren. Geschieht dies nicht, gäbe sich das Recht auf, wenn dieser Fundamentalschutz auch anders nicht mehr realisierbar wäre. Diese Realisierung obliegt, wenn die Gemeinschaft ausfällt, zwangsläufig wieder ihren einzelnen Mitgliedern. Dies war die Situation im Kosovo. Dies gilt letztlich auch für den Irak. Freilich standen dort— vielleicht zu Unrecht— nicht die schweren Menschenrechtsverletzungen im Vordergrund. Vielmehr waren alle Mitglieder des Sicherheitsrats seit 12 Jahren der Auffassung, dass der Irak die Massenvernichtungswaffen, die er unzweifelhaft besessen (und ja auch bereits angewendet) hatte, entgegen der immer wieder erfolgten
Anordnung des Sicherheitsrates nicht(vollständig) beseitigt hatte. Es ging also, vor dem Ausbruch des Krieges, nicht um die Frage, ob Massenvernichtungswaffen da seien, sondern streitig war die Einschätzung, welche Gefahr gerade von ihnen ausgehe. Hier haben sich die Bedrohungsperzeptionen in den USA und vielen europäischen Ländern seit dem 11. September 2001 stark auseinander entwickelt. Unter diesem Aspekt ist das Vorgehen gegen einen Staat, dessen Verhalten übereinstimmend als friedensgefährdend beurteilt war, nicht so ohne weiteres zu verurteilen.
Der Sicherheitsrat ist ein nach politischen Maßstäben beschließendes Organ. Er versagt von vornherein, wenn seine ständigen, mit Vetorecht ausgestatteten Mitglieder unmittelbar betroffen sind. Sie können jede wichtige Be- Eckart Klein bekleidet an der Juristischen Fakultät die Professur für Staats-, Völker- und Europarecht. Zugleich
schlussfassung blockieren. Dies stellt zwar diese fünf Staaten nicht außerhalb des Völkerrechts(das für alle gilt), wohl aber außerhalb des im Rat konzentrierten Sicherheitsmecha
nismus. Die Gewaltmonopolisierung im Sicher
leitet er das Menschenrechtszentrum der Universität
heitsrat stand von Anfang an und steht noch heute unter diesem Vorbehalt.
Jetzt gilt es, die politisch günstiger gewordenen Bedingungen zum Wohl der Nahost-Region zu ergreifen. Hier eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten auch für die Vereinten Nationen und die Europäische Union. Die zentrale Rolle, ob gewollt oder ungewollt, werden aber erneut die USA zu spielen haben. Andere potente Akteu
re sind schlechterdings nicht in Sicht. Eckart Klein
Eckart Klein referierte auch im Rahmen der ‘Reihe„Potsdamer Köpfe“ zu ähnlicher Problematik. Seine Sonntagsvorlesung am 1. Juni trug den Titel„Der Schutz der Menschenrechte in kriegerischen Konflikten“.
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