Heft 
(1.1.2019) 05
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Forschung

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Beginn einer neuen Geopolitik?

Neue Fragen nach der Rolle internationaler Organisationen und Regeln

Nach dem Irak- und Afghanistan-Krieg stellt sich die Frage nach der ökonomischen und gesellschaft­lichen Entwicklung eines Landes, dessen Grenzen großteils aus der Kolonialzeit stammen und des­sen kulturelle Wurzeln sowie Identität erst durch eine Diktatur über Jahrzehnte und dann durch diesen Krieg zerstört wurden.

s entstehen Transformationsländer ganz

FE neuen Typs- ohne einen gesellschaft­lichen Konsens über die zu errichtenden staatlichen Strukturen, die Wirtschaftsordnung sowie die großräumige Orientierung bezie­hungsweise globale Ausrichtung des Landes. Durch das Fehlen insbesondere des Grundkon­senses sowie moderner offener gesellschaftlicher Leitbilder(und einer Zivilgesellschaft) ist ein Abgleiten dieser Länder in anhaltendes Chaos wie zum Beispiel in Somalia und Äthiopien nicht ausgeschlossen. Dieses dient den zunehmend im Wettbewerb stehenden Integrationsräumen wie hier den USA, um die weitere militärische Präsenz sowie die geführte Staats- und Wirt­schaftsbildung zu begründen. Beide Wege sind mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten, letzte­rer aber auch mit erwarteten hohen Erträgen ver­bunden. Sind damit weitere politisch präventive Kriege auch als eine Art ökonomischer Investi­tion, auch zur Überwindung eigener Strukturpro­bleme, denkbar? Denn der Reichtum eines Lan­des etwa in Form von Öl, Wasser und Kulturgü­tern schafft die schon in

Foto: Fritze

der Kriegsvorbereitung bekannte Option, die Kosten aus dem betroffe­nen Land zu decken. Für die restlichen(auch poli­tischen) Kosten besteht die Option, sie in der

Kriegskoalition national

Wilfried Fuhrmann ist aufzuteilen, also bei­

Inhaber der Professur für Wirtschaftstheorie mit dem Schwerpunkt

makroökonomische The­

orie und Politik an der

Wirtschafts- und Sozial­

wissenschaftlichen Fakultät der Universität

Potsdam.

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spielsweise auf die USA und(die Koalition in der EU) Dänemark, Polen und andere, und dann auch die erwarteten Erträge über den Zugang zu Ressour­cen wie Ölfelder

und künftige Ab­

satzmärkte sowie die Ausrichtung der zukünfti­gen Ströme von Finanz- und Humankapital. Es entstehen neue Fragen wie die nach der politi­schen und ökonomischen Verantwortungsethik, und es sind wieder nationale staatliche Verhal­tensphänomene zu beobachten, die bis hin zu einem antizipierenden Trittbrettfahren, auch ver­bunden mit erheblichen Seitenzahlungen, gehen.

Die Zeit des Postkolonialismus mit der Idee der staatlich-eigenverantwortlichen Entwicklung ist ebenso vorbei wie die Bipolarität mit ideologisch motivierter Entwicklungs- sowie Militärhilfe und den Blockfreien als eine dritte Kraft. Es erscheint möglich, dass der globale Gestaltungsanspruch der großen Integrationsblöcke zeitweise direkt und offener den Eigeninteressen folgt als es über internationale Organisationen wie in deren Evo­lutionsprozess zwischen einer grundsätzlich öko­nomisch konzeptionellen Ausrichtung und einer (macht-) politischen Interessenabwägung mög­lich ist. Auch in den internationalen Organisatio­nen wird der Wettbewerb um Vorteile intensiver, auch wenn die ökonomische Machtverteilung zum Teil nicht so einseitig ist wie die(militärisch gestützte) politische beispielsweise in der UNO. Damit stellen sich die institutionenökonomi­schen Fragen nach zukünfti­gen Wechselbeziehungen

und der Bedeutung der politischen und ökonomi­

schen internationalen Organisationen und Regeln sowohl ökono­misch nach Form und

Intensität des neuen

geopolitischen

Wettbewer­

bes als auch nach der Wahrscheinlichkeit einer Fragmentierung der Globalisierung. Diesen geo­politischen Wettbewerb haben europäische Län­der mit der EU, der gemeinsa­men Agrarmarktpolitik, dem

Euro, den Präferenzabkom­men zugunsten ehemaliger Kolonien und sogenannter Strategien, um zum wettbe­werbsfähigsten Wirtschafts­raum der Welt(!) zu werden,

seit Lissabon aufgenommen

und zum Teil initiiert. Die

Idee eines arabischen Inte­

grationsraumes mit einer

USA-Orientierung(siehe Freihandelszone, Roadmap) oder auf die EU(siehe EU­MED Initiative, Idee der Mittelmeerbank, Gipfel von Lissabon) ist ebenso inter­essenorientiert das Bemühen Deutschlands, angesichts der Realitäten

wie

nach dem Krieg am Aufbau und Markteintritt zu parti­zipieren- wenn auch über die UNO.

Wilfried Fuhrmann

Bemühen Deutschlands:

Nach dem Krieg am Aufbau partiZip

Foto: Repro